Das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf ist auf ein T-shirt gedruckt
Das neue Siegel hier auf ein T-Shirt gedruckt. Bildrechte: dpa

Fairer-Handel-Siegel 50 Unternehmen beteiligen sich an "Grünem Knopf"

Der "Grüne Knopf" soll eine staatliche Garantie für fair hergestellte Kleidung sein. Der Start des Siegels hatte sich immer wieder verzögert. Nun ist das Kennzeichen mit gut 50 Unternehmen an den Start gegangen.

Das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf ist auf ein T-shirt gedruckt
Das neue Siegel hier auf ein T-Shirt gedruckt. Bildrechte: dpa

Das staatliche Siegel für fairen Handel "Grüner Knopf" wird im September in Deutschland eingeführt. Am Montag stellt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller das Gütesiegel vor. Es soll gewährleisten, dass die Textilien sozial- und umweltverträglich hergestellt wurden.

50 Unternehmen mit "Grünem Knopf"

Die Bedingungen für den "Grünen Knopf" sind 26 verbindliche, staatliche festgelegte soziale und ökologische Kriterien, wie Umweltauflagen und Arbeitsschutz. Eine Zertifizierung gilt für drei Jahre. Allerdings werden nicht Firmen insgesamt, sondern nur einzelne Produkte mit dem Siegel versehen. Die Einhaltung kontrollieren anerkannte Prüfstellen wie der TÜV.

Der Starttermin des Siegels hatte sich immer wieder verzögert. Im April hieß es noch, das Siegel solle im Juli eingeführt werden. Dass der Termin nun auf den September verschoben wurde, begründete das Bundesentwicklungsministerium mit dem großen Interesse der Unternehmen. Im April hatten sich erst zehn Unternehmen für den "Grünen Knopf" interessiert. Mittlerweile sind Produkte von gut 50 Unternehmen zertifiziert.

Die Unternehmen beginnen Mitte September Online mit dem Verkauf der ausgezeichneten Artikel. Die ersten "Grünen Knöpfe", übrigens nur ein Label und kein tatsächlicher Knopf, werden dann ab Oktober in den Geschäften zu finden sein.

Kleiderschrank eines Mannes. Bekleidung aller Art hängt und liegt in verschiedenen Schrankfächern. 3 min
Bildrechte: IMAGO

Die etwa zweijährige Pilotphase des Siegels geht bis Juli 2021. In dieser Phase würden die Produktionsschritte Nähen, Zuschneiden, Färben und Bleichen bewertet, nicht aber der Baumwollanbau, sagte Entwicklungsminister Müller.

"Grüner Knopf" - Mehr Informationen zum Siegel:

Wie sieht das Label aus und wie finde ich es?

Schwarze Schrift und anstelle des "o" ein grüner Knopf - so sieht das staatliche Siegel "Grüner Knopf" aus. Es wird am Kleidungsstück angebracht, entweder eingenäht oder angehängt. Manche Firmen weisen zunächst nur online bei ihren Produkten auf den Grünen Knopf hin. Vergeben wird das Label vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ).

Welche sozialen Kriterien müssen erfüllt sein?

Produkte mit dem "Grünen Knopf" müssen 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Zu den sozialen Kriterien gehören etwa Arbeitnehmerrechte wie der jeweils geltende gesetzliche Mindestlohn, bezahlte Überstunden und das Recht auf Nicht-Diskriminierung, außerdem ein Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Ebenfalls wichtig ist die Einhaltung von Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften am Arbeitsplatz - etwa Schutzkleidung, sauberes Trinkwasser und ein ausreichender Brandschutz.

Welche ökologischen Kriterien müssen erfüllt sein?

Während es bei den sozialen Standards um den Bereich Konfektion geht, drehen sich die Umweltkriterien um Anforderungen in der Textilveredelung, also beim Färben oder der chemischen Nachrüstung. Wichtig sind dabei etwa Mindestanforderungen an Abwasser und umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien. Außerdem gelten Vorgaben für die biologische Abbaubarkeit von Stoffen und den Grad der Luftverschmutzung.

