Bericht 2020 Nitratwerte im Grundwasser weiter zu hoch

Nach langem Ringen hat Deutschland die Regeln fürs Düngen auf den Feldern verschärft. Sonst hätten empfindliche EU-Strafen gedroht. Doch noch immer sind die Nitrat-Werte im Grundwasser zu hoch.

EIn Mitarbeiter der Firma Terraq nimmt für die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) an einer Messstelle eine Grundwasserprobe, die in einem Labor auf Nitrat überprüft wird
Messung von Nitratwerten im Grundwasser. Bildrechte: dpa

Das Grundwasser in Deutschland ist vor allem in landwirtschaftlichen Regionen weiterhin zu stark mit Nitrat belastet. Laut neuen Untersuchungen wurde an 26,7 Prozent der Messstellen in Agrarregionen der EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Das ist nur eine leichte Verbesserung zum Bericht vor vier Jahren, als der Wert bei 28,2 Prozent lag.

"Hotspots" sind laut Umweltbundesamt Regionen im Nordwesten mit intensiver Viehhaltung, das mitteldeutsche Trockengebiet sowie die Rhein-Main-Region mit vielen Gemüsefeldern. Dem Bericht zufolge gab es vor allem an Messstellen mit starker Belastung Verbesserungen. In Wald- und Siedlungsgebieten wurde der Grenzwert an etwa fünf  Prozent der 523 Messpunkte gerissen.

Flasbarth optimistisch

Auf Druck der EU und nach langem Streit zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hatte Deutschland das Düngerecht im Frühjahr verschärft. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte am Donnerstag, er sei zuversichtlich, dass man künftig die Grenzwerte einhalten werde. Es dauere aber lange, bis Änderungen auf den Feldern im Grundwasser ablesbar seien. Der neue Bericht basiert auf Daten aus den Jahren 2016 bis 2018.

Nitrate fördern Pflanzenwachstum 

Alle vier Jahre müssen die EU-Staaten Daten zur Nitratbelastung ihres Grund- und Oberflächenwassers liefern. Deutschland hat seit Jahren Ärger, weil die Werte zu hoch sind. Ohne die im Frühjahr beschlossenen schärferen Düngeregeln hätten Strafzahlungen an Brüssel von bis zu 850.000 Euro pro Tag gedroht.

Aus Dünger wie etwa Gülle gelangt Nitrat in den Boden, das gut fürs Pflanzenwachstum ist. Zu viel davon kann die Natur aus dem Gleichgewicht bringen. Zudem können aus Nitrat gesundheitsgefährdende Nitrite entstehen.

Streit um Mess-Methodik

Ein Traktor mit Gülleanhänger versprüht die Gülle auf einem Feld
Düngung von Feld mit Gülle. Bildrechte: dpa

Der Bauernverband bezweifelt jedoch, "inwieweit die landwirtschaftliche Bewirtschaftung tatsächlich maßgeblich für die Nitratwerte an den Messstellen ist". Eine neue Verwaltungsvorschrift soll Mess-Standards vereinheitlichen.

Das sehen jedoch Wasserversorger kritisch. Sie warnen, mit den geplanten Modellen drohe ein "Wegrechnen" zu hoher Werte. Auch die Umweltorganisation BUND mahnt, die Bundesländer müssten Risikogebiete sachgerecht ausweisen.

Küstenregionen besonders belastet

Die Naturschutzorganisation WWF verwies auf die angespannte Situation an Nord- und Ostsee, die im Bericht ebenfalls dargestellt wird. Über Flüsse ins Meer gespülte Nährstoffe förderten das Massenwachstum von Algen und Bakterien.

Die Nitratkonzentrationen sind dem Bericht zufolge in der Nordsee an den Flussmündungen am höchsten. An der Ostsee seien die Werte insgesamt geringer, aber ebenfalls in den Bodden und nahe der Flussmündungen relativ hoch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2020 | 20:00 Uhr

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