Reform der Grundsteuer Ifo-Institut empfiehlt kombinierte Flächensteuer

Für eine Reform der Grundsteuer schlägt das Ifo-Institut eine Neuberechnung nach Grundstücks- sowie Wohn- und Nutzfläche vor. Die Immobilienbranche begrüßte diese Einschätzung. Hintergrund der Debatte ist eine Forderung des Bundesverfassungsgerichts, die Grundsteuer bis Ende 2019 neu zu regeln.

Für die anstehende Reform der Grundsteuer in Deutschland schlägt das Ifo-Institut eine Berechnung nach Flächen vor. Ifo-Chef Clemens Fuest sagte bei der Vorstellung einer Studie im Auftrag zweier Eigentümerverbände, am besten sei eine Kombination aus Grundstücks-, Wohn- und Nutzfläche. Die Ifo-Studie favorisiert eine Grundsteuer als Objektsteuer ohne Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Besteuerten.

Wertermittlung kompliziert

Dagegen würde Fuest zufolge ein wertbasiertes Verfahren nach Wohnlage "erhebliche Probleme" mit sich bringen. Aktuelle Verkehrswerte etwa müssten erst aufwendig ermittelt werden – das sei bis Ende des kommenden Jahres kaum zu schaffen.

Bei einem Verkehrswert-Modell erwartet Fuest zudem eine "erhebliche Umverteilung" bei der Grundsteuerlast. Eigentümer selbstgenutzter Immobilien und Mieter in großen Städten müssten deutlich mehr zahlen als bisher. Zudem müssten wirtschaftlich starke Bundesländer mit hohen Immobilienpreisen mehr in den Länderfinanzausgleich zahlen.

Lob von Immobilienbranche

Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund, begrüßte den flächenbasierten Ansatz als "gerechteste Reform" der Grundsteuer. Wer mehr Fläche bewohne, zahle mehr. Für Bürger, Verwaltung und Kommunen biete das Flächenmodell "Verlässlichkeit und Planbarkeit."

Hans Volkert Volckens vom Zentralen Immobilien Ausschuss sieht in einem Flächenmodell auch die Voraussetzung, die vom Verfassungsgericht gesetzten Fristen einzuhalten. Die Daten lägen vor. Ein wertbasierte Berechnung für 35 Millionen Grundstücke  sowie land- und forstwirtschaftlicher Betriebe sei hingegen "illusorisch".

Das Bundesverfassungsgericht hatte die derzeitige Bemessung der Grundsteuer als verfassungswidrig eingestuft und bis Ende 2019 eine Neuregelung vom Gesetzgeber verlangt. Hintergrund ist, dass ein Faktor der Berechnung, der sogenannte Einheitswert, seit Jahrzehnten nicht angepasst wurde. Karlsruhe wertete das als Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip.

Nach der Gewerbesteuer ist die Grundsteuer mit jährlich knapp 14 Milliarden Euro die wichtigste eigene Einnahmequelle der Städte und Gemeinden. Über die Reform beraten derzeit die Finanzminister von Bund und Ländern.

Gerechtigkeit ist kompliziert

In der Diskussion für die Neuregelung sind neben der Flächengrundsteuer zwei andere Modelle:

  • Beim Bodenwertmodell wird in erster Linie der Wert eines Grundstücks für die Steuerhöhe zugrunde gelegt.
  • Im Kostenwertmodell fließen auch Bau- oder Sanierungskosten für die Häuser mit ein.

Ein wertebasiertes Modell mit höheren Grundsteuerlasten in gefragten Regionen und niedrigeren Kosten in ländlichen Regionen wird oft als die gerechteste Lösung angesehen – ist aber auch als aufwendigste.

So ist die Grundsteuer bislang geregelt:

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 14:17 Uhr

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33 Kommentare

19.09.2018 10:29 Norbert 33

Korrektur zu "28"

Der Kommentar bezieht sich auf den (vermutlichen Lobby-Beitrag) des IFO-Instituts und nicht den IWF.
Anzumerken ist ergänzend die fatale Wirkung des IFO-Vorschlages im Bezug auf die Einkommensverhältnisse in Ost und West sowie oft auch zwischen Stadt und Land. Verantwortliche Politik sollte in die verlockende Falle nicht hereinfallen, sondern anstelle der von IFO angeführten Vereinfachungen auf die umfassenderen Vorteile der Computertechnik setzen. So könnte die Politik ihre gestalterischen Möglichkeiten der Struktur- und Ablaufplanung bewahren.

19.09.2018 09:41 Dorfbewohner 32

“Peter 29

@23 Dorfbewohner: Gehen Sie jetzt unter die Verschwörungstheoretiker…”

Ich nicht, wenn dann höchstens der MDR!
Er schrieb nämlich und ich zitiere wieder(vielleicht registrieren Sie es jetzt):

“...“Beim Bodenwertmodell wird in erster Linie der Wert eines Grundstücks für die Steuerhöhe zugrunde gelegt.

Im Kostenwertmodell fließen auch Bau- oder Sanierungskosten für die Häuser mit ein.”

Ich lese kein Wort mehr von Gemeinderäten festzulegenden Hebesätzen, Sie?

18.09.2018 21:20 Peter 31

@28 Norbert: No mal, die Kommunen entscheiden über die Hebesätze, die schlussendlich die Höhe der Grundsteuer bestimmen.
Also bitte, wenn nach dem vorgeschlagenen Modell die Grundstückseigentümer einen höheren Grundbetrag errechnet bekommen, entscheiden die Gemeinderäte, ob sie die Hebesätze senken, um auch auf dem Dorf die Grundsteuer stabil zu halten.
Fragen Sie bitte Ihren Gemeinderat aus der Nachbarschaft, ob das so geht.

