Mahnwache Steinmeier: "Brutaler Terroranschlag" in Hanau

Tausende Menschen haben am Abend an einer Mahnwache in Hanau teilgenommen. Bundespräsident Steinmeier sprach von einem "brutalen Terroranschlag" und appellierte an den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Hessen, Hanau: Frank-Walter Steinmeier (M), Bundespräsident, hält während einer Gedenkveranstaltung einen Strauß Blumen und steht neben seiner Frau Elke Büdenbender (l) und Ursula Bouffier (r). Bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag hat ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau mehrere Menschen und sich selbst erschossen.
Bundespräsident Steinmeier legte zum Gedenken an die Opfer in Hanau einen Kranz nieder. Bildrechte: dpa

Bei einer Mahnwache für die Opfer des Anschlags von Hanau hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an den gesellschaftlichen Zusammenhalt appelliert. Nun sei "die Stunde, in der wir zeigen müssen: Wir stehen als Gesellschaft zusammen, wir lassen uns nicht einschüchtern, wir laufen nicht auseinander". Er verwies darauf, dass in mehr als 50 Städten in Deutschland am Abend zeitgleich Mahnwachen mit tausenden Menschen abgehalten wurden.

Steinmeier wandte sich angesichts der Gewalttat mit elf Toten außerdem gegen eine "Sprache der Ausgrenzung und der Herabwürdigung, die der Gewalt allzu häufig den Weg bereitet". Er betonte: "Achten wir auf unsere Sprache, in der Politik, in den Medien und überall in der Gesellschaft, und halten wir dagegen, wenn Einzelnen oder Minderheiten die Würde in unserem Land genommen wird."

Er stehe an der Seite aller Menschen, "die durch rassistischen Hass bedroht werden". Gleichzeitig bezeichnete der Bundespräsident die Todesschüsse in Hanau als "Terrortat" und "brutalen Akt terroristischer Gewalt".

Tausende Menschen waren zu der Mahnwache im hessischen Hanau gekommen. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sowie die kurhessische evangelische Bischöfin Beate Hofmann, der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, nahmen an der Veranstaltung teil. Weitere Mahnwachen fanden etwa in Berlin, Hamburg und Frankfurt statt – ebenso in Dresden, Leipzig, Erfurt und Magdeburg.

Tobias R. besaß legal Waffen

Gedenken in Dresden an Vorfälle in Hanau
Auch in Dresden wurde an die Anschlagsopfer von Hanau gedacht. Bildrechte: MDR/Christian Essler

Nach vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler hatte am Mittwochabend der 43 Jahre alte Tobias R. unter anderem in zwei Shisha-Bars insgesamt neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen und mehrere verletzt. Danach tötete er seine Mutter und schließlich sich selbst.

Der mutmaßliche Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank "eine zutiefst rassistische Gesinnung". Frank sagte in Karlsruhe, das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf der Internetseite des Mannes ergeben. Es solle nun ermittelt werden, ob der mutmaßliche Täter Mitwisser oder Unterstützer gehabt habe.

Tobias R. hatte als Sportschütze legal mehrere Waffen besessen, wie der hessische Innenminister Peter Beuth am Morgen gesagt hatte. Nach Auskunft der zuständigen Kreisbehörde hatte er 2013 eine waffenrechtliche Besitzerlaubnis bekommen, in seiner Waffenbesitzkarte seien zuletzt zwei Waffen eingetragen gewesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2020 | 20:30 Uhr