Traueraktion für Rechtsextremisten Die Hooligan-Szene beim Chemnitzer FC

Nach der hochumstrittenen Traueraktion für einen rechtsextremen Hooligan bei einem Spiel des CFC schlagen die Wellen hoch. Wie konnte es zu der Aktion kommen? Wer war der verstorbene Thomas Haller, Gründer der „HooNaRa“?

Im Stadion des Chemnitzer FC wird ein verstorbener Fan geehrt - eine gut vorbereitete Trauerszene. Nach seinem Tor hält der FC-Spieler Daniel Frahn ein T-Shirt zu Ehren des Toten hoch, darauf zu sehen ist die Losung: „Support your local hools“ - „Unterstütz’ deine örtlichen Hooligans!“

Seitdem ist beim Chemnitzer FC nichts mehr wie vorher. Denn der Geehrte war nicht nur ein großer Anhänger des Vereins, sondern auch ein militanter Neonazi: Thomas Haller wurde 54 Jahre alt. Sein Geld verdiente er als Security-Unternehmer. In Chemnitz kennen ihn viele.

Aktive Hooliganszene seit den 1990er Jahren in Chemnitz

Anfang der 90er-Jahre gründete der gelernte Fleischer „HooNaRa“, eine Abkürzung für Hooligans, Nazis und Rassisten. Später brüstete sich Haller in einem Interview, seine Gruppe habe sich in ganz Deutschland und Europa mit anderen Hools zu verabredeten Schlägereien getroffen. Zitat Thomas Haller: „Wo wir hingefahren sind, haben wir alle geschlagen. … Du wirst nirgends eine Aktennotiz finden, in der steht, dass Hoonara einen Unbeteiligten in Mitleidenschaft gezogen hat.“

Übergriffe von HooNaRa-Anhängern auf Punks

Waren bei „HooNaRa“ nur Anhänger der sogenannten dritten Halbzeit? In Hohenstein-Ernstthal erinnert eine Gedenktafel an Patrick Thürmer. Der 17-jährige Punk wurde vor 20 Jahren von drei Rechtsextremisten erschlagen. Einer der Täter war aktives Mitglied von HooNaRa. In der Nacht war auch Thomas Haller vor Ort. Laut Zeugenaussagen soll Haller auch selbst auf Punker eingeschlagen haben.

Die Ermittler taten sich schwer, weil Haller, seine Mitarbeiter und Kameraden mauerten oder schwiegen. Haller, der vor allem betrunken immer wieder gewalttätig geworden sein soll, schadet das Ganze nicht. Er wurde immer wieder als Security Unternehmer engagiert - am Sachsenring, aber vor allem in Chemnitz selbst. Dort sorgte Hallers Firma auch für Sicherheit auf Veranstaltungen der Freien Presse und bei Stadtfesten. Durch diese Aufträge besorgte Haller Jobs für seine Kameraden - aus Sicht des Hooligan-Forschers Robert Claus nicht zu unterschätzen.

Haller hat rechte Hooligans in seinem Sicherheitsdienst angestellt. Das muss man ja auch wissen, dass diese Szenen ihre eigenen Wirtschaftskreisläufe bilden und dafür sind insbesondere Security-Unternehmen in der Region besonders wichtig.

Robert Claus, Hooliganforscher

Ein Freund Hallers berichtet, dieser habe stets gut bezahlt. Der jetzige Wirbel ist für ihn Heuchelei. „Alle in der Stadt kannten seine Vergangenheit. Es wurde immer geduldet, dass er und seine Security-Mitarbeiter überall arbeiten durften.“

Halbherzige Trennung der Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer FC

2007 schien es mit Hallers Glückssträhne vorbei zu sein. Der Chemnitzer FC trennte sich von seinem Sicherheitsunternehmen, nachdem er sich in einem Interview als HooNaRa-Gründer geoutet hatte. Doch ganz weg war Haller beim Chemnitzer FC offenbar nicht, berichtet Hanka Kliese, die für die SPD im Sächsischen Landtag sitzt. Insbesondere bei Hallenturnieren habe man Haller Security noch gesehen. Inzwischen sind beim Chemnitzer FC mehrere Verantwortliche zurückgetreten.  Aufgeklärt ist bisher nichts.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 13. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 09:01 Uhr

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