Eine israelische Kampfdrohne des Typs Heron TP steht am 17.098.2016 auf dem Militärflughafen Tel Nof bei Gedera, Israel.
Die Kampfdrohne "Heron TP". Bildrechte: dpa

Wichtiges Rüstungsprojekt Bundestag macht Weg für Kampfdrohnen frei

Jahrelang wurde um die Anschaffung einer Kampfdrohne für die Bundeswehr gestritten. Nun hat der Haushaltsausschuss des Bundestages den Weg für die Anmietung eines israelischen Modells freigemacht - vorerst aber nur ohne Waffen.

Eine israelische Kampfdrohne des Typs Heron TP steht am 17.098.2016 auf dem Militärflughafen Tel Nof bei Gedera, Israel.
Die Kampfdrohne "Heron TP". Bildrechte: dpa

Nach jahrelangem parlamentarischen Streit darf die Bundeswehr Kampfdrohnen beschaffen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags beschloss am Mittwoch die Anmietung israelischer Kampfdrohnen des Typs "Heron TP" für 895 Millionen Euro. Damit erhält die Luftwaffe erstmals unbemannte Flugzeuge, die auch Waffen tragen können. Über die Bewaffnung selbst soll nach einer Verabredung im Koalitionsvertrag allerdings erst "nach ausführlicher völkerrechtlicher, verfassungsrechtlicher und ethischer Würdigung" gesondert entschieden werden.

"Wichtiges Signal an Parlamentsarmee"

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen begrüßte den mit den Stimmen von Union und SPD gefällten Beschluss ausdrücklich: "Das ist ein wichtiges Signal des Bundestages an seine Parlamentsarmee", sagte die CDU-Politikerin nach der Sitzung des Haushaltsausschusses. Die "Heron TP" habe eine bessere Auflösung und könne weiter fliegen, daher trage sie zu einem besseren Schutz der Soldaten bei. Bislang setzt die Bundeswehr lediglich Aufklärungsdrohnen ein.

Seit langem kontroverse Debatte

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Von der Leyen: "Besserer Schutz der Soldaten." Bildrechte: dpa

Über die Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr wird seit langem kontrovers diskutiert. Die Luftwaffe fordert seit vielen Jahren Kampfdrohnen zum Schutz der eigenen Soldaten in den Einsatzgebieten. Kritiker führen dagegen ins Feld, die ferngesteuerten Flugzeuge senkten die Hemmschwelle zum Waffeneinsatz. Die Grünen lehnten die Beschaffung der Drohne ab, weil als Teil der Vertrages 50 Millionen Euro bereits für die technische Vorbereitung einer Bewaffnung ausgegeben würden. Ende der vergangenen Wahlperiode hatte auch die SPD die Beschaffung von Kampfdrohnen noch blockiert.

"Heron TP" nur Übergangslösung

Die "Heron TP" ist 14 Meter lang, hat eine Spannweite von 26 Metern, eine größere Reichweite und kann mit Raketen bewaffnet werden. Dennoch soll sie für die Bundeswehr nur eine Übergangslösung sein, bis die Entwicklung einer europäischen Kampfdrohne abgeschlossen ist. Das soll bis 2025 der Fall sein.

Die Anmietung der israelischen Drohne inklusive ihres Betriebs kostet laut der Beschlussvorlage für den Haushaltsausschuss etwa 885 Millionen Euro. Für den Einsatz in einem zweiten Gebiet seien Zusatzkosten von 210 Millionen Euro vereinbart. Der Steuerzahler-Bund hat die Anschaffungspläne zuletzt bereits wegen der zu hohen Kosten kritisiert.

Drohnen Spione, Angreifer und Helfer

Seit Jahren setzt die Bundeswehr gemietete Aufklärungsdrohnen ein. Nun soll ein Typ angeschafft werden, der theoretisch auch bewaffnet werden kann. Die Entwicklung ist weit vorangeschritten, nicht nur beim Militär.

