Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft singen die Nationalhymne
Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft singen die Nationalhymne. Bildrechte: dpa

Gleichstellung Geschlechtsneutrale Nationalhymne: Idee stößt auf Skepsis und Ablehnung

Die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium, Kristin Rose-Möhring, hat angeregt, den Text der Nationalhymne zu ändern - und zwar in puncto Geschlechterneutralität. Konkret könnten Begriffe wie ‚Vaterland‘ und ‚brüderlich‘ ersetzt werden. Das Institut für Deutsche Sprache zeigt sich aufgeschlossen für den Vorschlag. Ablehnung kommt von Unionspolitikern – und den MDR-Nutzern bei Facebook.

von Uwe Jahn, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft singen die Nationalhymne
Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft singen die Nationalhymne. Bildrechte: dpa

"Blüh‘ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Heimatland" – so könnte die Schlusszeile der deutschen Nationalhymne lauten, wenn man statt Vaterland einen geschlechterneutralen Begriff nimmt. Und die Zeile: "danach lasst uns einig streben, brüderlich mit Herz und Hand", sollte dem Vorschlag zufolge dann "couragiert mit Herz und Hand" enden.

Ludwig Eichinger, Direktor des Institutes für deutsche Sprache, hält Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache zwar für eine wichtige Aufgabe, ist aber dennoch skeptisch: "Ich denke, dass man bei rituellen Texten gründlich überlegen sollte, bevor man etwas ändert und ob man den Stil auch richtig trifft. Die Nationalhymne ist ja ein anerkannter Dichtungstext."

Anderer Stil wäre zu auffällig

In diesem Lichte beurteilt Eichinger auch die Vorschläge der Gleichstellungsbeauftragten anlässlich des Weltfrauentages am 8. März. Bei Vaterland und Heimatland sei die Änderung nicht schrecklich auffällig. "Ich hab gehört, für die andere Stelle mit brüderlich, da wäre couragiert vorgesehen, das scheint mir in dem Stil wenig neutral und auffällig", erklärt Eichinger. "Man müsste eben auf jeden Fall noch mal sehen, dass es, wenn man es denn ändern will, den Texttyp einigermaßen trifft."

Der Musikzug des Wachbataillons
Die Nationalhymne sei Teil vieler Rituale, bei Änderungen sei deshalb Vorsicht geboten, argumentiert die Gesellschaft für Deutsche Sprache. Bildrechte: dpa

Couragiert passt nicht – der Dichter der Hymne hätte dieses dem französischen entlehnte Fremdwort wohl kaum verwendet. Im Sinne einer Geschlechtergerechtigkeit wäre es vielleicht auch möglich, jedem Geschlecht jeweils einen Begriff zu gönnen: beispielsweise schwesterlich und Vaterland oder brüderlich und Mutterland. Ludwig Eichinger hält das für denkbar: "So eine Art Wechsellösung würde ich durchaus als Option überlegen."

Sternchen im Schriftbild

Allerdings gibt es heute Bestrebungen, niemanden mehr auszuschließen, selbst wenn er sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt. Man oder wer auch immer setzt dabei auf neutrale Begriffe oder auch Sternchen im Schriftbild. Ganz schön verzwickt, in einer Sprache, in der jedes Hauptwort erkennbar männlich, weiblich oder sächlich ist, so der Sprachwissenschaftler Ludwig Eichinger: "Daher ist es auch nicht überraschend, dass da Formen herauskommen, die uns zum Teil irritieren. Aber nicht alle diese Formen werden sich durchsetzen." Und weiter:

Man muss diese Diskussion, glaube ich, positiv durchstehen.

Ludwig Eichinger, Direktor des Instituts für deutsche Sprache

Am Ende plädiert Eichinger dafür, auf die deutsche Sprache zu vertrauen. Sie hat sich bis jetzt gegen viele Formen der Einflussnahme oder Moden als außerordentlich widerstandsfähig erwiesen.

