Noch in diesem Jahr Giffey will Frauenquote für Vorstände durchsetzen

In den Vorständen der größten deutschen Firmen liegt die Frauenquote aktuell bei etwa sieben Prozent. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will das nun ändern und eine gesetzliche Frauenquote einführen. Nur mit Freiwilligkeit komme man nicht weiter, sagte die Ministerin dem SWR.

Geschäftsfrau geht durch die Lobby eines Bürogebäudes
Zurzeit sind weibliche Vorstandsmitglieder in großen Konzernen noch eine Rarität. Bildrechte: imago/PhotoAlto

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will für Vorstände großer Unternehmen eine Frauenquote einführen – möglichst noch in diesem Jahr.

Regelung für Börsenunternehmen ab 2.000 Mitarbeiter

Die SPD-Politikerin sagte dem SWR, vorgesehen sei, dass Börsenunternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern mindestens eine Frau im Vorstand haben müssten. "Reine Männerclubs" seien nicht mehr zeitgemäß. Der entsprechende Gesetzentwurf liege im Kanzleramt. "Wir wollen es in diesem Jahr hinbekommen", sagte Giffey.

Gesetzliche Frauenquote bislang nur für Aufsichtsräte

Bislang gibt es eine gesetzliche Frauenquote nur für Aufsichtsräte. Demnach müssen seit 2016 die etwa 100 größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland mindestens 30 Prozent der Posten in ihren Kontrollgremien mit Frauen besetzen.

Zielgröße zur Anzahl der Frauen bei vielen Unternehmen: Null

Außerdem schreibt das Gesetz von 2016 für zahlreiche weitere Firmen vor, sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil im Vorstand und in anderen Führungsgremien zu geben. Giffey kritisierte, 70 Prozent der Unternehmen mit Vorständen hätten die Zielgröße Null. "Das geht so nicht."

In den Vorständen gebe es nur zu sieben Prozent Frauen. "Nur mit freiwilligen Bekenntnissen kommen wir nicht weiter", konstatierte die Ministerin.

Unterstützung durch Union fraglich

Eine Verständigung mit dem Koalitionspartner Union zu dem Thema steht allerdings noch aus. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), hatte bereits im vergangenen Jahr eine "Frauenquote per Gesetz" in einem Interview abgelehnt.

IW kritisiert Pläne

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigte wenig Begeisterung und sprach von einem "Eingriff in die Herzkammer der unternehmerischen Freiheit". Der Aufsichtsrat eines Unternehmens bestelle nur solche Kandidatinnen oder Kandidaten, von denen er sich verspreche, dass sie die Leitungsverantwortung zum Wohle des Unternehmens wahrnehmen. Dabei schauten die Aufseher "sowohl auf die Kompetenzen, Potenziale und Erfahrungen der Bewerberinnen und Bewerber als auch auf deren Pläne und Vorstellungen".

Das IW warnte vor Fällen, in denen es keine geeignete Kandidatin gebe: "Muss der Vorstandsposten dann unbesetzt bleiben?"

DGB für die Quote

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack dagegen erklärte, eine verbindliche Quote sei nötig - und Sanktionen, wo Regeln nicht eingehalten werden. "Wenn 90 Prozent der Vorstandsposten von Männern besetzt sind, dann läuft in deutschen Unternehmen eindeutig etwas schief", sagte sie.

Grüne für ambitioniertes Ziel

Zustimmung für Giffeys Vorstoß kam auch von den Grünen. Die Abgeordneten Ulle Schauws und Claudia Müller bemängelten aber, dass die Regelung nur eine "mickrige Zahl von höchstens 100 Unternehmen in Deutschland" einbeziehe. Dieses Ziel sei "unambitioniert".

Von 907 Vorständen nur 94 weiblich

Wie aus dem Ende Januar veröffentlichten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht, ist der Frauenanteil in den Vorständen großer Unternehmen im vergangenen Jahr zwar etwas stärker gestiegen als zuvor. Eine Geschlechterparität bleibt demnach aber in weiter Ferne: In den 200 umsatzstärksten Unternehmen hatten Frauen laut DIW 2019 insgesamt 94 von 907 Vorstandsposten inne – das entspricht einem Anteil von etwas mehr als zehn Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Februar 2020 | 12:45 Uhr

8 Kommentare

Ihr Konto ist voruebergehend gesperrt. vor 14 Wochen

Leitung zählt und nicht das Geschlecht, aber bei Politiker trifft das nicht zu. Bei Grünen und SPD reicht ein Blick auf die Personalakte, da kann man sehen wie Lebenslauf war. Abgebrochenes Studium oder Berufsausbildung bei den meisten.
Komisch, das die am lautesten schreien, nichts im Kopf haben.

Atheist vor 14 Wochen

Was macht es mit einen wenn man weis den Job nur durch eine Quote bekommen zu haben?
Ich als Frau möchte nicht nur wegen einer Quote einen Job bekommen sondern durch Qualifikation!
Wenn sie wirklich was für Gleichberechtigung tun will müsste sie erst mal dafür sorgen das gleicher Lohn gezahlt wird.

Erichs Rache vor 14 Wochen

Ich kann leider NICHT mehr nachvollziehen, was am Deutschen GRUNDGESETZ und der DARIN verfassten SOZIALEN Marktwirtschaft so schwer zu verstehen sein sollte?

Aufgabe ‚des Staates‘/‘der Politik‘ ist es, die verfassungsmäßige Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland umzusetzen, aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten. Die verfassungsmäßige Ordnung, der Gesellschaftsvertrag der Bundesrepublik Deutschland ist die SOZIALE Marktwirtschaft. D. h. heißt per se „ ... dass man ... sein Leben selbst in die Hand nehmen und frei gestalten kann. Die Soziale Marktwirtschaft macht das möglich, indem sie gleiche Chancen für alle gewährleistet.“

Die Art. 2, Art. 9, Art. 12, Art. 14, Art. 15, Art. 20, Art. 28 GG definieren in Verbindung die SOZIALE Marktwirtschaft, in der jeder DAS RECHT (!) auf FREIE Entfaltung der Persönlichkeit hat!

Also SCHAFFT endlich das total BESHEUETER Ehegattensplitting AB!
SCHAFFT endlich genug KiTa-Plätze!
UND setzt einen Rechtsanspruch auf Ganztagsschulbetreuung um!