Alleinerziehende Mutter mit Kind
Alleinerziehende haben es immer noch sehr schwer, nicht in Armut zu fallen. Bildrechte: IMAGO

Familienpolitik Was hilft Alleinerziehenden, was nicht?

In knapp jeder fünften Familie in Deutschland gab es 2017 ein alleinerziehendes Elternteil. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt bekannt. Dessen Präsident, Georg Thiel, lobte, dass die familienpolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre geholfen hätten und immer weniger Alleinerziehende armutsgefährdet seien. Doch warum ist das Risiko, in Armut zu rutschen, für Alleinerziehende trotzdem noch doppelt so hoch?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Alleinerziehende Mutter mit Kind
Alleinerziehende haben es immer noch sehr schwer, nicht in Armut zu fallen. Bildrechte: IMAGO

Vor 20 Jahren waren noch 37 Prozent aller Alleinerziehenden armutsgefährdet. Heute sind es nur noch 33 Prozent. Was das Statistische Bundesamt als Erfolg feiert, geht zurück auf eine mittlerweile ansehnliche Liste an Maßnahmen. Dazu gehört unter anderem der staatliche Unterhaltsvorschuss. Dieser wird gezahlt, wenn die Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils ausbleiben - seit einem Jahr auch, bis das Kind 18 Jahre alt ist.

Unterhaltsvorschuss - zweischneidiges Schwert

Aber der Unterhaltsvorschuss ist für Erika Bien, Vorsitzende des Verbandes alleinerziehender Väter und Mütter, ein zweischneidiges Schwert. Sie sagt: "Da gibt es eine mehr oder weniger kleine Gruppe, die davon nicht profitieren kann. Nämlich all die Familien, die etwas mehr als die 600 Euro Netto-Einkommen haben. Diejenigen, die mehr haben, für die ist das gut. Für die anderen ist es nicht gut."

Denn einkommensschwache Familien mit nur einem Elternteil haben ohne Unterhaltsvorschuss einen Anspruch auf Wohngeld oder auch einen Kinderzuschlag. Außerdem können sie vom Bildungs-  und Teilhabe-Paket profitieren, wodurch beispielsweise Klassenfahrten finanziert werden.

Diese unterstützenden Maßnahmen können mit dem Unterhaltsvorschuss  wegfallen. Dadurch kann es passieren, dass einkommensschwache Familien unterm Strich finanziell schlechter dastehen, sagt Biehn. Trotzdem lobt sie die Entwicklung in der Familienpolitik. Alle Maßnahmen müssten jetzt nur konsequent zu Ende gedacht werden.

Am besten hilft ein Job gegen Armut

Der sicherste Weg aus der Armutsgefährdung bleibt eine Anstellung. Seit 2011 gibt es deshalb in jedem Jobcenter einen Beauftragten für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt.

Ein Kunde geht durch die Tür eines Jobcenters
Jobcenter helfen auch bei Suche nach Betreuungsplatz. Bildrechte: dpa

Christian Veil, Pressesprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, erklärt dessen Aufgaben: "Wenn ein Alleinerziehender ins Jobcenter kommt und sagt, ich habe große Probleme, dass mit der Kinderbetreuung hinzubekommen und ich finde auch deswegen keinen Job, dann kann in diesem Jobcenter eine Mitarbeiterin diesen Kunden oder diese Kundin an die Hand nehmen."

Gemeinsam gehe es dann zur jeweiligen Kommune, um einen Betreuungsplatz für das Kind zu erfragen, damit der Job oder die Ausbildung beginnen könne.

Flächendeckende Kinderbetreuung nötig

Dafür müsste allerdings auch die Kinderbetreuung flächendeckend und flexibel gewährleistet sein. Denn Frauen arbeiten besonders häufig im Dienstleistungsbereich mit Schichtsystem und Wochenendarbeit. Eine flexible, also auch späte, Kinderbetreuung bietet kaum eine Kita an.

