Knapper Ausgang Landtagswahl in Hessen: CDU und SPD rutschen ab - Grüne auf Höhenflug

Die CDU hat bei der Landtagswahl in Hessen starke Verluste erlitten, bleibt aber stärkste Kraft. Die Grünen holen mit ihrem bislang besten Ergebnis die SPD als zweitstärkste Kraft fast ein. Für eine Neuauflage des schwarz-grünen Bündnisses könnte es nicht reichen. Die Regierungsbildung dürfte spannend werden.

Bei der Landtagswahl im fünftgrößten Bundesland hat die CDU eine Schlappe erlitten. Laut der aktuellen Hochrechnung rutschen die Christdemokraten auf 27 Prozent ab, bleiben aber stärkste Kraft. Damit hat die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier ihr schlechtestes Ergebnis seit 1966 eingefahren und mehr als zehn Prozentpunkte verloren.

Zweitstärkste Partei bleibt knapp die SPD von Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel, die 20 Prozent der Wählerstimmen holt - ein historischer Tiefstwert mit ebenfalls zehn Prozentpunkten Verlust.

Deutlicher Wahlgewinner sind die Grünen, die mit 19,6 Prozent ihren bisherigen Rekordwert im Land erreichen. Die Linke kommt auf 6,2, die FDP auf 7,7 Prozent. Die AfD zieht mit 13,2 Prozent der Wählerstimmen und damit als viertstärkste Kraft erstmals in den hessischen Landtag ein. Damit ist sie aktuell in allen Landesparlamenten vertreten. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,5 Prozent.

Wer mit wem - die Koalitionsoptionen

Im hessischen Landtag gibt es 121 Sitze, für eine Mehrheit sind folglich 61 Sitze nötig. Für ein von Ministerpräsident Volker Bouffier erhofftes Zweierbündnis könnte es schwierig werden. Bouffier sagte in der ARD, er habe eine klare Präferenz für eine Jamaika-Koalition.

  • Schwarz-Grün: Für eine Neuauflage reichte es bis Redaktionsschluss mit 60 Sitzen nicht.
  • Große Koalition: Für Schwarz-Rot reichte es nur knapp mit einem Sitz Mehrheit.
  • Jamaika: Eine Koalition aus CDU, Grünen und FDP wäre komfortabel mit 70 Sitzen möglich.
  • Ampel: Der Zusammenschluss von SPD, FDP und Grünen war bei Redaktionsschluss möglich, eine Mehrheit wurde mit 61 Sitzen erreicht.
  • R2G: Für eine Koalition von Grünen, SPD und Linken reichte es mit 59 Sitzen nicht.
  • eine Koalition mit der AfD wurde von allen im Landtag vertretenen Parteien ausgeschlossen.

Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen
Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen. Bildrechte: dpa

Damit deuten sich im angehenden Sechs-Parteien-Landtag schwierige Koalitionsverhandlungen an. Obwohl zuletzt mehr als die Hälfte der Hessen Umfragen zufolge zufrieden mit dem amtierenden schwarz-grünen Bündnis sind, könnte es für eine Neuauflage knapp werden. Auch für eine GroKo würde es eng, zumal Ministerpräsident Bouffier und Herausforderer Schäfer-Gümbel diese Option von vornherein nicht bevorzugten.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck sagte kurz nach der ersten Hochrechnung, die hessischen Grünen würden "sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgehen". Seine Partei sei "immer bereit, Verantwortung zu übernehmen". Es müsse nun geprüft werden, in welcher Konstellation sich am meisten grüne Politik umsetzen lasse.

Auf die Frage nach möglichen Koalitionen erklärte der SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel: "Der Ball liegt nicht bei uns im Spielfeld."

Der Blick nach Berlin

Auch wenn es aus Berlin zuletzt immer wieder geheißen hatte, die Hessenwahl entscheide nicht über die Zukunft der Großen Koalition, dürfte sie doch die SPD-CDU-Dynamik auf der Bundesebene verstärken und richtungsweisend für die Bundes-GroKo sein.

Letzten dimap-Umfragen zufolge gab die Hälfte der Befragten an, die Hessenwahl sei eine gute Gelegenheit, den Parteien der Großen Koalition im Bund einen Denkzettel zu verpassen. Auch Ministerpräsident Bouffier hatte vor der Wahl erklärt, seine Partei hafte mit für das Erscheinungsbild der Großen Koalition auf Bundesebene.

Trotz dass er nun offenbar im Amt bleiben kann, könnte das schlechte Abschneiden der CDU Auswirkungen auf die Klausur des CDU-Bundesvorstandes am 4. und 5. November haben. Dort wird der Wahlparteitag Anfang Dezember vorbereitet, bei dem sich Angela Merkel zur Wiederwahl stellt.

Auch das Ergebnis des hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel könnte sich auf die Bundes-SPD auswirken und unter Umständen den Verbleib der Sozialdemokraten in der Bundesregierung in Frage stellen.

Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles bescheinigte Schäfer-Gümbel bereits, nichts falsch gemacht zu haben. Die Schlappe der SPD gehe auf das Konto der Berliner Verhältnisse.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2018, 22:44 Uhr

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78 Kommentare

30.10.2018 20:13 Wo geht es hin? 78

@Trachauer183 - Zitat von Ihnen: "In Baden-Württemberg hat man das schon vor Jahren erkannt." Zitat Ende. Ich bin gerade von einem Bauprojekt aus BaWü wieder zurück und kann Ihnen aus 1. Hand sagen, dass die Anfangsbegeisterung erheblicher Ernüchterung gewichen ist. Glauben Sie nicht? Sie brauchen sich z. Bsp. nur mal die PISA - Studien der Jahre vor und nach den Bündnisgrünen ansehen. Und genau das wird auch in anderen Bundesländern der Fall sein, wenn die Bündnisgrünen dort mal ein paar Jahre mit an der Macht waren. Das nennt man lernen durch Erfahrung....wer nicht hören will, muss fühlen pflegte meine Oma zu sagen. Recht hatte die gute Frau!

29.10.2018 18:31 winfried an (70) und (75) 77

(70) Sie haben vergessen die bundespolitische Asylpolitik zu erwähnen.
(75) Sie haben (70) die passende Antwort gegeben.

29.10.2018 18:19 Fakt 76

@Bernd L., #75:

Aua!

29.10.2018 17:28 Bernd L. 75

Fakt:
Zu den "Verdiensten" der Grünen:
- Sie haben die Einstufung der Maghrebstaaten als sichere Drittländer immer wieder verhindert, damit können nordafrikanische Intensivtäter (Nafris) nicht abgeschoben werden.
- Sie haben in Sachen Innerer Sicherheit total versagt (Berlin, Hamburg- Beispiel Amri).
- Sie ruinieren das Bildungssystem (BaWü als Beispiel- vom Topland im Fall in Sachen Bildung).
- Sie sind technologie- und wirtschaftsfeindlich
(Kampf gegen Kohle, Diesel- kein Industrieland macht den Irrsinn mit).
- Sie hassen Deutschland (Habeck: es gibt kein deutsches Volk, daher auch keine Volksverräter).
Positives - mir fällt grad nix ein...

29.10.2018 16:35 Fragender Rentner 74

Schaut, die AfD hat keine möglichen 15% + x bekommen, sondern nur 13,1%.

Bei einer niedrigeren Wahlbeteiligung gegenüber 2013 von jetzt ca. 68%.

Damals hat sie nur ca. 4% bekommen, bei einer Wahlbeteiligung von ca. 73%.

29.10.2018 16:04 Fakt 73

>>lummox, #72:
"halten sie jeden der nicht ihrer ansicht ist für einen afd-lemming?"<<

Wie kommen Sie auf diese krude Idee? Ich kann mit anderen Ansichten und konstruktiver Kritik ehr gut umgehen. Aber ich halte jeden dafür, der der blaubraunen Truppe seine Stimme gibt. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass in -zig Dokumentationen die Vernetzung der afd mit rechtsradikalen und, was noch verwerflicher ist, mit rechtsextremen Organisationen offengelegt wurde. Hören Sie sich doch an, was die Braunen, insbesondere bei in deren eigenem Dunstkreis verdeckt mitgeschnittenen Reden, von sich geben. Wer da nicht aufwacht, muss ein sehr gutes Schlafmittel genommen haben.

29.10.2018 14:38 lummox 72

70: halten sie jeden der nicht ihrer ansicht ist für einen afd-lemming? speziell für sie und ihre weltsicht: daumen runter!

29.10.2018 13:09 Johny 71

Gestern abend gab es den Beweis, live bei Will. Der Habeck von den Grünen redet dummes Zeug und der Lindner von der FDP legte das offen.

29.10.2018 12:24 Fakt 70

>>Bernd L., #66:
"Die Grünen sind auf dem Höhenflug, weil die Medien den Bürgern eingeredet haben,"<<

Falsch! Die Grünen sind eher deshalb auf dem Höhenflug, weil offenbar immer mehr Bürger langsam mitbekommen, dass die Grünen in mehreren Bundesländern seit vielen Jahren an Regierungen beteiligt sind und im Großen und Ganzen gute und sachliche Politik machen. Aber schon schön, wie die afd-Lemminge sich aufregen und krampfhaft versuchen, Fakten zu verdrehen und irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Gründe für das Wahlergebnis suchen.

29.10.2018 11:16 Bingo 69

Warscheinlich, will man als Wähler der Grünen, nur noch zu Fuß gehen,im Bio-Laden einkaufen, im dunkeln sitzen und in einem Vielvölkerstaat mit all seinen Problemen leben. Weltfremde,Träumer...