Geburtshilfe Hebammen sollen künftig studieren

Bis Anfang nächsten Jahres soll aus dem Ausbildungsberuf der Hebamme ein Studium werden. Damit wäre Deutschland das letzte Land in Europa, in dem Hebammen studieren können. Die EU hat vorgegeben, dass die Umstellung bis Anfang 2020 erfolgt sein muss. Vor welche Herausforderungen stellt das die Länder?

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL-Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Magdalena Keller ist für die Ausbildung zur Hebamme aus Hessen nach Magdeburg gekommen. Die 20-Jährige schwärmt von ihrem Beruf – er ist ihr Traum.

Es ist ein wahnsinniges Privileg, Frauen, die Familie und das Kind während der Schwangerschaft und der Geburt [...] begleiten zu können. Zu erleben, wie die Frau zur Mutter wird, wie der Partner zum Vater wird, wie eine Familie geboren wird.

Magdalena Keller angehende Hebamme

Sachsen-Anhalt fehlt es an Hebammen

Magdalena wird ausbildungsbegleitend ein Studium aufnehmen. Das mache den Beruf attraktiver, sagt sie. Das sieht auch Cornelia Lüddemann, die Fraktionschefin der Grünen im Magdeburger Landtag, so und hofft auf mehr Hebammen-Nachwuchs durch das Studium. Sie spricht davon, dass im Land viele Hebammen fehlten. Das führe dazu, dass Geburtshilfestationen geschlossen würden – wie in Zerbst und Weißenfels.

Lüddemann erklärt, dass das eine unzumutbare Situation sei, "wenn man als werdende Mutter dasteht und niemanden hat, der einen in dieser ganz besonderen Lebenssituation adäquat betreut und begleitet."

Zusammenarbeit mit Ausbildungszentrum

Der akademische Nachwuchs soll künftig aus Halle kommen. An der Uni bereitet man schon einen dualen Studiengang vor. Dekan der medizinischen Fakultät in Halle, Michael Gekle, erklärt, dass das Ausbildungszentrum, das bisher die Hebammenausbildung übernommen habe, "Partner in diesem Studiengang wird, so dass wir dort Expertise haben".

Vergütung noch ungeklärt

Beste Voraussetzungen also in Halle. Doch auch, wenn Gekle und sein Team den Stundenplan aufgestellt und die Lehrkräfte beisammen haben, bleiben noch Fragen offen. Zum Beispiel die Vergütung, wie Hendrik Lange von den Linken anmerkt.

Denn bisher bekämen Hebammen und Geburtshelfer ein tariflich vereinbartes Ausbildungsgeld. "Das ist relativ hoch", sagt Lange. "Das liegt bei 960 Euro im ersten Lehrjahr, während das BAföG wesentlich drunter ist." Der BAföG-Höchstsatz liegt aktuell bei 735 Euro.

Ausbildung muss attraktiv bleiben

Das duale Studium könnte die Lösung sein. Unterstützung gibt es dafür vom Wissenschaftsminister Armin Willingmann, denn "der Beruf der Hebamme sollte weiterhin attraktiv sein." Deshalb dürfe die Ausbildung nicht unter der Akademisierung leiden.

Krankenkassen müssen eingebunden werden

Die 20 angedachten Studienplätze werden ungefähr 600.000 Euro kosten. Der Posten wird Teil der nächsten Haushaltsverhandlungen sein. Aber auch die Krankenkassen stehen in der Verantwortung, merkt Willingmann an.

Noch will er nichts verraten, "aber dass die Krankenkassen für uns im Fokus stehen und wir Gespräche mit ihnen führen wollen, liegt auf der Hand." Auch die Krankenkassen wollen die Gespräche abwarten. So heißt es zumindest von der Barmer in Sachsen-Anhalt vorerst: kein Kommentar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 05:00 Uhr

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11 Kommentare

19.03.2019 16:53 Anin 11

20 Studienplätze???? Es fehlen hunderte Hebammen! Wie wäre es denn mit einer anständigen bezahlung für den 24Std.Beruf? Oder mit der Abschaffung der Haftung für Geburtsfehler, noch bis 30 Jahre nach der Geburt? (Ärzte haften nur 10 Jahre). In meinen Augen sinnvoll. Wer studieren möchte, kann das ja gerne tun, aber gegen den aktuellen Mangel wird es nicht helfen. Wieder einmak geht die Politik voll am Leben vorbei.

