Kleiner Junge sitzt auf einem Spielzeugtraktor. Auf dem angebrachten Plakat ist ''Kleiner Bauer ohne Zukunft'' zu lesen.
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"Wir haben es satt" Tausende Menschen demonstrieren gegen Agrarindustrie

In Berlin haben Tausende Bauern und Umweltschützer für eine Agrarwende demonstriert. Unter dem Motto "Wir haben es satt" protestierten sie gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft. Zahlreiche Bauern waren mit ihren Traktoren gekommen, um parallel zur "Grünen Woche" ein Zeichen zu setzen.

Kleiner Junge sitzt auf einem Spielzeugtraktor. Auf dem angebrachten Plakat ist ''Kleiner Bauer ohne Zukunft'' zu lesen.
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In Berlin haben Zehntausende Menschen gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft demonstriert. Unter dem Motto "Wir haben es satt" forderten sie eine Agrarwende. Zahlreiche Bauern waren mit ihren Traktoren gekommen. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 33.000 Menschen an der Demonstration. Die Polizei sprach von "mehreren zehntausend" Teilnehmern.

Umbau der Landwirtschaft gefordert

Ein Ballon in Bienenform mit dem Aufdruck ''Agrarindustrie tötet''.
Die Demonstranten warnten auch vor den Folgen des Insektensterbens. Bildrechte: dpa

Vor einem Treffen von Agrarministern im Bundeswirtschaftsministerium schlugen die Demonstranten lautstark auf Kochtöpfe. Dabei forderten sie die Achtung der Menschenrechte, faire Handelsbedingungen und mehr Unterstützung für die ländliche Bevölkerung weltweit. Außerdem machten sich für einen Ausstieg aus dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat stark.

Die Demonstranten riefen die kommende Bundesregierung zu einer neuen Agrarpolitik auf. Der Sprecher des "Wir haben es satt"-Bündnisses, Jochen Fritz, sagte, die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursache lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt. Er forderte einen Umbau hin zu einer umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft, in der Bauern gut von ihrer Arbeit leben können. Dies dürfe von der Politik nicht weiter aufgeschoben werden.

Diejenigen, die nachhaltig produzieren und essen, müssen belohnt werden.

Jochen Fritz, Sprecher des "Wir haben es satt"-Bündnisses

Reform der EU-Agrarpolitik gefordert

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft forderte eine Reform der EU-Agrarpolitik. Ihr Bundesgeschäftsführer Georg Janßen sagte, diejenigen, die umwelt- und klimaschonenden Ackerbau betrieben und Tiere artgerecht hielten, müssten mit Direktzahlungen unterstützt werden, nicht wer die größten Flächen besitze.

Der BUND warnte vor Gülle und Pestiziden, die Böden und Gewässer belasten würden. Vorsitzender Hubert Weiger sagte, bäuerliche Betriebe rängen ums Überleben und das Insektensterben zeige, welche dramatischen Auswirkungen die industrielle Agrarproduktion auf die Artenvielfalt habe.

Zeichen zur Grünen Woche

Ein Plakat mit der Aufschrift «Wir haben es satt!» ist am 19.01.2018 an einem auf der Bundesstraße B5 bei Nauen (Brandenburg) fahrenden Traktor angebracht. Eine Kolonne aus zehn Fahrzeugen ist in Richtung Berlin unterwegs, wo am 20. Januar Umweltverbände und Bauern aus ganz Deutschland unter dem Motto "Wir haben es satt" vor dem Wirtschaftsministerium eine Trecker-Parade und ein Kochtopf-Konzert veranstalten wollen.
Die Demonstration unter dem Motto "Wir haben es satt" finden seit 2011 statt. Bildrechte: dpa

Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus rund 100 Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen aufgerufen. Darunter sind "Brot für die Welt", der Deutsche Tierschutzbund und die Umweltverbände Nabu und BUND.

Die "Wir haben es satt"-Demonstrationen haben bereits Tradition. Sie gibt es seit 2011 und sie finden jährlich parallel zur "Grünen Woche" statt. Waren es in den vergangenen Jahren die Themen Gentechnik, Proteste gegen die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta steht in diesem Jahr die Kritik am Einsatz des Pflanzengiftes Glyphosat im Vordergrund. Themen wie gesunde Ernährung und Tierwohl, der Kampf gegen die Macht der Agrarkonzerne, gegen Hunger, Artensterben und für fairen Handel sind nach wie vor aktuell.

Minister vereinbaren verantwortliche Tierhaltung

Auf der "Grünen Woche" selbst beraten Agrarminister aus rund 70 Staaten über weltweite Standards für den Tierschutz. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erklärte, dass sich die Minister sowie Vertreter der EU-Kommission und internationaler Organisationen zu einer verantwortlichen Tierhaltung verpflichtet hätten.