Ablehnung bei MDR-Nutzern und aus der Politik

Auf der Facebook-Seite von MDR AKTUELL zeichnet sich bei einer kurzfristigen Umfrage derweil ein eindeutiger Trend ab. Die Frage, ob die Nationalhymne geschlechterneutral sein soll, verneinten bis zum Abend 711 User. Lediglich 69 Nutzer sprachen sich dafür aus.

Auch eine Reihe von Unionspolitikern äußerte sich ablehnend. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher ausrichten, sie sei mit der Hymne in ihrer jetzigen Form "sehr zufrieden".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2018 | 17:26 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2018, 19:35 Uhr

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61 Kommentare

06.03.2018 20:03 Wo geht es hin? 61

Ich habe mal die beeindruckenden Vita von Frau Kristin Rose-Möhring gelesen. Und ich war Sekundenbruchteile später schon damit fertig. Warum? Weil sie keine hat. GENAU solche Leute braucht das Land in unseren Führungspositionen - nichtsagend, davon aber sehr viel und das auch noch laut. Und alles wird gut...

06.03.2018 18:15 Eveline 60

Haben unsere Politiker nichts anderes zu tun als sich mit so einem Schwach sinn zu beschäftigen??Sollten sich lieber um wichtige Dinge kümmern.Es gibt ja wohl genug Probleme in Deutschland!!!!

06.03.2018 18:10 PeterPlys 59

@52 Ick nu wieder
Was meinen Sie mit Konjunktiv? Wenn Sie allerdings auf dem "Sie" bestehen (was nichts mit dem "Konjunktiv" zu tun hat), dann mache ich da mal eine Ausnahme. Im Internet sind diese Umgangsformen sonst allerdings nicht üblich. Wenn Sie mir dann noch einen Tipp geben, wo sich ein Kommafehler in meinem Kommentar befindet, wäre ich Ihnen sehr verbunden. Ich kann keinen entdecken. In meinen zweiten Satz gehört kein Komma!
Zum Thema: Natürlich müssen auch im Sprachgebrauch Änderungen zur rechtlichen Gleichstellung durchgesetzt werden. Sprache hat sich schon immer weiter entwickelt. Dies gilt aber meiner Meinung nach nicht für historische Dichtkunst.

06.03.2018 17:46 Dinge, die die Welt nicht braucht 58

was gab`s denn beim "Gender-Brainstorming" zur Nationalhymne im kleinen Kreis zu rauchen?

06.03.2018 17:24 Dreißiger 57

@44. Sie Schlingel oder Schlingelin, muss das nicht Vatersprache heißen...

06.03.2018 17:06 Dreißiger 56

Die Dummheit unserer Politiker kennt keine Grenzen. Mehr gibt´s zu diesem Schwachsinn nicht zu sagen.

06.03.2018 16:34 Bingo 55

Lächerlich wie so vieles,man könnte meinen, es gibt nichts wichtigeres zu tun.

06.03.2018 15:42 Fragender Rentner 54

Wenn jetzt alles Geschlechstneutral werden soll, warum fordert man dann immer mehr Frauen an die Macht usw.?

Man braucht doch nur noch sagen es ist eine Person dran. :-)))

06.03.2018 14:38 D.o.M. 53

Sie Gendermenschen, seien Sie einfach nur froh und glücklich, dass wir hier im deutschsprachigen Raum wohnen. Ist Ihnen vertraut, wie gendergerecht bei uns geflucht wird? Da gibt es die Sch.... und in der direkten Ansprache das A.... . Und das war's fast schon. Bei den Slawen und bei den Spaniern da geht es dagegen allermeist verbal unter die Gürtellinie. Die weibliche ! Also: Ball flach halten !

06.03.2018 14:24 Ick nu wieder 52

@ | PeterPlys
Eine hervorragende Idee von Ihnen. Der zweite Satz Ihres Kommentars beinhaltet übrigens einen Kommafehler. Des weiteren spricht/schreibt man mit anderen nicht unbedingt im Konjunktiv und erst recht nicht, wenn man sich nicht wirklich kennt. Da muss man dann bei der "Sie-Form" bleiben. Aber danke, dass Sie darauf hingewiesen haben und somit uns allen ein Vorbild sind :-))

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