Josef Sanktjohanser, 2012
HDE-Chef Sanktjohanser: Wer das Bild eines toleranten Deutschlands störe, gefährde den Wirtschaftsstandort. Bildrechte: dpa

Migrationspolitik Handelsverband warnt vor Klima der Angst

In die Debatte um die Ereignisse von Chemnitz hat sich auch die Wirtschaft eingeschaltet. Der Chef des Handelsverbandes, Sanktjohanser, fordert ein Klima, in dem sich ausländische Arbeitskräfte wohl fühlen. Kardinal Woelki sieht den Rechtsstaat in der Pflicht, mit Härte Recht und Ordnung wiederherzustellen.

Josef Sanktjohanser, 2012
HDE-Chef Sanktjohanser: Wer das Bild eines toleranten Deutschlands störe, gefährde den Wirtschaftsstandort. Bildrechte: dpa

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat angesichts der Ereignisse in Chemnitz vor einem hysterischen "Klima der Angst" in Deutschland gewarnt. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb HDE-Präsident Josef Sanktjohanser: "Alle, die das Bild eines toleranten Deutschlands stören, gefährden erheblich unser Zusammenleben und auch den Wirtschaftsstandort."

Weiter schreibt Sanktjohanser, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft seien gefordert, Ausgrenzung und wachsender Verunsicherung in der Gesellschaft entschieden entgegenzutreten. Die Gesellschaft dürfe nicht zulassen, dass "rechte Kreise" den Eindruck erzeugten, dass hierzulande Intoleranz an der Tagesordnung sei.

Wirtschaft will auf ausländische Arbeitskräfte nicht verzichten

Der HDE-Präsident verwies auf den drohenden massiven Fachkräftemangel in Deutschland. Die Unternehmen könnten nicht länger auf das große Potenzial internationaler Arbeitskräfte verzichten.

Deshalb sollten wir alle dafür sorgen, dass Menschen aus anderen Ländern gerne zu uns kommen, um diese Lücken zu füllen und damit den Wohlstand unseres Landes für die Zukunft zu sichern.

Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes Deutschland

Außerdem wandte sich der Verbandspräsident gegen die Forderungen nach dauerhaften Grenzkontrollen im Schengenraum. Das sei "schlichtweg gegen unser Interesse". Es bedeute den Verlust von Freizügigkeit, unkalkulierbare Wartezeiten an den Grenzen und eine empfindliche Störung des europäischen Binnenmarkts.

Woelki fordert Rechtsstaat zum Handeln auf

Auch der Kölner Kardinal Rainer Woelki mahnte zum Handeln. In einem Beitrag für das Kölner Domradio sagte er: "Ich finde es mehr als besorgniserregend, wie hier blanker Fremdenhass geschürt wird." Wenn Menschen nur auf Grund ihres Aussehens um ihr Leben fürchten müssten, müsse der Rechtsstaat mit all seiner Härte Recht und Ordnung wiederherstellen. Es sei auch nicht hinnehmbar, dass Polizisten angegriffen und Medienvertreter bedroht und angepöbelt würden.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. September 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2018, 12:37 Uhr