Haus auf Geldscheinen und Taschenrechner mit dem Schriftzug Grundsteuer
Die Grundsteuer soll künftig neu berechnet werden. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Neues Berechnungsmodell Grundsteuer: Unterschiedliche Reaktionen auf Kompromiss

Bund und Länder haben sich am Freitag auf einen Kompromiss zur neuen Berechnung der Grundsteuer geeinigt. Die Reaktionen darauf fallen sehr unterschiedlich aus. Sie reichen von einer "guten Nachricht" bis "bürokratisch und teuer".

Haus auf Geldscheinen und Taschenrechner mit dem Schriftzug Grundsteuer
Die Grundsteuer soll künftig neu berechnet werden. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Die Annäherung von Bund und Ländern bei der Grundsteuer hat sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Während die kommunalen Spitzenverbände das geplante Modell als richtigen Weg begrüßten, kamen von der Immobilienwirtschaft und dem Bund der Steuerzahler deutliche Kritik.

Städtetag: Wert-Modell gerechter

Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Städtetags, Helmut Dedy, sagte: "Nach jahrzehntelangen Anläufen für eine Reform ist das eine gute Nachricht für die Städte." Nun komme eine Korrektur in Sichtweite, damit eine der wichtigsten Steuern der Kommunen in Zukunft wieder verfassungsgemäß erhoben werden könne. Dedy sprach sich zudem für das geplante Wert-Modell aus. Es sei gerechter, wenn auch der Wert von Grundstücken und Gebäuden in die Besteuerung einbezogen werde. Bis spätestens Ostern müsse ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden.

Beispielrechnungen So wirken sich die Grundsteuer-Modelle aus

Wohnen dürfte mit der neuen Grundsteuer teurer werden. Zwar will die Politik einen Anstieg der Wohnkosten verhindern, doch Beispielrechnungen zeigen: Bei fast keinem Modell kann das tatsächlich gelingen.

Bodenwert-Grundsteuer
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Für Hans-Günter Henneke, dem Hauptgeschäftsführer des deutschen Landkreistags, bedeutet die Reform, "dass in herausgehobenen Wohnlagen mehr Grundsteuer anfällt, als in strukturschwachen Gebieten". Das sei am Ende eine Frage der gerechten Bewertung von Immobilien.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte am Freitag nach einem Treffen mit seinen Länderkollegen gesagt, man wolle ein Modell, bei dem man Grundstückswerte, das Alter von Gebäuden und die durchschnittlichen Mietkosten heranziehe. Die Zeit für einen Kompromiss drängt, denn das Bundesverfassungsgericht hatte verlangt, dass die Berechnung der Grundsteuer bis Ende des Jahres neu geregelt werden muss.

Wohnungswirtschaft erwartet Preissteigerungen

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW warnte angesichts der geplanten Reform hingegen vor einer "Bürokratie- und Streitwelle". Der Verband erwarte laut Verbandspräsident Axel Gedaschko "eine in vielen Fällen starke Kostensteigerung gerade bei preiswert vermieteten Wohnungen in sonst teuren Lagen". Der Wirtschaftsverband Zentraler Immobilien Ausschuss sieht einen "hohen Verwaltungsaufwand". Präsident Andreas Mattner sagte, dass sei kein Kompromiss, sondern letztlich ein wertabhängiges Modell in anderer Verpackung.

Auch der Bund der Steuerzahler (BdSt) kritisierte die Einigung scharf. Das am Freitag präsentierte Eckpunktepapier sei weder ein guter Kompromiss noch ein Fortschritt. "Wenn diese Reform so kommt, dann wird die Bewertung ungeheuer bürokratisch und teuer", erklärte BdSt-Präsident Reiner Holznagel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Februar 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 12:04 Uhr

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15 Kommentare

03.02.2019 18:52 karstde 15

Keine Sorge. Der Staat wird uns schon das Geld aus der Tasche ziehen. Da kommt noch mehr als bloß diese Grundsteuer. Dauert nicht mehr lange, dann arbeiten wir nicht mehr bis zum 18. Juli für den Staat, sondern bis zum 20. August. Sind doch tolle Aussichten und man wählt vor falschen Vorstellungen noch diese Brüder, die sich das einfallen lassen. Leute, da fällt mir nichts mehr ein.

03.02.2019 15:16 Willy 14

@ 1 3 richtig wir bezahlen für einer Mietwohnung im Jahr 130 .- Euro Grundsteuer was mit den Betriebskosten abgerechnet würd, also würd diese scheiße wieder teurer für uns.

