Gesetzentwurf Grundrente ab 33 Beitragsjahren geplant 

Mehr Geringverdiener als geplant sollen eine Grundrente bekommen. Der Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums, sieht vor, den Zuschlag auf Minirenten bereits ab 33 Beitragsjahren zu zahlen. Bislang waren als Grenze 35 Jahre gedacht. Wer hat Anspruch auf die Grundrente? Wie wird sie berechnet?

Wer bekommt die Grundrente?

Der Rentenaufschlag zielt auf Niedrigverdiener in Voll- oder Teilzeit, die im Alter eine geringe Rente bekommen. Bereits ab 33 Jahren mit Rentenbeiträgen aus Beschäftigung, Kindererziehung oder Pflegetätigkeit sollen Minirenten um einen Zuschlag erhöht werden. Der Zuschlag soll zunächst gestaffelt werden und dann bei 35 Beitragsjahren die volle Höhe erreichen. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD noch 35 Jahre als Bedingung vereinbart. Die Beiträge müssen im Schnitt einem Wert zwischen 30 und 80 Prozent des Durchschnittseinkommens entsprechen. Im vergangenen Jahr waren das 972 bis 2.593 Euro brutto.

Weitere Bedingungen

Den vollen Rentenaufschlag erhalten zudem nur diejenigen, deren monatliches Einkommen als Rentner nicht über 1.250 Euro bei Alleinlebenden und 1.950 Euro bei Paaren liegt. Vom Einkommen über dieser Grenze sollen 40 Prozent auf die Grundrente angerechnet werden. Bei 1.300 Euro Einkommen würden also 50 Euro zu 40 Prozent angerechnet - die Grundrente fiele 20 Euro niedriger aus. Insgesamt sollen 1,4 Millionen Rentnerinnen und Rentner profitieren, davon 70 Prozent Frauen. Die meisten davon leben in Westdeutschland, ein Viertel im Osten.

So wird die Grundrente berechnet

Grundlage der Berechnung sind die sogenannten Entgeltpunkte für die Rente. Diese Punkte werden bei der Grundrente nach einer komplizierten Rechnung aufgestockt - ab 33 Beitragsjahren zunächst ein wenig, für 35 Jahre dann fast verdoppelt.

Beispielrechnung: Eine Friseurin, die 40 Jahre voll gearbeitet und etwa 40 Prozent des Durchschnittslohns verdient hat, kommt derzeit auf eine monatliche Rente von 528,80 Euro. Mit der Grundrente bekäme sie künftig 933,66 Euro. In vielen Fällen dürfte der Zuschlag aber deutlich darunter liegen.

Das kostet die Grundrente

Die Grundrente soll 2021 starten und vollständig aus Steuermitteln finanziert werden – also nicht etwa über höhere Rentenbeiträge. Das Arbeitsministerium rechnet bereits im ersten Jahr mit Kosten von rund 1,4 Milliarden Euro. Rein rechnerisch könnte jeder Grundrenten-Empfänger damit im Schnitt etwa 80 Euro im Monat bekommen. Bis 2025 könnten die Kosten dem Entwurf zufolge auf rund 1,7 Milliarden steigen.

Automatische Auszahlung

Die Grundrente muss nicht extra beantragt werden, die Rentenversicherung soll sie automatisch berechnen. Die nötigen Daten etwa für die Einkommensprüfung sollen von den Finanzämtern kommen. Dazu muss ein Datenaustausch neu aufgebaut werden. Die Rentenversicherung hatte vor Problemen beim geplanten "automatisierten Datenabrufverfahren zwischen den Trägern der Rentenversicherung und den Finanzbehörden" gewarnt.

Auswirkungen auf andere Sozialleistungen

Ein Freibetrag soll verhindern, dass Grundrentenbezieher um ihr Wohngeld fürchten müssen. Der Rentenzuschuss soll bei dem staatlichen Zuschuss zur Miete nicht voll als Einkommen angerechnet werden. Und wer zu wenig Alterseinkommen für Grundrente erzielt, soll trotzdem oberhalb der Grundsicherung landen. Bei mindestens 33 Jahren mit Beiträgen soll dafür ein Freibetrag sorgen. Die Minirente soll nicht mehr komplett bei der Ermittlung des ihnen zustehenden Betrags aus der Grundsicherung berücksichtigt werden. Der Freibetrag soll individuell berechnet werden und höchstens 216 Euro betragen.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2020 | 18:00 Uhr

40 Kommentare

Wessi vor 24 Wochen

@ Unstrutschiffer Ihr letzter Satz ist versöhnlich und genau weil eben diese Rentenerhöhung zum Neid von "Atheist" führte, sind wir uns in die Haare gekommen. Und:...daß es z.B. eine bessere Kinderbetreuung gab die dazu führte, daß Frauen Vollzeit arbeiten konnten+darum höhere Renten als viele Westfrauen bekommen, ist letztendlich ein Verdienst "der" Ulbrichts, Honeckers...ich will da nur auf die Vielschichtigkeit hinweisen....es gab mehr als 2 DDRs.....

Peter W. vor 24 Wochen

Wieso sollte mich das ärgern? Ist eher ein gutes Indiz dafür, dass es kaum lohnt den Rest des Beitrags zu lesen.
Um mich mit Argumenten zu ärgern, müssten Sie erstmal welche liefern.
@MDR: Sorry, das musste ich noch loswerden. Ab nun wieder Thema, versprochen :)

Wessi vor 24 Wochen

@ Unstrutschiffer ...Sie unterstellen mir schon wieder etwas.Wenn Sie NUR die unterschiedlichen Rentenpunkthöhen in Ost+West zitiert hätten, wäre meine Zustimmung groß gewesen.ABER, genau DAS haben Sie nicht gemacht.Sie mischen auch 2 unterschiedliche Ausgangssituationen, denn hier geht es um die Grundrente.Und i.d. Zusammenhang ist es einfach richtig zu betonen, daß viele Westfrauen NICHT die Chance hatten ihre Kinder betreuen zu lassen wie im Osten.Das war mindestens zu teuer.Ausserdem, bei "Normalbürgern" gesellschaftlich geächtet. Die Philosophie hieß:"Mütter haben sich um ihre Kinder zu kümmern".Da war die DDR dem Westen meilenweit voraus. Eben genau diese Frauen KONNTEN nicht Vollzeit arbeiten+bekommen jetzt vllt. Grundrente."Spezielle Logik"? Muß ich das jetzt verstehen? Vielleicht denken wie wir nur unterschiedlich?