In der Abschlusserklärung sei daher beschlossen worden, sich weltweit verstärkt gegen den unnötigen Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsförderung in der Tierhaltung einzusetzen, sagte Schmidt. Zudem sollten für eine ressourcenschonende Tierhaltung standortgerechte und regional angepasste Lösungen gefunden werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Januar 2018 | 03:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2018, 16:03 Uhr

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13 Kommentare

21.01.2018 15:39 Fragender Rentner 13

@Ureinwohner zu 10

Die Traktoren haben bestimmt ein grünes Kfz-Kennzeichen.

21.01.2018 14:18 Norbert 12

Da ich quasi neben einem Bauernhof am Stadtrand groß geworden bin und Heute noch neben einem Kleinbauern wohne der seinen Betrieb vor Jahren schon aufgegeben und sein Land verpachtet hat, weiß ich auch welch undankbare Arbeit das ist.
Der sich hier über 150 Traktoren aufregt, hat scheinbar wenig Ahnung von der Materie sondern plappert schlicht Allgemeinplätze nach.
Wenn Traktoren normal bewegt werden brauchen diese nicht mehr wie die Dienstlimos unserer Vortänzer in Berlin. Mann müsste Berlin mit 500 Traktoren zuparken damit dort auch mal dem urbanen Bereich klar wird das landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht im Regal wachsen.

21.01.2018 09:19 Ureinwohner 11

Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus rund 100 Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen aufgerufen. Zahlreiche Bauern waren mit ihren Traktoren gekommen.
Der Mainstream berichte von 130 bis 150 Traktoren.
Gut für die Umwelt und auch sehr ökologisch.

20.01.2018 23:02 Ureinwohner 10

Zahlreiche Bauern waren mit ihren Traktoren gekommen .Meldungen des Mainstreams nennen 130-150 Traktoren. Wenn das nicht ökologisch ist ,was denn sonst noch.

20.01.2018 19:57 Greizermann4 9

@2, Rext: "Ein gutes Thema der Grünen, warum besinnen sie sich nicht auf den Umweltschutz? Von den anderen haben sie nämlich keine Ahnung!"

Sie meinen wohl eher: Die anderen haben von Landwirtschaft und Umweltschutz keine Ahnung.

AfD, CDU & Konsorten waren bei der Veranstaltung nämlich nicht dabei. Das Thema ist diesen Parteien offenbar vollkommen egal.

Essen kommt ja schließlich aus dem Kühlschrank.

Wie es dem deutschen Bauer geht, danach fragt von denen keiner. Warum sollte man sich auch um gesunde Lebensmittel gedanken machen ...

Ein Prost auf Glykosat!

20.01.2018 19:04 karstde 8

Die kapitalistische Wirtschaftspolitik führt zum Ruin immer größerer teile der Kleinbauern. Die kapitalistische Großbauernwirtschaft ruiniert die Kleinen. Der gleiche Prozess vollzieht sich aber auch im Handwerk. Dieser objektive Prozess des Anwachsens der besitzlosen Klasse wird von den heutigen Ideologen gerne mit dem Verschwinden des Proletariats verfälscht. Solange die Menschen nicht begreifen, dass das Übel im Kapital liegt, ändert sich gar nichts. Da können die Demonstrieren bis die schwarz werden.

20.01.2018 18:04 Ureinwohner 7

Er forderte einen Umbau hin zu einer umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft, in der Bauern gut von ihrer Arbeit leben können. Das möchten viele Arbeitnehmer auch.Der Bauer ist selbständiger Unternehmer und hat das gleiche Risiko wie jeder andere Selbständige. Es ist ein Irrglaube zu glauben ,der Bauer sei das Hätschelkind der Subventionen. Er muß auch ohne Subventionen seinen Hof bewirtschaften können,wenn er denn ein Bauer sei.

20.01.2018 17:31 Fragender Rentner 6

Vorallem welche gesunden Stoffe so alles auf die Felder gebracht werden und dies alles weil wir es " angeblich" so wollen! :-(

20.01.2018 16:29 Walter 5

Ok, dann hole ich mir zukünftig bei Aldi eben südamerikanisches Grillgut. Wird preiswerter sein. Dann wird sich auch jemand beschweren.

20.01.2018 15:39 OHNEWORTE 4

Schade um jede Demo .... Zeitverschwendung. Deutschland ist zutiefst in wirtschaftliche Verbindungen ....Gaben von Geldspendern,Politikerzutun in tiefe Mussdankbarkeit verstrikt. Wenn das nicht so ist,waeren Politiker nicht so schnell dafuer , fragliche Chemie,ueberhaupt bedenkliche Chemie anwenden zu lassen. Alle Buergerbedenken werden vom Tisch gewischt,obwohl viele Politiker und Abgeordnete nichteinmal ueber eine generell fachliche Bildung verfuegen - nur das Studium der Rhetorik als Broterwerb an einer unbekannten Bildungseinrichtung erlernten. Wenige duenken sich klueger als Millionen ,die warnen.