Eine israelische Kampfdrohne des Typs Heron TP steht im Jahr 2016 auf dem Militärflughafen Tel Nof bei Gedera, Israel.
Die Drohne vom Typ Heron ist eine allwetterfähige Aufklärungsdrohne des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI). Neben den israelischen Luftstreitkräften nutzen weltweit acht weitere Staaten die Heron-Drohne, darunter auch Deutschland. Bildrechte: dpa
Eine israelische Kampfdrohne des Typs Heron TP steht im Jahr 2016 auf dem Militärflughafen Tel Nof bei Gedera, Israel.
Die Drohne vom Typ Heron ist eine allwetterfähige Aufklärungsdrohne des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI). Neben den israelischen Luftstreitkräften nutzen weltweit acht weitere Staaten die Heron-Drohne, darunter auch Deutschland. Bildrechte: dpa
Wing Loong I Aufklährungs- und Kampfdrohne und dazugehörige Geschosse, 2016
Die chinesische Kampfdrohne Wing Loong I bei der Luftfahrtmesse Airshow China 2016 im südchinesischen Zhuhai. Die Drohne kann zur Aufklärung genutzt werden, aber auch mit Geschossen für Kampfeinsätze bestückt werden. Bildrechte: dpa
US Kampfdrohne X47-B
Neben Israel sind US-Unternehmen führend in der Drohnen-Technologie. Das US-Militär setzt seit Jahren Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung etwa islamistischer Kämpfer im Nahen und Mittleren Osten ein. Der Einsatz ferngesteuerter Killer-Drohnen ist umstritten. Hier die neuentwickelte US-Kampfdrohne X47-B, ein sogenannter Pfeilpflügler mit Fast-Schallgeschwindigkeit. Das Experimentalkampfflugzeug kann schwer bewaffnet werden, in der Luft betankt werden und von Flugzeugträgern starten und dort auch landen. Bildrechte: dpa
Eine US-Drohne des Typs MQ-1 Predator
Die bekannteste US-Kampfdrohne ist die MQ-1 Predator vom Hersteller General Atomics. Sie wird seit Mitte der 90er-Jahre zur militärischen Aufklärung eingesetzt, kam u.a. auch 2017 beim G7-Gipfel in Hamburg zum Einsatz. Weit bekannter und umstrittener sind die Missionen der Predator-Drohne zur gezielten Tötung von Menschen etwa in Afghanistan oder im Irak. Es soll Hunderte solcher Einsätze gegeben haben. Bildrechte: dpa
Drohne vom Typ Euro Hawk
Angesichts der Bedeutung der Drohnen-Technologie versuchte Deutschland, mit europäischen Partnern eine eigene Drohne zu bauen - "Euro Hawk". Das Projekt entwickelte sich zum Desaster und Millionengrab. Nach zahllosen Pannen wurde die Entwicklung auf Eis gelegt, die Bundeswehr mietete israelische Drohnen an. Hier eine Euro-Hawk Drohne 2011 auf dem bayerischen Luftwaffenstützpunkt Manching. Bildrechte: dpa
Paketdrohne
Für die zivile Nutzung von Drohnen gibt es erste Tests in der Logistik. Drohnen könnten Pakete oder Eilfracht schneller zustellen. Bildrechte: dpa
Rettungsschwimmer testen am Strand auf der Insel Usedom einen sogenannten Rettungscopter.
Auch als "fliegendes Auge" sind verschiedene zivile Einsatzgebiete für Drohnen möglich. Etwa zur Überwachung von Stränden als Hilfe für Rettungsschwimmer. Hier ein sogenannter Rettungscopter auf der Ostseeinsel Usedom. Bildrechte: dpa
Zwei Männer stehen an einem Wegrand und bespühen mit Hilfe einer Drohne ein Feld.
Auch in der Landwirtschaft gibt es Anwendungsgebiete für Drohnen. Unbemannte Drohnen können Pflanzenschutzmittel über die Felder versprühen. Bildrechte: IMAGO
Eine Passagier-Drohne Volocopter 2x steht am Stand von Intel bei der Digitalisierungsmesse Cebit.
Verschiedene Hersteller planen bereits den Einsatz von Drohnen als "Flug-Taxis". Der Volocopter für zwei Personen bei der Digitalmesse Cebit sorgte für einiges Aufsehen und soll bald in Serie gehen. Bildrechte: dpa
Ein Mann sitzt in der Passagier-Drohne Volocopter 2x am Stand von Intel bei der Digitalisierungsmesse Cebit.
Blick in der Passagier-Kabine der Drohne Volocopter 2x bei der Cebit in Hannover. Bildrechte: dpa
Animation einer überdimensionalen Drohne mit vier Propellern, an der eine Art Autorumpf hängt.
Zukunftsmusik: Animation einer Drohne mit vier Propellern, an der eine Art Auto hängt, das dann am Boden den letzten Abschnitt zum Ziel autonom weiterfahren kann. Bildrechte: Italdesign
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US Kampfdrohne X47-B
Neben Israel sind US-Unternehmen führend in der Drohnen-Technologie. Das US-Militär setzt seit Jahren Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung etwa islamistischer Kämpfer im Nahen und Mittleren Osten ein. Der Einsatz ferngesteuerter Killer-Drohnen ist umstritten. Hier die neuentwickelte US-Kampfdrohne X47-B, ein sogenannter Pfeilpflügler mit Fast-Schallgeschwindigkeit. Das Experimentalkampfflugzeug kann schwer bewaffnet werden, in der Luft betankt werden und von Flugzeugträgern starten und dort auch landen. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 13. Juni 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 21:02 Uhr

