Konversionstherapie Bundestag verbietet "Behandlung" von Homosexualität

Dubiose Therapien zur vermeintlichen Heilung von Homosexualität sind bei Minderjährigen künftig untersagt. Der Bundestag beschloss ein weitreichendes Verbot der sogenannten Konversionsbehandlungen.

Der Reichstag in Berlin
Der Bundestag stoppt "Konversionsbehandlungen". Bildrechte: imago images / imagebroker

In Deutschland werden vermeintliche Therapien zur Änderung der Sexualität oder geschlechtlichen Identität verboten. Mit den Stimmen von Union, SPD und FDP verabschiedete der Bundestag am Donnerstagabend ein Gesetz zum Verbot sogenannter Konversionsbehandlungen. Die übrigen Fraktionen enthielten sich. Eine Gegenstimme gab es in der AfD-Fraktion.

Methode bei Minderjährigen komplett verboten

Bis zum Alter von 18 Jahren sind die Methoden zur Unterdrückung der sexuellen Orientierung demnach komplett verboten. Strafen drohen aber auch, wenn die Betroffenen zwar volljährig sind, aber durch Zwang, Drohung oder Täuschung zu einer derartigen "Umpolungs"-Maßnahme bewegt wurden.

Bei Missachtung des Verbots droht eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr. Darüber hinaus ist in Zukunft auch die Werbung für "Konversionstherapien" untersagt. Hier droht eine Geldbuße in Höhe von bis zu 30.000 Euro.

Debatte um Altzersgrenze

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, Homosexualität sei keine Krankheit. Daher sei schon der Begriff Therapie irreführend. Die Grünen forderten ein Verbot auch für Therapien bei Erwachsenen und deswegen eine Heraufsetzung der Altersgrenze auf 26 Jahre. Auch die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis sagte in der Debatte, sie hätte sich eine höhere Altersgrenze gewünscht. Ein entsprechender Änderungsantrag wurde aber im Plenum abgelehnt.

Pseudotherapie mit massiven psychischen Folgen

Die Konversions- oder Reparativtherapie zielt darauf ab, Menschen mit homosexueller Orientierung oder Neigung heterosexuell zu "polen". Diese Methoden gelten als äußerst umstritten in der Psychotherapie. Anbieter dieser "Behandlung" orientieren sich häufig an einem streng religiösen Menschenbild. Etwa verstehen einige evangelikale Gruppen die Bibel so, dass Gott sexuelle Orientierungen jenseits der Heterosexualität als Sünde verurteilt.

Seit Jahren warnen Verbände der Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten vor solchen Behandlungen. Die Weltgesundheitsorganisation hatte bereits 1990 Homosexualität und 2019 auch Transsexualität von der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen. Der Weltärztebund bezeichnete 2013 Konversionstherapien als Menschenrechtsverletzungen. Ein Jahr später warnte der Deutsche Ärztetag vor den gesundheitlichen Folgen einer solchen Therapie.

Homosexualität braucht keine Behandlung

Diesen Einschätzungen folgt nun das Gesetz der Bundesregierung. Es begründet das Verbot damit, dass Anbieter solcher Therapien davon ausgehen würden, dass Homo- und Bisexualität sowie bestimmte Geschlechtsidentitäten (beispielsweise Transgeschlechtlichkeit) "behandlungsbedürftig" seien. Dabei gebe es keine wissenschaftlich validen Untersuchungen, die nachweisen könnten, dass eine Therapie die sexuelle Orientierung verändern könne. Nachgewiesen seien aber die schädlichen Effekte solcher Therapien. Zu denen gehörten Depressionen, Ängste und gesteigerte Suizidgefährdung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Mai 2020 | 14:17 Uhr

10 Kommentare

Generation 55 vor 24 Wochen

Konversionstherapie und auch Reorientierungstherapie sind umstrittene Methoden der Psychotherapie. Deutschland hat nun gehandelt. Andere halten meist aus Glaubensgründen daran fest und in 15 Ländern droht Homosexuellen 2020 noch die Todesstrafe.
[MDR warum verbreitet wieder themenfremdes vom Brigitte Schmidt?]

Brigitte Schmidt vor 24 Wochen

Und einher geht das Ganze mit einer Einschränkung der Meinungsfreiheit. Denn die abweichende Meinung dazu wird in den Bereich des Unsagbaren, Unerträglichen verbannt.
Soviel zu Toleranz und Vielfalt.

MDR-Team vor 24 Wochen

Hallo, Blumenfreund! Bitte beachten Sie, dass "Behandlung" oben in Gänsefüßchen gesetzt wurde. Gemeint sind dubiose Therapien zur vermeintlichen Heilung von Homosexualität. Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion