Generalbundesanwalt "Revolution Chemnitz": Anklage gegen rechte Terrorgruppe

Die Bundesanwaltschaft wirft einer Gruppe von jungen Männern aus und um Chemnitz die "Bildung einer terroristischen Vereinigung" vor. "Revolution Chemnitz" nannte sich das Netzwerk, gegen das der Generalbundesanwalt Anklage erhoben hat.

Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe hat Anklage gegen acht Mitglieder der mutmaßlich rechtsextremen Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" erhoben. Die Behörde bestätigte am Dienstag entsprechende Medienberichte. Details nannte sie keine.

Bürgerkriegsartigen Aufstand geplant

NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" berichteten, den Männern werde vorgeworfen, sich im September vergangenen Jahres zusammengeschlossen zu haben, um Anschläge zu begehen. Sie sollen aus Chemnitz oder dem Chemnitzer Umfeld stammen und teils Kontakte in die Hooligan-Szene und in die rechtsradikale Fußballszene unterhalten haben.

Für den 3. Oktober war den Medienrecherchen zufolge ein bürgerkriegsartiger Aufstand in Berlin geplant. Die Gruppe wollte es so aussehen lassen, als hätten linke Gruppierungen die Anschläge begangen. Kurz zuvor – am 1. Oktober 2018 – waren die Beschuldigten allerdings verhaftet worden.

Chatprotokolle sind Grundlage der Anklage

Grundlage für die Anklage ist unter anderem die Auswertung von Chat-Protokollen auf den Mobiltelefonen der Beschuldigten. Unter der Führung von Christian K. hatten sich die Männer in einer verschlüsselten Chat-Gruppe "Planung zur Revolution" zusammengefunden. In der Gruppe sollen auch Hitlerbilder gepostet worden sein. Der Anführer hat laut Recherchen sich seine Kumpanen bewusst nach ihrer Gewaltbereitschaft ausgesucht.

Wie konkret die Planung für den Anschlag am Tag der Deutschen Einheit war, ist bislang nicht bekannt. Nach Erkenntnissen des Generalbundesanwaltes war die Gruppe aber dabei, sich Schusswaffen zu besorgen.

Regierungssturz war Ziel der Gruppe

In einer Vernehmung räumte einer der Angeklagten laut Medienrecherchen ein, mit der Aktion hätten "Gesetze außer Kraft gesetzt werden" sollen. In Berlin sollte "so etwas wie ein Bürgerkrieg, ein Aufstand entstehen" mit der Folge, "dass sich die Polizei auf unsere Seite stellt, gegen die Linken." Nach Überzeugung der Ermittler sollten der Aktion "langfristig weitere Gewaltakte" folgen. Ziel der Gruppe sei der Sturz der Regierung und der Zusammenbruch der demokratischen Ordnung gewesen.

Von Geschehnissen in Chemnitz beflügelt

Offenbar war die Gruppe durch die Demonstrationen in Chemnitz Ende August beflügelt worden. Nach dem tödlichen Messerangriff auf den Chemnitzer Daniel H. bei einem Stadtfest war es zu Ausschreitungen gekommen, bei denen die Polizei zeitweise die Kontrolle verloren hatte. Nach dem Vorfall hatten zahlreiche Bundespolitiker die Stadt in Sachsen besucht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 25. Juni 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 22:10 Uhr