Blick über den Fischmarkt zur Evangelischen Kirche St. Martini.
Blick über den Fischmarkt zur Evangelischen Kirche St. Martini in Halberstadt. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt Halberstädter Fischmarkt im Fokus der Polizei

Vor wenigen Wochen geriet Halberstadt wegen Übergriffen auf Asylbewerber in der Zentralen Anlaufstelle in die Schlagzeilen. In der Unterkunft gibt es häufiger Streit. Seitdem schaut die Öffentlichkeit genauer in die Stadt. Nun steht das Zentrum im Fokus: Auch auf dem Fischmarkt gibt es wohl regelmäßig Ärger mit Geflüchteten und Migranten.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Blick über den Fischmarkt zur Evangelischen Kirche St. Martini.
Blick über den Fischmarkt zur Evangelischen Kirche St. Martini in Halberstadt. Bildrechte: dpa

Die Polizei fasst die Situation so zusammen: "Seit Anfang Juni 2019 kommt es im Stadtzentrum von Halberstadt regelmäßig zu Ansammlungen von mehreren größeren Personengruppen, hauptsächlich auf dem Fischmarkt und vor der Kirche St. Martini. Diese Gruppen bestehen aus Personen mit Migrationshintergrund, aber auch aus Deutschen. Es wird zum Teil Alkohol konsumiert, laute Musik abgespielt, die Notdurft in der Öffentlichkeit verrichtet und an den genutzten Plätzen Müll hinterlassen."

Fünfmal jede Woche komme es hier zu Gewalt, hat die Polizei seit Anfang des Jahres gezählt. Daniel Szarata sitzt für die CDU im Landtag und hat sein Wahlkreisbüro am Fischmarkt in Halberstadt. "Es ist, denke ich, immer noch kein lebensbedrohlicher Zustand bei uns, aber es fällt den Leuten halt auf. Es ist nicht nett anzusehen." Und es sei eben nicht so, wie Integration im Optimalfall laufen sollte. Das ärgere viele Menschen.

Stimmung hat sich verändert

Wohncontainer auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
Die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber – kurz ZASt – in Halberstadt. Bildrechte: dpa

Die Stimmung sei gekippt, sagt Szarata. Und das, obwohl die Halberstädter die Anlaufstelle gewohnt seien. Immerhin gibt es die schon seit Anfang der 1990er Jahre in der Stadt. Dass sich die Stimmung verändert hat, das empfindet auch Andreas Henke so. Was sich gerade auswirke, sei die qualitative Umwandlung der Anlaufstelle, wie der Oberbürgermeister sagt.

"Hier werden vornehmlich die ankommenden Asylbewerber festgehalten, die wahrscheinlich kein Bleiberecht erwarten können. Die also irgendwann wieder in ihre Heimatländer abgeschoben werden müssen." Das heiße, sie blieben bis zu anderthalb Jahre in Halberstadt und hätten in dieser Zeit keine Arbeit und keine sinnvolle Aufgabe.

Wo das Problem liegt

"Politisch-Gewolltes-Nichtstun" nennt Gabriele Schwentek, Geschäftsführerin der Diakonie Halberstadt, das. Sie meint damit zum Beispiel die Bundesregelung, nach der Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern, oder die, die in einer Aufnahmeeinrichtung leben müssen, nicht arbeiten dürfen. Dass es da Probleme gebe, sei klar.

Zur Stimmung in Halberstadt sagt Schwentek: "Ich denke, zum Anfang war da eine ganz große Unsicherheit." Mittlerweile seien die Menschen hier in der Gegend genauso polarisiert und gespalten "wie woanders auch". Zurück auf dem Fischmarkt: Die Halberstädter selbst wollen nicht so gern über die Anlaufstelle sprechen. Eine junge Frau mit Bratwurst in der Hand winkt ab. Mittagspause, keine Lust.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2019, 05:00 Uhr