Symbolbild - Ein Gaffer macht auf der Autobahn ein Handyfoto von einem Unfall.
An Gaffer können nach derzeitigem Gesetz bis zu zwei Jahre Haft verhängt werden. Bildrechte: IMAGO

Härtere Strafen für Gaffer Sachsens Polizeigewerkschaft skeptisch

Die Gewerkschaft der Polizei hält härtere Strafen gegen Gaffer für schwer durchsetzbar. Der sächsische Landesvorsitzende Husgen sagte MDR AKTUELL, es sei schwierig, nach Verkehrsunfällen Schaulustige zu ermitteln. Sie seien oft im eigenen Auto unterwegs und schnell wieder weg.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Symbolbild - Ein Gaffer macht auf der Autobahn ein Handyfoto von einem Unfall.
An Gaffer können nach derzeitigem Gesetz bis zu zwei Jahre Haft verhängt werden. Bildrechte: IMAGO

Hagen Husgen hat gut 30 Jahre Berufserfahrung als Polizist. Das Phänomen "Gaffer" kenne er gut, sagt Husgen: "Man sieht, dass Polizisten und Feuerwehr versuchen, durch irgendwelche Schutzwände oder Planen abzudecken, weil immer wieder Bürgerinnen und Bürger versuchen, den Unfall ganz nah zu sehen, am besten noch aufzunehmen und zu liken und ihren Freunden mitzuteilen, was sie dort gerade gesehen haben."

Einsatzkräfte speziell für Gaffer nötig

Schon 2017 führte der Bundestag Strafen für Gaffer ein. Seitdem gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern. Geändert habe das wenig, sagt Hagen Husgen, der auch Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Sachsen ist. Gaffer gäbe es nach wie vor und es sei schwierig, diese zu ermitteln:

Polizeigewerkschafter Hagen Husgen
Hagen Husgen ist sächsischer Polizeigewerkschafter. Bildrechte: GdP Sachsen/Hagen Husgen

"Das Schwierige ist, dass man denen nicht habhaft wird, dass sie meistens mit dem Auto vorbeifahren und dann ganz schnell wieder weg sind. Das heißt, wir müssten extra Personen oder Kollegen zur Verfügung stellen oder ein Fahrzeug zur Verfügung stellen, das nichts anderes zu tun hat, als sich um die Gaffer zu kümmern. Und dieses Personal fehlt uns einfach."

Geldbußen laut Polizeigewerkschaft nicht ausreichend

Die bestehenden Gesetze seien in den meisten Fällen ausreichend, sagt Husgen. Was fehle, sei die Anwendung der Gesetze. Selbst dann, wenn Schaulustige identifiziert werden können: "Wenn wir wissen, wer das gewesen ist, dann müsste die Strafe auch auf dem Fuße erfolgen und nicht eine Geldbuße, die vielleicht den Gaffer nicht interessiert, ausgesprochen werden, sondern auch mal eine Strafe knallhart durchziehen, was dann auch ein Exempel ist."

Das Strafmaß reicht in dem Zusammenhang von Bußgeldern bis zu Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, wenn man beispielsweise Opfer fotografiert.

In Halle kein Gaffer-Fall vor Gericht

Damit mehr Fälle vor Gericht verhandelt werden, müssten diese aber auch bei den Gerichten ankommen, sagt Werner Budtke, Richter und Pressesprecher am Amtsgericht Halle. Das wäre auf zwei Arten möglich:

"Das Erste wäre, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen hat im Rahmen vom Strafverfahren und dementsprechend die Taten hier beim Gericht anklagen würde. Das Zweite wäre, es würde im Rahmen eines Bußgeldverfahrens durch die Verwaltungsbehörde ein Bußgeld festgesetzt werden, das bis zu 1.000 Euro hoch sein kann und derjenige legt dann Einspruch ein und dann würde hier beim Gericht über diesen Einspruch verhandelt werden."

Aufblasbare Wand, die an Unfallstellen vor Gaffern schützen soll.
Eine aufblasbare Wand, die an Unfallstellen vor Gaffern schützen soll. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann

Doch zumindest am Amtsgericht Halle gab es in den vergangenen Jahren solche Fälle schlichtweg nicht. Außerdem sei das Gaffen an sich nicht strafbar. Strafrechtlich relevant werde es erst, wenn Rettungskräfte vor Ort behindert werden, man einen Stau verursacht oder Personen fotografiert.

Diese möglichen Straftaten zu ermitteln, sei wiederum Aufgabe der Polizei, sagt Budtke. Womit man wieder bei dem Problem wäre, das auch Hagen Husgen von der GdP Sachen angesprochen hat: Die Schwierigkeit, sich am Unfallort auch noch um die Gaffer zu kümmern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

18.05.2019 20:17 Fragender Rentner 4

Toll, bei den Gaffern haben sie bedenken aber wehe man fotografiert die Gaffer, dann bekommt man bestimmt eine Klage angehängt.

18.05.2019 16:14 Mustermann 3

Was ist Gaffen?

Gaffen:
mittelhochdeutsch gaffen „mit offenem Mund anstarren, den Mund aufsperren“ lt. Wiktionary.org

Schauen mit den Augen ist wohl - allein - noch nicht verboten.
Also, ich bitte um einen seriösen Journalismus und endlich um einen entsprechenden Begriff!

18.05.2019 11:06 MuellerF 2

>>Die Schwierigkeit, sich am Unfallort auch noch um die Gaffer zu kümmern. <<

Bei schweren Unfällen, die ich zuletzt zufällig persönlich live erlebt habe, waren jedesmal sehr viel mehr Beamte vor Ort, als für die Aufnahme des Unfallhergangs & das Absperren der Unfallstelle nötig gewesen wären. D.h., die hätten Zeit & Gelegenheit, sich um Gaffer zu kümmern. In einem Fall haben sie einen solchen auch der Strafverfolgung zugeführt-es geht also, wenn man will!

18.05.2019 10:46 Hossa 1

Die Medien machen doch mit und heizen das ja noch an.
z.B.“Bildreporter“
Unfälle,Katastrophen und Anschläge werden zum Event erhoben.
Man stelle sich die Anschläge von 9/11ohne Bildmaterial bei Berichterstattung vor.
Die meisten Menschen ergötzen sich nun mal gern am Leid der anderen.
Am liebsten vom Sofa aus.