Drei Jugendliche stehen vor dem Fenster einer Job-Agentur
Hartz- IV gehört auf den Prüfstand - da sind sich die Parteien einig. Aber ein Systemwechsel ist derzeit nicht vorgesehen. Bildrechte: dpa

Bürokratie Verwaltungskosten bei Hartz IV steigen und steigen

Um das System Hartz-IV aufrecht zu erhalten, fließen immer höhere Summen in die Verwaltung. Die Gelder fehlen dann, wenn es darum geht, Langzeitarbeitslose in einen Job zu bringen. Die FDP fordert Entbürokratisierung.

Drei Jugendliche stehen vor dem Fenster einer Job-Agentur
Hartz- IV gehört auf den Prüfstand - da sind sich die Parteien einig. Aber ein Systemwechsel ist derzeit nicht vorgesehen. Bildrechte: dpa

Die Verwaltungskosten für das Hartz-IV-System verschlingen immer höhere Millionensummen. Der sozialpolitische Sprecher der FDP, Pascal Kober, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Hartz IV müsse wegen seines bürokratischen Aufwandes umfassend überprüft werden.

Kober stützte sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage. Demnach wurden im vergangenen Jahr 911 Millionen Euro mehr für die Verwaltung ausgegeben, als im Budget dafür vorgesehen war. Das waren 147 Millionen Euro mehr als 2016. Da diese Mehrausgaben aus anderen Töpfen stammen, standen für die Förderung und Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen 911 Millionen Euro weniger bereit.

Kober sagte, er befürchte, dass die von Arbeitsminister Hubertus Heil zusätzlich versprochenen Gelder für Langzeitarbeitslose zu einem großen Teil in einem ineffizienten System versickern könnten.

Verwaltungskosten wachsen seit Jahren

Nach Berechnungen des Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) wächst der Teil der Verwaltungsausgaben für Langzeitarbeitslose seit Jahren. Nach BIAJ-Angaben wurden vom Bund von 2013 bis 2016 insgesamt 2,6 Milliarden Euro mehr für Verwaltung ausgegeben, als vom Bundeshaushalt für diesen Zweck vorgesehen. Im selben Zeitraum sanken die für "Leistungen zur Eingliederung in Arbeit" nahezu 2,3 Milliarden Euro.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele hatte zuletzt dafür plädiert, mehr Geld für die Jobcenter zur Verfügung zu stellen, gleichzeitig die Arbeit durch Pauschalen und einheitliche Anrechnungsvorschriften zu entbürokratisieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2018 | 20:43 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2018, 09:58 Uhr

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42 Kommentare

29.05.2018 00:12 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 42

Das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ist eine gute Idee!

Man stelle sich vor, wie effizient man arbeiten könnte, wenn die, die nicht arbeiten wollen, einem bei der Arbeit nicht mehr im Weg stehen!

28.05.2018 23:59 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 41

Wenn man als 'Unternehmen' seine 'Kunden' zwar so nennt, aber nicht so behandelt, kommt es zu Verdruß bei den 'Kunden', der sich natürlich auch auf die Mitarbeiter niederschlägt, was sich im Krankenstand und der Bereitschaft der Jobergreifung niederschlagen kann.

Glücklicherweise haben wir dafür ja eine 'effiziente Sozial-Behörde', von der man nicht wie ein 'Kunde' behandelt wird.
Ach, ne, das war ja früher...

28.05.2018 15:39 Fragender Rentner 40

Beim Pressecklub gestern bei Phoenix sprachen sie auch über diese Kosten und wie es noch zu anderen Kosten kommt.

Das ist dann die Kausalität.

28.05.2018 04:28 Spottdrossel 39

Grundeinkommen für alle!

27.05.2018 23:59 Sabrina 38

Die hohe Arbeitslosigkeit ist übrigens von denen, die Hartz-IV eingeführt haben zu verantworten. Diese haben nämlich auf eine steigende Produktivität mit Entlassungen und Lohnzurückhaltung reagiert. Sie haben auf steigende Produktivität mit der Reduzierung der Kaufkraft und damit der Nachfrage reagiert. Und dieser reduzierten Nachfrage mussten sich wieder die Unternehmen stellen, also die Produktion nach unten anpassen, sprich weitere Entlassungen. Und wenn ich dann diese "Experten" aus der Politik reden höre, deren anmaßenden Gestus - was für bildungsferne Gestalten !

27.05.2018 23:42 Sabrina 37

@ 27.05.2018 12:29 REXt

Es fällt ja auch auf, wer dieses Bedingungslose Grundeinkommen fordert: Kleinunternehmer, die die Leute heute schon als Hartz-IV-Aufstocker arbeiten lassen.
Die wollen, dass der Staat die Löhne der Angestellten zahlt.
Das läuft dann nach dem Motto: Na Sie bekommen doch schon Grundeinkommen, da können Sie nicht mehr so viel drauf verlangen.
Das Geld wird ganz schnell alle sein und dann sind die Leute ärmer als heute mit Hartz-IV und gesellschaftliche / wirtschaftliche Verwerfungen wie beim Platzen der meisten Wirtschaftssubventionen kommen noch dazu.

27.05.2018 23:33 Sabrina 36

Das ist nicht nur bei Hartz-IV so.
Unser Sozialsystem dient vor allem der Bereicherung derer für die es offiziell gar nicht gemacht ist, also für Ärzte, Pharma, Krankenkassen, insbesondere private Rentenversicherungen, "Betreuern"m, Krebsforschern, Jugendämtern, Gutachtern, Psychotherapeuten und und und

27.05.2018 21:28 Fußballer 35

@Bernd: Und warum machen Sie dies?

27.05.2018 20:34 emil 34

dank merkel sind wir zu jeder steigerung fähig.

27.05.2018 20:01 Bernd Escher 33

@29 Fußballer: Ich bin "Leihfuzzi" quasi schon
aus Überzeugung denn ohne uns geht gar nichts mehr...
mfg Bernd Escher