18.09.2018 21:15 Peter 30

@26 Bürger: Ich würde Ihnen sehr gern antworten, aber ich kann es nicht.
Ihr Statement ist wirr und hat mit der Grundsteuerreform rein gar nichts zu tun.

18.09.2018 21:12 Peter 29

@23 Dorfbewohner: Gehen Sie jetzt unter die Verschwörungstheoretiker.
Das Bundesverfassungsgericht hat nicht das Recht, die Hebesätze festzulegen, moniert, sondern die dafür geltende Grundlage, die Einheitswerte.
Ergo: Die Kommunen werden auch weiter die Hebesätze frei festlegen können, allerdings auf der Basis einer neuen Grundlage.
Das heißt, die Gemeinderäte haben das letzte Wort, wie hoch die Grundsteuern wirklich sind.

18.09.2018 19:50 Norbert 28

pseudowissenschaftlich und asozial

Angesichts des massiven Zuwanderungsdrucks auf Ballungszentren und gleichzeitiger Entvölkerung der Flächenbesiedelung setzt der IWF ein völlig abwegiges Zeichen für die Steuerungspolitik. Offenkundig sind nicht die Probleme unseres Vaterlandes, sondern die Interessen von Immobiliengesellschaften und -fonds maßgeblich.

Da auf die Wohnflächen im ländlichen und kleinstädtischen Bereich meist weitaus größere Grundstücksflächen entfallen, werden Eigentümer und Mieter dort überproportional belastet werden. Möglicherweise bedient IWF damit jene, die auf Arbeitskräfteabwanderung setzen und rücksichtslos eine weitere Verdichtung der Ballungsräume zum Nachteil der ansässigen Bevölkerung anstreben. Besonders rücksichtslos ist die IWF-Gedankenkrücke gegenüber Ostdeutschland. Dort ist die Bevölkerungsdichte pro Flächeneinheit geringer und der Leerstand riesengroß. Die Dresdener IWF-Nebenstelle hat dies offenkundig nicht erkannt und scheint verzichtbar.

18.09.2018 19:45 Kritischer Bürger 27

@Dorfbewohner 23: +...Im Kostenwertmodell fließen auch Bau- oder Sanierungskosten für die Häuser mit ein.”....+
Bau.- + Sanierungskosten & daraus folglich Verkehrswert oder ggf. neu benannt Zeitwert würden einige Grundstücke sehr niedrigen Grundsteuern entgegensehen. Somit schließe ich diese Möglichkeit heute schon aus. Bleibt also nur der Grundstückswert und der kann sehr sehr teuer werden auch wenn darauf nur eine ggf. Ruine als Gebäude stehen würde! Diese Variante ALLEIN DEN GRUNDSTÜCKSWERT festzulegen wird auch allein die höheren Grundsteuern begründen. Sicher können ggf. NOCH Kommunen andere Grundsteuerwerte (auch niedrigere) den Bürgern vorgeben nur das wird an anderer Stelle nicht möglich sein. Diese Stelle wird sich AUSGABEN bzw. Abgaben nennen!

18.09.2018 19:29 Kritischer Bürger 26

@Peter 14: Wozu dann neue Berechnungsgrundlagen? Die Kommunen haben sich an Umlage-Finanzierung mit zu beteiligen. Wer da dann diese Umlagen nicht erfüllen kann bekommt auch kein zusätzliches Geld. Ist doch in einem anderen Bereich (Schulen) gerade das Thema. Fördermittel, die der Bund den Ländern zukommen lies wurden bisher nur von wenigen Kommunen in Anspruch genommen. WARUM WOHL? Weil die Gegenfinanzierung nicht so weit reicht das man solche Gelder in Anspruch nehmen kann, als Kommune!

18.09.2018 19:20 Kritischer Bürger 25

@Kein Vogtländer 1: ES GEHT NICHT darum ob es Grundsteuer gab oder nicht! Es geht darum das die Grundsteuern als höhere Abgaben weiter geführt werden soll. Kennen Sie im Bezug auf Steuereinnahmen das Wort =UMVERTEILUNG=
oder auch deutlicher FINANZUMLAGE? Wenn ja dann sehen hoffentlich auch Sie, wer am Ende von diesem Geld profitiert! (wenn Sie es wollen).
Die Kommune in der wir leben hat seit Jahren immer die gleiche Grundsteuerhöhe beibehalten und das nutzt dem Bürger. Nun soll dies wohl geändert werden! Grundsteuern mit der Berechnungsgrundlage der 30iger Jahre im Osten und der 60iger Jahre im Westen werden nun erhöht um weiteres Geld einzunehmen! Warum nicht die Grundsteuerberechnungsgrundlage der 30iger NUR NEU zu formulieren? Würde für den Osten UND SEINEN BÜRGERN nicht Mehrkosten bedeuten und dem Westen WENIGER STEUERN aufzwingen. NE man braucht eben Geld oder ebnet Aufkäufern den Weg. Zu wirtschaftlichen Grundlage von Bürgern zähle ich auch das Familieneinkommen etc.

18.09.2018 16:28 Fragender Rentner 24

@Peter zu 8

Heute Mittag im ZDF hat der Özdem auch gesagt, dass das Eis in der Arktis immer mehr schmilzt.