Gewalttat in Hanau Generalbundesanwalt spricht von "zutiefst rassistischer Gesinnung"

Elf Menschen starben bei der Gewalttat in Hanau. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen an sich gezogen und sieht eine "zutiefst rassistische Gesinnung" in Botschaften des mutmaßlichen Schützen.

Drei Mitarbeiter der Spurensicherung betreten einen Tatort in Kesselstadt
Mitarbeitende der Spurensicherung an einem der Tatorte in Hanau. Bildrechte: dpa

Der mutmaßliche Schütze von Hanau hat auf seiner Internetseite "Videobotschaften und eine Art Manifest" veröffentlicht, die nach Angaben des Generalbundesanwalts Peter Frank eine "zutiefst rassistische Gesinnung" aufweisen. Das habe die Auswertung der Botschaften und des Manifestes ergeben, sagte Frank am Donnerstag in einer kurzen Stellungnahme.

Die Generalbundesanwaltschaft wolle nun ermitteln, ob es für die Anschläge am Mittwochabend im hessischen Hanau Mitwisser oder Unterstützer gab und Kontakte ins In- oder Ausland. Mit den Ermittlungen habe er das Bundeskriminalamt (BKA) und das hessische Landeskriminalamt (LKA) beauftragt.

Tote hatten Migrationshintergrund

Bei der mutmaßlich rassistischen Tat seien neun Personen mit Migrationshintergrund erschossen worden. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, einer davon schwer. Kurze Zeit später seien der mutmaßliche Täter und seine Mutter augenscheinlich ebenfalls erschossen in einer Wohnung gefunden worden, neben dem Mann habe eine Schusswaffe gelegen, sagte Frank weiter.

Ermittler sicherten auch am Donnerstag Spuren an den Tatorten. Der Heumarkt in der Innenstadt von Hanau war weitläufig abgesperrt. Um sich geschossen hatte der mutmaßliche Täter in zwei Bars, einem Kiosk und auf ein Auto. Später fuhr er dann zur der Wohnung, in der er mit seiner Mutter wohnte.

Stadtkarte von Hanau mit Ortsmarkern Heumarkt und Kurt-Schumacher-Platz
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Seehofer will mit Länderkollegen beraten

Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte unterdessen an, sich am Abend mit den Innenministern der Ländern darüber zu beraten, wie die Sicherheit vor allem bei öffentlichen Veranstaltungen in den nächsten Tagen gewährleistet werden könne. Dies sei auch "vor dem Hintergrund vieler öffentlicher Veranstaltungen in den nächsten Tagen" erforderlich.

Seehofer sagte weiter, im Bereich des Rechtsextremismus habe es zuletzt "eine Menge von sehr Besorgnis erregenden Entwicklungen erlebt". Es sei nun "die große und zentrale Aufgabe", den Gegnern der freiheitlichen Grundordnung "die Stirn zu bieten".

"Politiker, Gesetzgeber und Regierung" müssen überlegen, welche Konsequenzen aus der Tat zu ziehen seien. Der Innenminister sagte, dass die Tat offenbar "ein rassistisches Motiv" hatte. "Rassismus ist Gift, ein Gift, das Verwirrung in den Köpfen auslöst, das dafür sorgt, dass das Böse hervortritt." Ähnlich hatte sich bereits Bundeskanzlein Angela Merkel geäußert. Sie sagte, "Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft, und es ist schuld an schon viel zu vielen Verbrechen."

Seehofer ordnete Trauerbeflaggung für alle öffentlichen Gebäude in Deutschland an. In Hanau legten Passanten Blumen in der Nähe eines der Tatorte ab.

Wöller: Neue Herausforderung für Sicherheitsbehörden

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sprach mit Blick auf die Tat von einer neuen Herausforderung für die deutschen Sicherheitsbehörden. Solche Taten zeigten, dass "wir es zunehmend mit Einzeltätern zu tun haben, die über einen langen Zeitraum unauffällig bleiben und sich im Verborgenen radikalisieren", sagte Wöller in Dresden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2020 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 15:26 Uhr