Wachkomapatientin wird im Altenheim Weißenthurm mit Beatmungsgeräten künstlich am Leben erhalten.
Intensivpflege mit künstlicher Beatmung ist teuer - eine ambulante 24-Stunden-Betreuung kostet 15.000 bis 20.000 Euro im Monat. Bildrechte: imago/Thomas Frey

Kritik an Reform der Intensivpflege Spahn will Zahl künstlich beatmeter Patienten senken

Die Zahl künstlich beatmeter Patienten in Deutschland mit 24-Stunden-Betreuung ist in den letzten Jahren emporgeschnellt. Die Kosten laufen aus dem Ruder. Gesundheitsminister Spahn zufolge könnte die Mehrzahl der Betroffenen von der Beatmung entwöhnt werden, doch die Pflegedienste haben daran wenig Interesse. Er will mit Gesetzesänderungen die Zahl der dauerhaft beatmeten Intensivpatienten senken - doch sein Plan stößt auf Kritik.

Wachkomapatientin wird im Altenheim Weißenthurm mit Beatmungsgeräten künstlich am Leben erhalten.
Intensivpflege mit künstlicher Beatmung ist teuer - eine ambulante 24-Stunden-Betreuung kostet 15.000 bis 20.000 Euro im Monat. Bildrechte: imago/Thomas Frey

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat seine Reformpläne für die Pflege schwerkranker Menschen mit künstlicher Beatmung verteidigt. Der CDU-Politiker wies den Vorwurf zurück, er plane eine "Zwangseinweisung" aller intensivmedizinischen Patienten in Kliniken und Beatmungszentren. Spahn erläuterte im ARD-Fernsehen, die Neuerungen beträfen nur Patienten, die rund um die Uhr Intensivpflege bräuchten und häufig nicht selbst entschieden, wo sie gepflegt werden - beispielsweise Wachkoma-Patienten.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister,
Gesundheitsminister Spahn will die Kosten für Intensivpflege senken. 60 Prozent der Patienten mit künstlicher Beatmung könnten entwöhnt werden. Bildrechte: dpa

Nach Spahns Gesetzentwurf sollen Menschen, die etwa nach einem Unfall künstlich beatmet werden müssen, nur noch im Ausnahmefall in der eigenen Wohnung betreut werden. Die Pflege soll künftig in der Regel in Pflegeheimen oder speziellen "Beatmungs-WGs" stattfinden. Der Eigenanteil der Betroffenen für Intensivpflege in Heimen soll gesenkt werden.

Spahn erläuterte, betroffen seien nicht die vielen Patienten mit tragbaren Sauerstoffgeräten. Ihren Anspruch auf Intensivpflege zu Hause behielten minderjährige Kinder oder Sonderfälle, wenn die Unterbringung in einer Einrichtung nicht möglich oder zumutbar ist.

Spahn will "Geschäft" mit Intensivpflege eindämmen

Spahn betonte zugleich, dass Patienten nicht länger künstlich beatmet werden sollten als nötig. Etwa 60 Prozent der Patienten könnten eigentlich von der Beatmung entwöhnt werden. Spahn zufolge unterbleibt das oft, weil die Pflegedienste daran interessiert seien, dauerhaft die Vergütung zu kassieren.

Hintergrund ist, dass die Zahl ambulanter Beatmungspatienten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist: Waren es 2005 etwa 1.000 Fälle, gingen Schätzungen zehn Jahre später von bis zu 30.000 Patienten aus. In den Pflege-WGs sieht das Gesundheitsministerium zudem nicht immer die Betreuungsqualität gewährleistet, teils würden nicht ausreichend qualifizierte Pflegekräfte eingesetzt.

Protest am Freitag in Berlin

An Spahns Gesetzentwurf für ein Reha- und  Intensivpflegestärkungsgesetz (RISG) gibt es heftige Kritik. Selbsthilfegruppen befürchten eine fast ausnahmslose Unterbringung von Beatmungspatienten in Kliniken und spezialisierten Pflegeheimen.

Verbände warnen davor, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung zu verschlechtern. Der Sozialverband VdK erklärte am Mittwoch, niemand dürfe gegen seinen Willen in ein Heim gebracht werden.

Die Linksfraktion warf Spahn vor, einen zumindest missverständlichen Gesetzentwurf vorgelegt zu haben. Die Fachpolitikerin Pia Zimmermann verlangte ein Überarbeitung, der Vorlage, die die Selbstbestimmung aller Betroffenen schützt.Der Verein UNgehindert rief für Freitag zu einer Protestaktion von dem Gesundheitsministerium in Berlin auf.

Daten zur Intensivpflege 2016 wurden bundesweit etwa 90.000 Patienten stationär beatmet, 2006 waren es noch knapp 25.000. Genaue Zahlen zur ambulanten Intensivpflege gibt es nicht. Hochrechnungen gingen 2018 von bis zu 30.000 Versicherten aus.

Die 24-Stunden-Pflege eines ambulanten Intensivpatienten kostet 15.000 bis 20.000 Euro pro Monat. Das summiert sich laut Fachverband deutschlandweit auf zwei bis vier Milliarden Euro pro Jahr.

Für häusliche Intensivbetreuung eines Patienten sind im Schnitt 4,5 Pflegekräfte notwendig. Die ambulante Intensivpflege macht etwa die Hälfte der Gesamtausgaben in der häuslichen Krankenpflege aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2019 | 14:04 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 18:10 Uhr

3 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 4 Wochen

"Die Pflege soll künftig in der Regel in Pflegeheimen oder speziellen "Beatmungs-WGs" stattfinden."

bei unserem Pflegepersonal Überschuss ist das kein Problem ;-)

-Das war Satire-

Strafrechts-Profit-eur vor 4 Wochen

Ich begrüße es grundsätzlich, dass Herr Spahn ein Minister ist, der seinen Job nicht als Urlaub gestaltet. Er sollte aber auch mal auf andere Dinge ein Auge werfen:

Organtransplantationen
wobei, wie nun auch anhand der Fachliteratur belegt werden kann, die meisten als hirntot Diagnostizierten nicht hirntot sind.

Chemotherapie
Fünfjahresüberlebensrate niedriger als Zahl falsch positiver Befunde

Als medizinisch falsch erwiesen sind zum Beispiel
- Genitalverstümmelung an Zwittern
- Cholesterinsenker
- Blutdrucksenker
- Impfungen: "überstandener Tetanus hinterlässt keine Immunität" (RKI Ratgeber Tetanus)
- Brustkrebsscreening
- Wurzelbehandlungen an Zähnen
- Fremd-Körper/Gewebe-Implantate (Zähne, Gelenke ...)
- "Antidepressiva"
- Zwangspsycho-"Therapie" + "Alltagstest" bei "Transsexuellen"
- Elektroschocks als psychiatrische Behandlung
- Dauergabe von Neuroleptika
- Fixierungen bei "aggressiven" Patienten
- Ritalin bei überaktiven Kindern
- Amalgam
- Krebs-"Vorsorge"


Auf der Sonnenseite des Lebens vor 4 Wochen

"Verbände warnen davor, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung zu verschlechtern"

Tja, da fällt wohl langsam die Maske des Herrn Span?

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