Forderung des Paritätischen Sozialverband fordert Freifahrten auch bei Freiwilligendiensten

Soldaten in Uniform können ab 2020 kostenlos mit der Bahn fahren. Der Paritätische Gesamtverband findet das unfair und fordert nun: Alle, die einen Freiwilligendienst leisten, sollen ebenfalls kostenlos Bahn fahren dürfen.

Der Paritätische Gesamtverband fordert die Einführung kostenloser Bahnfahrten für alle, die einen Freiwilligendienst absolvieren. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider, wenn schon von Freifahrten gesprochen werde, sollte die Bundesregierung ihren Blick auf die 100.000 überwiegend jungen Menschen in den Freiwilligendiensten richten. Diese würden "für ein Taschengeld von maximal 400 Euro im Monat echten Einsatz für unser Gemeinwesen leisten".

Zu den Freiwilligendiensten gehören etwa der Bundesfreiwilligendienst oder das Freiwillige Soziale Jahr. Laut Schneider hätten diese Menschen eine Anerkennung durch kostenlose Bahnfahrten mehr als verdient. "Und sie könnten auch materiell die Befreiung von ihren Fahrtkosten dringend brauchen", sagte er.

Soldaten fahren kostenlos

Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Der Paritätische Gesamtverband
Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer der Paritätischen Gesamtverbandes fordert nun: Freifahrten auch für alle, die einen Freiwilligendienst leisten. Bildrechte: Der Paritätische Gesamtverband

Hintergrund ist die Einführung kostenloser Bahnfahrten für Soldaten in Uniform ab Januar 2020. Die Regelung gilt für dienstliche und private Fahrten in der zweiten Klasse im Fern- und Regionalverkehr. Laut "Bild" bekommt die Bahn dafür von der Bundeswehr rund vier Millionen Euro pro Jahr. Das Vorhaben wurde seit längerem von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt vorangetrieben und war von der neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer aufgegriffen worden.

Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband übte an der nun beschlossenen Regelung deutliche Kritik: Dass Soldaten früher Freifahrten zwischen Wohnort und Kasernen bekommen hätten, sei nur sachgerecht gewesen. "Heute haben wir es allerdings mit einer Berufsarmee zu tun, und es gibt keinen wirklichen Grund, einer bestimmten Berufsgruppe das Privileg freier Bahnfahrten zu gewähren", sagte Schneider.

Diese Berufsgruppen können kostenlos Bahn fahren Soldaten in Uniform sollen ab 2020 kostenlos mit der Bahn fahren können. Sie sind nicht die einzige Berufsgruppe, die das darf: Für Polizisten in Dienstuniform gilt bereits eine entsprechende Regelung. Mit Tragen der Uniform haben sie nach Angaben der Bahn allerdings auch die Pflicht, bei Problemen einzugreifen. Die Beamten der Landes- und Bundespolizei sollen demnach außerdem den Fahrgästen durch ihre Anwesenheit in der Bahn ein "Sicherheitsgefühl" vermitteln.

Abgeordnete des Bundestages erhalten kostenlos eine Bahncard 100, dürfen also alle Züge des Nah- und Fernverkehrs nutzen, außerdem die meisten anderen öffentliche Verkehrsmittel. Seit 2012 darf die Netzkarte explizit auch für private Fahrten genutzt werden, zuvor galt die Regelung nur für dienstliche Zwecke.

Auch Mitarbeiter der Deutschen Bahn selbst dürfen teilweise kostenlos mit den Zügen fahren. In der Regel allerdings nicht unbeschränkt, vielmehr bekommen sie eine gewisse Anzahl an Freifahrten.

Freifahrten auch für Pflegekräfte?

Am Wochenende hatte bereits der Deutsche Kulturrat Freifahrten für ehrenamtlich engagierte Menschen gefordert. Das wäre ein gutes Signal, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann. "Die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich und freiwillig engagieren, haben wie die Soldatinnen und Soldaten Anerkennung und Respekt verdient", erklärte er.

Zudem hatte der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler kostenlose Bahnfahrten für Pflegekräfte gefordert und erklärt, nicht der Militärdienst sollte gefördert werden, sondern Berufe, die dem Wohl der Menschen dienen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Bundeswehrsoldaten stehen 2014 auf dem Bahnsteig während ein ICE einfährt
Bundeswehrsoldaten dürfen bald kostenlos mit der Bahn fahren. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. August 2019 | 06:30 Uhr

7 Kommentare

Helga vor 40 Wochen

Kostenlos - klingt natürlich gut. Aber in Realität für aööes bezahlt jemand, Kostenlos gibt es nichts. Ich möchte gerne wissen: wer bezahlt für kostenlose Tickets: Bundesland (d.h. Steuerzahler), Bund (d.h. ebenfalls Steuerzahler) oder wird das auf Bahnkunden durch höhere Bahnpreise umgelegt (die auch heute weit über Realität sind) ?

Atheist vor 40 Wochen

Was sollen diese sozialistischen Forderungen?
Als nächstes die Rentner dann Frauen und Alleinerziehende danach ....
Wo die ständigen Subventionen hinführen haben wir in der DDR gesehen

Lisa vor 40 Wochen

Tja Mediator,

Sie können ihre eigene Definition für Schwerbehinderte lange umschreiben. Aber ab 50 Prozent gilt man als Schwerbehinderte.

Die Kommunen geben auch kleine Rabatte, aber der Bund nicht. (Punkt)