Generalbundesanwalt im Innenausschuss Hanau: Täter wurde vor der Tat wegen Falschparkens kontrolliert

Vor rund einer Woche wurden in Hanau zehn Menschen erschossen – mutmaßlich von Tobias R. Der Generalbundesanwalt nannte im Innenausschuss des Bundestages nun neue Details zur Tat.

Kerzen stehen in Gedenken an die Gewalttat von Hanau in München
Gendenken an die Gewalttat in Hanau. Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Der mutmaßliche Schütze von Hanau, Tobias R., wurde kurz vor den rassistischen Angriffen noch von der Polizei wegen Falschparkens kontrolliert. Das berichtete Generalbundesanwalt Peter Frank den Mitgliedern des Bundestags-Innenausschusses. Rund eine Stunde, bevor er in Hanau auf einen Menschen schoss, wurde Tobias R. demnach noch von einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrolliert, weil er mit seinem Auto auf einem Behindertenparkplatz stand. Er habe nicht aggressiv reagiert und sein Fahrzeug umgeparkt, hieß es von den Mitgliedern des Innenausschusses.

Kurz darauf, um 21.58 Uhr, habe der Täter zuerst einen Menschen auf der Straße erschossen. Danach tötete er noch acht weitere Menschen. Um 22.10 Uhr sei er dann zur Wohnung seiner Eltern gefahren. Wie die Mitglieder des Innenausschusses weiter berichteten, stürmte die Polizei die Wohnung erst um kurz nach 3 Uhr in der Nacht. Zuvor hätten Polizisten vergeblich an der Wohnungstür geklingelt. Auch eine Drohne sei eingesetzt worden, um durch die Fenster schauen zu können.

Stürmte Polizei die Wohnung zu spät?

Die Mutter von Tobias R. habe tot im Wohnzimmer gelegen, seine Leiche im Kellerabgang. Die Grünen fragten angesichts des späten Stürmens der Wohnung, warum es so lange gedauert habe, bis die Polizei zugriff. Und der CDU-Innenpolitiker Marian Wendt sagte: "Offen bleibt derzeit die Frage, warum die hessische Polizei nicht sofort die zuständigen Anti-Terror-Einheiten des Bundes gerufen hat."

Auch neue Details zu den Waffen wurden bekannt: Während der mutmaßlichen Taten gab Tobias R. insgesamt 52 Schuss ab, hieß es von Teilnehmern des Innenausschusses. In seinem Wagen hätten noch 18 weitere Patronen gelegen, in seinem Zimmer insgesamt 350 Patronen. Außerdem wurden drei Schusswaffen bei ihm gefunden: eine lag im Auto, eine bei der Leiche von Tobias R., eine weitere an einem anderen Ort in der Wohnung.

R. hatte eine Waffenerlaubnis besessen. Seit der Tat wird allerdings über eine Verschärfung des geltenden Rechts diskutiert. Abgeordnete der Union regten an, herauszufinden, ob die Vorschriften zur Überprüfung von Waffenbesitzern in den Ländern richtig umgesetzt werden. Vorher sei es nicht sinnvoll, über eine Verschärfung des Waffenrechts zu sprechen, sagte die Ausschussvorsitzende Andrea Lindholz von der CSU.

Holger Münch, Peter Frank und Horst Seehofer
BKA-Präsident Holger Münch, Generalbundesanwalt Peter Frank und Innenminister Horst Seehofer (v.l.) bei der Sondersitzung des Innenausschusses. Bildrechte: dpa

Seehofer: "Sehr hohe Bedrohungslage"

Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte nach seiner Teilnahme am Innenausschuss, es gebe in Deutschland eine "sehr hohe Bedrohungslage durch Rechtsextremismus, Rechtsterrorismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit". Eine offene Frage sei derzeit noch, ob "bei begründeten Zweifeln an der Zuverlässigkeit einer Person" künftig im Einzelfall der Waffenschein entzogen werden könne.

Bestätigt wurde, dass Tobias R. sich vor der Tat an die Generalbundesanwalt gewendet hatte. Er hatte im November 2019 ein Schreiben dorthin geschickt, in dem er erklärte, er werde illegal überwacht. Peter Frank kündigte an, dass er dem Innenausschuss die Anzeige zur Verfügung stellen wolle.

Generalbundesanwalt: Auslandsreisen von Tobias R. werden überprüft

Frank sagte im Innenausschuss weiter, derzeit gebe es keine Hinweise auf das Umfeld und mögliche Mittäter. Er verwies zugleich auf die laufenden Ermittlungen. Unter anderem würden mehrere Auslandsreisen des Tatverdächtigen untersucht, darunter eine Reise in die USA im November 2018.

Der Grünenpolitiker Konstatin von Notz sagte, der Täter sei "ausgesprochen planvoll und strategisch" vorgegangen. Tobias R. habe den "Terroranschlag von langer Hand vorbereitet".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2020 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 17:56 Uhr