19.03.2019 09:38 aaaaaaaaa 10

Warum muss man das studieren? Die Menschen in diesem Land verschwenden ihre Zeit. Etwas das man in drei Jahren lernen kann muss man nicht auf 5 Jahre ausdehnen. Und wozu brauch eine Hebame Abi? Brauch die Exponentailfunktionen oder Geschichtsanalysen für ihren Beruf? Das hält nur mehr Menschen ohne Abi in der Arbeitslosigkeit. Typisch deutsch. Zum kotzen.

19.03.2019 04:41 Lixic 9

Ich kenne einige Mädchen, die Hebamme werden möchten. Keines hat Abitur. Ohne Abi kein Studium. So wird der Beruf nicht attraktiver.
Die mangelnde Attraktivität liegt am Scheinselbständigkeitsgesetz und den hohen Versicherungsprämie. Gerade die Nachsorge und Begleitung der Familien wird von freiberuflichen Hebammen60 gemacht. Nur gibt es davon zu wenig. Nur ein Mann kann einen derartig von Unkenntnis strotzenden Artikel schreiben.

19.03.2019 02:01 Stern 8

Ich finde es gut. Durch die Dualität der Ausbildung kann der Beruf vertiefter erlernt werden. Zeitgleich muss er dann zwingenderweise besser entlohnt werden. Im Schnitt verdienen Akademiker beim Berufseinstieg etwa 15%mehr Bruttogehalt als diejenigen, die eine Berufsausbildung absolviert haben. Die Unterschiede nehmen mit steigender Berufserfahrung weiter zu, so dass nach mehrjähriger Berufserfahrung ein jährlicher Gehaltsvorsprung von bis zu 25%mehr brutto bei akademischen Berufen aufgebaut wird. Demzufolge müssten dann auch die Hebammen später mehr verdienen. Zu beachten bzw. Zu hinterfragen wäre hier auch, warum wir in Deutschland als letztes europ. Land darüber jetzt erst diskutieren? Haben die anderen Länder ebenfalls einen großen Hebammenmangel? Wie werden sie dort bezahlt/ausgebildet?

18.03.2019 20:43 Rumsdibums 7

Am Ende muss in Zukunft auch die werdende Mutter Babykriegen studieren. Dadurch steigt dann die Attraktivität des Babykriegens. Logisch oder?

18.03.2019 19:23 Mane 6

Ich würde auch geboren mit Hilfe einer Hebamme. Sie musste auch nicht studieren. Und jetzt drehen sie wieder alle an der Uhr.

18.03.2019 18:33 Sileb 5

Wir haben eh schon einen Hebammen Mangel... als ich schwanger war hatte ich auch keine. Ganz ehrlich es wird nicht mehr Hebammen geben, wenn man dafür auch noch studieren muss. Viel mehr sollten die Versicherungen und Arbeitszeiten angepasst werden, damit der Beruf der Hebamme wieder attraktiver wird!!

18.03.2019 15:18 Liese 4

Ich schließe mich den Ausführungen von @ böse-zunge 1 zu 100% an.
Wer kommt denn auf die verrückte Idee, es würden mehr Hebammen zur Verfügung stehen, wenn dafür ein Studium notwendig wird?
Es zeigt sich immer wieder, nicht die Ursache von Problemen wird angegangen, sondern man schafft neue Probleme.

18.03.2019 14:54 Lokalpatriot 3

Das schlägt dem Faß den Boden aus! Der ahnungslose Herr Lange sollte sich zunächst über die Modalitäten einer Bafög-Zahlung informieren, bevor er solche Unwahrheiten in die Welt posaunt: Bafög ist doch überhaupt nicht mit einer Ausbildungsvergütung einer Azubine (Hebammenschülerin) zu vergleichen, die bekommt 960 Euro im Monat, ein Student, der Bafög erhält (wenn er es erhält!) muß dies anteilig nach erfolgtem Studium zurückzahlen (max. 10000 Euro!). Eine Hebammenschülerin muss nichts zurückzahlen. Eine Akademisierung wird die Attraktivität des Hebammenberufes aus finanzieller Sicht nicht verbessern. Das Gegenteil ist der Fall! Logische Konsequenz: Es werden sich eher weniger für eine solche Ausbildung erwärmen! Im Übrigen entspricht es auch nicht der Wahrheit, dass nicht genügend Hebammen da sind, dieses Gejammere, Frau Lüddemann, kommt ausschließlich von freiberuflichen Hebammen!

18.03.2019 14:36 Sonja 2

zu DDR- Zeiten haben in diesem Beruf alle studieren müssen, wo gibt es da jetzt Probleme ?