Schlechte Arbeitsbedingungen Unbezahlte Überstunden bei GLS-Paketboten?

5.000 Fahrer fahren deutschlandweit Pakete für den britisch-niederländischen Konzern GLS aus. Alle sind sie angestellt bei Subunternehmen. Ein Knochenjob, bei dem sie oft viel länger unterwegs sind, als vertraglich vereinbart. Doch es ist nicht selbstverständlich, dass diese Überstunden auch bezahlt werden.

General Logistics Systems B.V. ist ein Paketdienst mit Sitz in der Nähe von Amsterdam, und vereinigt GLS und die britische Royal Mail in einer Holding. Auch in Deutschland werden viele Pakete von den weißen Transportern mit dem gelben Pfeil und den drei großen Buchstaben GLS geliefert. Im letzten Geschäftsjahr transportierte GLS 634 Millionen Pakete – fast acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Lieferungen in Deutschland werden über Subunternehmer abgewickelt. Kein einziger der deutschlandweit rund 5.000 Fahrer ist direkt bei GLS angestellt.

Kostendruck wird weitergegeben

Laut Andreas Wiedemann, Fachbereichsleiter Speditionen bei ver.di, spart der Großkonzern so Personalkosten – und wälzt die Arbeitsbedingungen auf kleine Unternehmen ab.

Um sich von den Personalkosten zu entlasten, lässt man das Subunternehmen machen und kümmert sich selbst nicht weiter darum. Sondern, man drückt den Subunternehmen bestimmte Standards auf, die zu erfüllen sind. Und der Rest ist dann eben tatsächlich so, wie man so schön sagt, friss oder stirb.

Andreas Wiedemann | ver.di | Fachbereichsleiter Speditionen/Logistik/Paketdienste in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Unbezahlte Überstunden, Probleme beim Urlaubsanspruch

Steffi Dumpf als GLS-Paketbotin unterwegs
Täglich schleppt Steffi Dumpf schwere Pakete. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Steffi Dumpf aus Sachsen war 13 Jahre lang Paketbotin. Seit mehr als einem  Jahr fuhr sie für ein GLS-Subunternehmen. Vertraglich vereinbart waren 45 Stunden pro Woche. Doch die Stundenzettel der 36-Jährigen zeigen häufig mehr. Diese Überstunden seien weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen worden, sagt Steffi Dumpf. Sie kritisiert: In Spitzenzeiten, wie zur Weihnachtszeit, habe sie deshalb weit unter Mindestlohn verdient - im Durchschnitt 6,50 Euro pro Stunde. Ihr mittlerweile ehemaliger Arbeitgeber widerspricht dieser Darstellung und beharrt darauf, Überstunden finanziell oder durch Freizeit auszugleichen.

Steffi Dumpf als GLS-Paketbotin unterwegs
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch auch ein ehemaliger Kollege von Steffi Dumpf berichtet, Überstunden würden weder bezahlt, noch könne man sie abbummeln. Ein weiterer Paketfahrer – für ein anderes GLS-Subunternehmen tätig – erzählt, auch in seiner Firma gäbe es keine Überstundenregelung. Es fehle an Fahrern, Urlaub sei ein Reizthema in der Firma. Im vergangenen Jahr sei ihm der Urlaub teilweise wegen Personalmangel kurzfristig gestrichen worden.

GLS sieht Zuständigkeit bei Subunternehmen

Andreas Wiedemann von ver.di
Andreas Wiedemann von ver.di Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

GLS sieht offenbar auf Anfrage des MDR keinen Handlungsbedarf. „Alle Transportpartner werden … vertraglich zur …  Einhaltung aller geltenden nationalen Gesetze im Hinblick auf Löhne, Sozialleistungen, Arbeitszeit, Überstunden, Lenk- und Ruhezeiten sowie deren Dokumentation verpflichtet.“,  heißt es auf Anfrage. Obwohl die Logistikbranche seit Jahren boomt, haben diejenigen, deren Arbeit stetig schwerer wird, nur sehr selten etwas davon.

Und im Zweifel wird hier und da mal subtiler Druck eben ausgeübt auf die Beschäftigten. Wenn du nicht willst, kannst du ja gehen.

Andreas Wiedemann | ver.di | Fachbereichsleiter Speditionen/Logistik/Paketdienste in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Viele Arbeitnehmer hätten Angst, sich mit dem Chef anzulegen und ihren Job zu verlieren, sagt Andreas Wiedemann.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 25. September 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 13:24 Uhr

3 Kommentare

YAZID vor 3 Wochen

wochenlang auf Lieferung gewartet - nichts dann Versender kontaktiert wo mir gesagt wurde bei NKD nachzufragen und dort lag Paket und sollte schon zurückgeschickt werden. die Tante dort wusste schon wegen vieler Beschwerden das GLS keine Benachrichtigungen schreiben sondern alles bei ihr abladen
auch Arbeitskollegen ging es mit GLS so - voll fies - die sollten vom Markt verschwinden

Wessi vor 3 Wochen

Menschen auszubeuten ist doch wirklich "Sc...se".Überstunden nicht zu bezahlen geht gar nicht.Aber es gibt viele Menschen die sich nicht wehren oder sich nicht wehren können.Nicht ein jeder will in eine Gewerkschaft.Obschon es nicht richtig ist. Aber mit einem gewissen Zwang auf die Auftraggeber die meinen sie müssten kein eigenes Personal beschäftigen, zu reagieren ist schon ein erster Schritt getan.Es ist arg bequem und dem Profitungeist konservativen Denkens zuzuschreiben, die Verantwortung auf die Sub-Unternehmer abschieben zu wollen.Gegen Betrug und Ausbeutung hilft nur Bürokratie.Der zweite Schritt wäre Lizenzentzug.

Keine Bereicherung mehr vor 3 Wochen

Die sind doch im Gehalt schon bezahlt, was wollen die noch verdienen. Der Wähler will es doch so!
Bitte weiter so, damit meine Dividende steigt.
Wir leben im Kapitalismus, noch fragen.