Ehemaliger Bundespräsident Gauck ehrt auf der Meisterfeier der Handwerkskammer Dresden die besten zehn der 407 Meisterabsolventen.
Meisterfeier der Handwerkskammer Dresden Bildrechte: dpa

GroKo-Pläne Das denken Handwerker über die Rückkehr zur Meisterpflicht

Fliesenleger, Raumausstatter oder auch Mosaikleger - seit 2004 kann sich für diese Gewerke jeder Handwerker selbstständig machen, ganz ohne Meisterbrief. Das soll sich nächstes Jahr aber wieder ändern: Die Bundesregierung plant eine Rückkehr zur Meisterpflicht in zwölf Gewerken. Damit sollen die Qualität und auch die Wissensweitergabe in den Handwerksbetrieben gesichert werden. Hilft das gegen die Nachwuchskrise im Handwerk? Und wie sehen es betroffene Betriebe?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Ehemaliger Bundespräsident Gauck ehrt auf der Meisterfeier der Handwerkskammer Dresden die besten zehn der 407 Meisterabsolventen.
Meisterfeier der Handwerkskammer Dresden Bildrechte: dpa

Andreas Grunwald hat gleich zwei Meisterbriefe: Er hat den Polster-Meister noch aus DDR-Zeiten und den Raumausstatter-Meister, den er nach der Wende obendrauf gesattelt hat. In seinem Geschäft in der Innenstadt von Halle stapeln sich Stoffe, Gardinen und Kissen bis zur Decke.

Grunwald freut sich über die Rückkehr der Meisterpflicht. Dass sie in seinem Gewerk, der Raumausstattung, überhaupt aufgehoben wurde, ärgert ihn aber immer noch maßlos.

Wenn ich sage, das kann ich mit einer Umschulung in drei Wochen oder ähnlich kurzen Maßnahmen erreichen, dann kann ich nicht von einer Gesellschaft erwarten, dass man solche Berufsgruppen hoch achtet.

Andreas Grunwald

Grunwald zufolge ist damit die Nachfrage, sich so einer Ausbildung überhaupt zu unterziehen, für einen Lehrling sehr gering. Sie sei in den letzten 15 Jahren fast auf null zurückgegangen.

Zunahme trotz sinkender Zahlen

Während die Azubi-Zahlen schrumpfen, hat sich die Zahl der Raumausstatter in den letzten 15 Jahren Statistikern zufolge verdreifacht. Darunter sind viele Soloselbstständige, die nebenbei auch noch Parkett und Fliesen verlegen. Auf Druck der Handwerkskammern soll nun der Meister in diesen Berufen zurückkommen. Eine der Begründungen: Nur so könne das immaterielle Kulturerbe gewahrt werden.

Grunwald, der das Polstern noch von seinem Vater gelernt hat, formuliert das so:

Es geht ja auch um altes Wissen, was über Generationen in den einzelnen Gewerken weitergegeben wurde, und wenn dieses Wissen wegbricht, dann gute Nacht!

Andreas Grundwald

Nicht alle wollen zurück

Allerdings sehen das nicht alle Gewerke so wie Raumausstatter Grunwald. Die Gebäudereiniger zum Beispiel wollen gar nicht zur Meisterpflicht zurück. Und dann gibt es noch freie Handwerker wie Jonas Kuckuk. Er hat 20 Jahre Reetdächer in Norddeutschland gedeckt. Jetzt bekämpft er mit seinem Berufsverband der freien Handwerkerinnen und Handwerker den, wie er es nennt, Meisterzwang.

Durch eine Einschränkung der Berufsfreiheit macht man sich eher unbeliebt.

Jonas Kuckuk

Die Verbraucher der nächsten Jahre werden sagen, wenn sie einen Raumausstatter brauchen: "Wieso kriege ich keinen Handwerker, warum muss ich so lange warten und warum muss ich so viel bezahlen?“

Außerdem glaubt Kuckuk, dass es nicht die fehlende Meisterpflicht ist, die Jugendliche vom Handwerk abhält. Tatsächlich ist zum Beispiel die Zahl der Fliesenleger-Azubis schon deutlich gesunken, bevor die Meisterpflicht 2004 abgeschafft wurde. 

Dennoch: Andreas Grunwald, der Raumausstatter aus Halle, hofft auf die Rückkehr der Meisterpflicht und auf ein besseres Image seiner Branche. Sein letzter Azubi hat diesen Sommer ausgelernt. Halten konnte Grunwald ihn jedoch nicht - sein ehemaliger Lehrling macht jetzt eine Ausbildung zum Kaufmann.

Meisterzwang Unter dem Meisterzwang versteht man eine gesetzliche Regelung, die es nur Handwerksmeistern und Gleichgestellten erlaubt, handwerkliche Betriebe zu führen. Zuvor muss deshalb ein Meisterbrief erworben werden. 2004 war die Meisterpflicht für 53 Handwerke augehoben worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 05:00 Uhr

2 Kommentare

August vor 4 Wochen

Der sogennante Meisterzwang der Templerkult des Handwerks wo nur gegen Kasse und einer ''gewissenhaften Ausbildung'' die Berechtigung ein Unternehmen zu Führen gestattet wird. Mit Sicherheit werden fähige Kräfte die nicht mit dem Goldenen Löffel im A.... geboren wurden Deutschland verlassen um sich zu verwirklichen. Innovation und Geschick kann man nicht vererben und das war der Zweck der Meistergilde die Geschlossene ''Gesellschaft'' über Generationen.

faultier vor 4 Wochen

Ich finde das richtig ,aber eines ist Fakt die Handwerkskammern müssen die Meisterschüler finanziell entlasten.Wenn ich sehe wieviel Geld die Kammern eingenommen haben und NICHTS an die Betriebe für die Ausbildung vergüten kann einem schlecht werden ,die Handwerkskammern mit ihrem Wasserkopf sind erst mal zu entrümpeln und das Geld der Mitglieder ist so einzusetzen das Nachwuchs sich qualifizieren kann ohne solch grossen finanziellen Belastungen ,daran scheitern auch die Betriebsübernahmen zu grosses Risiko zu wenig Verdienst oft zu schwere Arbeit und zu wenig gesellschaftliche Anerkennung ein Teufelskreis.