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9 Kommentare

14.06.2018 09:59 norbert 9

Wer glaubt denn ernsthaft das wenn beim Militär Geld gespart wird das es dann in Schulen etc. gesteckt würde ? Zumal es nötig ist wenn schon deutsche Soldaten losgeschickt werden diese ordentlich auszurüsten. Das ist das wenigste was man machen kann, denn wenn man sich ansieht wie die BW ausgerüstet ist kann einem übel werden. Oder man verzichtet ganz darauf dann aber mit allen Konsequenzen, nur sich eine Armee zu halten diese aber seit 20 Jahren kaputt zu sparen damit kann im Ernstfall keiner mehr mit rechnen. Denn diejenigen die meinen ohne Armee aus zu kommen leben leider in Wolkenkuckucksheim, schön wär es aber das ist Realitätsfremd. Nur warum von den Israelis mieten ist mir zu hoch, Israel hat in den letzten 10 Jahren quasi 4 U-Boote fast geschenkt bekommen....

13.06.2018 22:24 Peter 8

@5 Schneemann: Zu ergänzen bleibt, dass im Gegensatz zur SPD die AfD die Drohnen sofort bewaffnen will.

13.06.2018 21:29 Fragesteller 7

Zur Fußball WM, wenn alle besoffen vom Fußball und Bier sind, werden im Bundestag Gesetze mit weitreichenden Folgen verabschiedet! Das ist längst kein Zufall mehr.

13.06.2018 20:30 Brennabor 6

Als bei Frau Merkel eine Drohne vor ihrer Nase
herum flog, hat sie nur gelacht. Also alles völlig
harmlos.

13.06.2018 20:26 Schneemann 5

Kein Geld für Bildung, Straßen, Pflege. Bald kommt die Rente ab 69. Ärztenotstand auf dem Land. Usw usf. Aber Milliarden für israelische Waffen und Maschinengewehre für die Polizei. Sehr christlich und sozialdemokratisch. Die Grünen stimmen auch zu.

13.06.2018 20:05 pitti 4

Mit Drohnen lässt sich ja so bequem "einsätze" machen und zwar gleich vom Schreibtisch aus, kollateralschäden nicht ausgeschlossen,

13.06.2018 19:59 Marion 3

Ich bin entsetzt wie weit es mit Deutschland gekommen ist - statt Abrüstung werden Milliarden für neue Waffensysteme ausgegeben. Wann hat da Töten ein Ende? Hier pervertieren Interessenkonflikte ohne Rücksicht auf das Lebensrecht aller Lebewesen. Wie war das nochmal: " Du sollst nicht Töten "?

13.06.2018 15:36 Jens Horn 2

"Über die Bewaffnung selbst soll aber erst später entschieden werden. "
Übliche Taktik, wie mit der Maut. Man wird dann behaupten, diese Drohne kann ihr ganzes potential garnicht ausschöpfen.
Aber vielleicht kann man das Ding auch im Bürgerkriegsgebiet Deutschland einsetzen.
Dann ist das bestimmt eine lohnende Investition

13.06.2018 14:55 Sabrina 1

Alle Nase lang erzählt man uns, es gäbe kein Geld: Nicht für die Schulen, nicht für die Pflege oder die Kliniken und erst recht nicht für die Armen und Geflüchteten.
Über eine Milliarde für neue Tötungsgerätschaften ausgeben, mit denen "unsere Freiheit" (bzw. die des deutschen Kapitals) dann in aller Welt "verteidigt" werden soll, ist aber kein Problem. Man muss eben Prioritäten setzen.