Walter Lübcke Regierungspräsident Kassel
Lübcke 2017 in Bad Hersfeld: Durch sein couragiertes Eintreten für Flüchtlinge hatte sich der CDU-Politiker in der rechtsextremen Szene viele Feinde gemacht. Bildrechte: imago images / Eibner

Bundesanwaltschaft Rechtsextremistischer Hintergrund im Fall Lübcke vermutet

Die Bundesanwaltschaft geht im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Der in U-Haft sitzende Tatverdächtige ist für die Ermittler kein Unbekannter.

Walter Lübcke Regierungspräsident Kassel
Lübcke 2017 in Bad Hersfeld: Durch sein couragiertes Eintreten für Flüchtlinge hatte sich der CDU-Politiker in der rechtsextremen Szene viele Feinde gemacht. Bildrechte: imago images / Eibner

Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gehen die Ermittler von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Wie der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Markus Schmitt, am Montag in Karlsruhe mitteilte, sind das Vorleben sowie frühere Äußerungen des in Untersuchungshaft sitzenden, dringend tatverdächtigen Stephan E. Grundlage für diese Annahme.

Anhaltspunkte, dass der 45-Jährige in eine rechtsterroristische Vereinigung eingebunden sein könnte, gebe es allerdings nicht, sagte der Behördensprecher. Es werde aber weiter ermittelt.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Karlsruhe: Markus Schmitt, Sprecher der Bundesanwaltschaft, gibt ein Statment zum Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke.
Behördensprecher Markus Schmitt: "Gehen davon aus, dass es sich um einen rechtsextremistischen Hintergrund handelt." Bildrechte: dpa

Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor die Ermittlungen in Mordfall Lübcke an sich gezogen, nachdem sie von einem Täter aus dem rechtsextremistischen Milieu ausgegangen war. Der ursprünglich aus Bayern stammende Tatverdächtige war am frühen Samstagmorgen von Spezialkräften in Kassel festgenommen worden. Seine DNA war am Tatort sichergestellt worden. Seit Sonntag sitzt er unter dringendem Mordverdacht in Untersuchungshaft. Er sei dringend verdächtig, Lübcke heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Tatverdächtiger einschlägig vorbestraft

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist der tatverdächtige E. einschlägig vorbestraft. Aus Sicherheitskreisen hieß es außerdem, er habe zumindest in der Vergangenheit Verbindungen in die rechtsextreme Szene gehabt.

Walter Lübcke
Walter Lübcke wurde möglicherweise das Opfer eines Täters mit rechtsextremen Hintergrund. Bildrechte: dpa

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" soll er 1993 einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim im hessischen Hohenstein-Steckenroth verübt haben. Außerdem soll er am 1. Mai 2009 an Angriffen von Rechtsradikalen auf eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Dortmund beteiligt gewesen sein. Er sei damals wegen Landfriedensbruchs zu sieben Monaten Haft verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt worden seien.

Steinmeier besorgt - Merkel fordert Aufklärung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich besorgt ob des mutmaßlich rechtsextremistischen Hintergrunds im Fall Lübcke. Die vollständige Aufklärung der Tat habe "oberste Priorität". Wie wichtig es sei, jede einzelne Tat zeitnah und umfassend aufzuklären, hätten Beispiele aus der jüngeren deutschen Geschichte gezeigt, sagte das Staatsoberhaupt der "Süddeutschen Zeitung", offenbar mit Blick auf die NSU-Mordserie .

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine rasche Aufklärung der Hintergründe des Verbrechens. In dem Zusammenhang begrüßte die CDU-Politikerin die Übernahme der Ermittlungen durch die Generalbundesanwaltschaft.

Auf Terrasse erschossen

Ermittler der Polizei stehen auf der Terrasse am Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.
Lübcke wurde auf der Terrasse seines Hauses aus nächster Nähe erschossen. Bildrechte: dpa

Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen-Istha erschossen worden. Laut Obduktion wurde der 65-Jährige mit einer Kurzwaffe aus nächster Nähe getötet.

Der CDU-Politiker war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden. Er hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Seither soll Lübcke auf verschiedenen "Todeslisten" von Neonazis gestanden haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juni 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 19:40 Uhr