Gibt es noch weitere Anforderungen?

Neben sozialen und ökologischen Kriterien, die das Produkt erfüllen muss, gelten auch Sorgfaltspflichten des gesamten Unternehmens für Menschenrechte und Umwelt. Der Hersteller muss bereit sein, Risiken in der Lieferkette zu erkennen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Das Unternehmen muss außerdem transparent informieren und einen "effektiven Beschwerdemechanismus" haben.

Welche Hersteller und Produkte erhalten den "Grünen Knopf"?

Rund 70 Unternehmen unterschiedlicher Größe mit ganz verschiedenen Produkten haben Interesse am "Grünen Knopf" angemeldet. Viele davon durchlaufen derzeit das Prüfverfahren, die ersten 27 starteten am Montag mit Produkten mit dem "Grünen Knopf". Beteiligt sind unter anderem Vaude, Tchibo, Aldi und hessnatur, auch Marken wie Boss sollen noch dazukommen.

Wie läuft das Prüfverfahren?

Wer den Knopf haben will, muss zuvor bereits eines oder mehrere der sieben vom BMZ anerkannten Referenzsiegel erhalten haben, etwa den Blauen Engel, das Fairtrade-Siegel oder die Fair Wear Foundation, und zwar so, dass alle sozialen und ökologischen Kriterien abgedeckt sind. Prüfer sind etwa der TÜV und die Dekra. (Quelle Fragen & Antworten: AFP)

Kritik: Siegel baut Doppelstrukturen auf

Textilsiegel Grüner Knopf
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller trug das Label "Grüner Knopf" am Montag als Anstecker am Revers. Bildrechte: dpa

Die Präsidentin des Branchenverbandes texitil+mode, Ingeborg Neumann, sagte der "Stuttgarter Zeitung" ein solches Siegel baue "unnötige Doppelstrukturen" auf. Sie kritisierte das Konzept als unausgegoren. Neumann erklärte: "Unsere Unternehmen haben bereits viel in international etablierte Siegel und Zertifizierungssysteme investiert."

Ähnlich kritisch äußerte sich der Verbraucherzentrale Bundesverband. Ein Lieferkettengesetz, das alle Unternehmen binde, hätte mehr Durchschlagskraft, hieß es. Dieser Forderung schloss sich auch die Entwicklungsorganisation "Brot für die Welt" an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 09. September 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 05:00 Uhr

26 Kommentare

Denkschnecke vor 9 Wochen

Und welche Leistung hat Ihr Auto? Haben Sie das nachgeprüft, oder glauben Sie das dem Hersteller einfach so? (Messwerte - dem Autohersteller - glauben ?!? ROFL)

Denkschnecke vor 9 Wochen

Und, warum haben Sie die gekauft, die Regenjacke für 300,-? Hat man Sie mit vorgehaltener Waffe gezwungen?
Bei Vaude beispielsweise, einem deutschen Familienunternehmen übrigens, können Sie einen extrem ausführlichen Bericht über die Lieferkette nachlesen. Wenn Sie wollen, können Sie das ja persönlich überprüfen.

Kritiker vor 9 Wochen

Vielleicht wäre auch eine industrielle Herstellung von Waren nicht unbedingt in Entwicklungsländern oder allgemein im Ausland mit Billigarbeitskräfte anzusagen sondern wie Sie gut anführen dem Landwirt um die Ecke. Das übertrage ich mal auf diese "grüner Knopf" Aktion. Ich würde auch meine Kleidung beim Händler um die Ecke kaufen wenn diese nebenan in einer Firma hier in D hergestellt werden würde. Dazu bedarf es keinerlei Siegel oder modische Bezeichnungen wie vorab schon einmal meinerseits angeführt.