03.02.2019 10:42 Micha 13

@Morchelchen (12): Sie liegen leider daneben. Mieter betrifft das genauso, da die Grundsteuer über die Nebenkosten auf die Mieter abgewälzt wird. Vermieter sind also fein raus, sie zahlen keinen Cent. Was den Rest ihres Kommentares betrifft, verweise ich auf meinen vorherigen Kommentar Nr. 11, was natürlich nicht ausschließen kann, dass es trotzdem zu Steuerhöhungen kommen kann. Das liegt aber letzten Endes (über den Hebesatz) in der Hand der einzelnen Gemeinde bzw. Stadt.

03.02.2019 09:13 Morchelchen 12

9 - Sie wohnen sicher zur Miete. Denn hier ist die Grundsteuer Thema.
Für alle, die es betrifft, also die Hausbesitzer, steht außer Frage, dass es teurer wird. Kurz und knapp - das Fazit der ganzen Aktion also sein wird, mehr Geld in die Staatskasse einzubringen.

03.02.2019 01:02 Micha 11

@Halligalli (7): Nun hören Sie doch mal mit dieser Flüchtlings-Leier auf! Klar, die AfD behauptet das natürlich immer um Wählerstimmen einzusammeln. Nur wird es davon nicht wahrer. Es geht hier auch vordergründig nicht um eine generelle Steuererhöhung, sondern das Bundesverfassungsgericht hat auf Grund von Klagen von Grundstücksbesitzern eine Neuregelung gefordert. Und das hat nicht das Geringste mit Flüchtlingen zu tun. Ich kann diesen verlogenen Schwachsinn wirklich nicht mehr hören!

02.02.2019 22:21 Torben 10

Ich bin Beamter und werde mir die Grundsteuer zurückholen, in dem ich 20-30 h auf Arbeit faulenze.

02.02.2019 19:37 Carolus Nappus 9

Das Schöne bei der Grundsteuer wäre natürlich, dass man da nichts gekonnt ins Ausland verlagern kann. Dann zahlen eben Starbucks, Amazon oder Apple und viele viele andere für die hier genutzen Grundstücke etwas mehr. Wäre doch schonmal was und ok, wenn dann das Steueraufkommen höher als vorher ist.
Außerdem hat jeder Grundstückseigentümer etwas davon, dass seine Grundstücke über die Jahre immer wertvoller werden, ganz ohne sein persönliches Zutun. Dafür wird es Gründe geben. Ich behaupte mal, dass solche Wertsteigerungen oder auch nur der Werterhalt in anderen Weltgegenden für den Otto-Normal-Bürger nicht möglich sind. Einfach, weil da alle paar Jahre irgendein Bürgerkriegstrupp durch die Lande zieht oder jede neue Regeirung mal pauschal die Leute enteigent oder auch einfach nur weil die Wirtschaft darniederliegt und nicht annähernd sowas wie Rechtssicherheit herrscht. Alles das ist nicht das Verdienst des einzelnen Grundstücksbesitzers. Aber er darf seinen Betrag dazu leisten.

02.02.2019 19:10 Kritischer Bürger 8

Mehr und größere Bürokratiemonster bedürfen ja auch mehr Mitarbeiter (so mal die Grundregel) und die müssen ja irgendwoher bezahlt werden! Es mal umgekehrt machen, wäre etwas wo man als Politiker oder Partei bei vielen Bürgern ein "WENIG PUNKTEN" könnte bei den Wahlstimm(ung)en! NUR WOLLEN ES SOLCHE Politiker überhaupt. Irgendwann gibt jeder der Damen und Herren sein Amt mal ab und wird niemals für seine Vergehen bestraft werden. Warum irgendetwas FÜR DIE BÜRGER TUN? Man könnte es viel-sehr viel einfacher machen, wenn man es will! Zu viele wollen eben Beamte werden, denn Handwerk wäre ja zu viel körperliche Arbeit, und diese Beamten werden ja aus den Steuereinnahmen des Staates bezahlt. So wie solche Vorhaben mehr Geld kosten müssten im gleichen "Zuge" auch die Bürger (ALLE) diese Gelder in entsprechenden Höhen mehr bekommen, vom Rentner über ArbL bis hin zu den ArbN etc. Da würden Politiker und Gesetzgeber sich zurück halten mit Mehrausgaben für Bürger!

02.02.2019 18:11 Halligalli 7

Eins ist Sicher! Nicht die Rente, aber das abzocken der Bürger, denn der Staat hat Dank Merkel sich in der „Bewirtung“ der Flüchtlinge übernommen!

02.02.2019 17:31 frank d 6

Ja wenn die Sirenen singen sollte Mann sich die Ohren zuhalten wie Odysseus, denn was er meint mit Gerechtigkeit ist das „er“ mehr bekommt. So sind sie unsere Politiker wie die Raupe Nimmersatt, je mehr sie bekommen je mehr wollen sie haben. Die Rezzession wird sie Bitter und Hart treffen. Diese Schönstwetterkapitäne werden weglaufen wenn Sturm aufkommt.