Dabei könne der Fachkräftemangel eine Chance für alleinerziehende Frauen auf dem Arbeitsmarkt sein, sagt Veil. "Was jetzt auch immer wichtiger wird, ist die Beratung von Arbeitgebern. Viele Arbeitgeber in Mitteldeutschland sind ja Mittel- und Kleinunternehmer, die keine eigene Personalabteilung haben. Da packt der Chef noch selber an. Die beraten wir und sagen, was für Arbeitszeitmodelle es gibt." Es gebe Vorschläge, ob sich die Arbeitgeber die Einführung einer "Muttischicht" vorstellen könnten. Aufgrund des Fachkräftemangels sei diese Beratung wichtig.

Der Fachkräftemangel könnte tatsächlich eine Chance werden für alleinerziehende Frauen. Vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen, wie eine gesicherte Kinderbetreuung, passen sich an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2018 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2018, 07:12 Uhr

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10 Kommentare

03.08.2018 21:54 Kritischer Bürger 10

@Happydiner 6: +...Jetzt ist seit einigen Monaten ein alleinstehender ein junger Mann mit Kind 7J. bei Ihr eingezogen, der bekommt ebenfalls Harzt4 und Wohngeld noch für seine Wohnung. ...+
Zusammen hätten nach Ihren Ausführungen dann die vier Personen einen Betrag von 1.340 €/monatl. zur Verfügung. Was kann man sich mit diesem Betrag als 4-Personen-Haushalt dann wohl leisten? Nicht viel!
Wenn der junge Mann Wohngeld bezieht für seine Wohnung, dann müssten davon die Nebenkosten beglichen werden, denn diese trägt, unter den Umständen, das betreffende Jobcenter NICHT! Somit also nur die Grundmiete für betreffende Wohnung.

Das nur mal so als betreffende zusätzliche Info!

03.08.2018 20:25 Kritischer Bürger 9

Nachsatz zu Kom.8: Sollte die Frau ggf.noch Unterhalt in der Höhe von 102€/monatl. beziehen bekommt das Kind KEINE LEISTUNGEN nach SGB!! Sollte es mehr sein als die Summe wvg. wird ggf. auch bei den 374 €/monatl. für die Mutter gekürzt! Also mit 670€/monatl. besser dazustehen statt zu arbeiten,das bleibt damit dann wohl Ansichtssache!

03.08.2018 19:17 Kritischer Bürger 8

@Happydiner 6: Also hilft Alleinerziehenden das zusammenziehen&trotzdem 2 Wohnungen haben. Also ich würde einschätzen (und das nicht aus oberflächlicher Erkenntnis) diese Frau macht es sich zu leicht davon zu sprechen,das es ihr mit HartzIV besser gehen würde als mit Arbeit. Kommt aber letztendlich auf die Entlohnung aus der Arbeit an&ob diese Frau nur Jobtätigkeiten sieht. Mögen die Gründe vielschichtig sein, angefangen bei (k)ein Facharbeiter bis runter zur Schulbildung. Muss ja früher nicht die beste Schüler in diesem Bereich gewesen sein! Nur wer dann meint das bei Mutter/Kind = 2 Personenbedarfsgemeinschaft grundlegend eine Leistung von 374 €/monatl. für die Frau und für ein Kind (0-6Jahre) 240€/monatl. (6 bis unter 14Jahre) 296 €/monatl. besser als Arbeit wäre..... naja.
Wichtig wäre auch das Kindergeld,wie Unterhalt hier ALS EINKOMMEN für das Kind & bei Bedarfsgemeinschaft mit angerechnet wird.
296€/mon.ALGII - 194€/mon.KG = 102€ Leistungsbezug für das Kind! Also ges.670 €!

03.08.2018 15:09 Wolpertinger 7

@03.08.2018 10:55 Happydiner
Die beiden haben die richtige Einstellung, um Topmanager eines DAX Unternehmens zu werden.

03.08.2018 10:55 Happydiner 6

Im Nachbarn Haus wohnt seit vielen Jahren eine junge Frau mit Kind 9J.Der Vater zahlt Unterhalt. Sie sagt, sie kommt mit Hartz4, Kindes und Ehegattenunterhalt besser, als wenn Sie arbeiten ginge. Jetzt ist seit einigen Monaten ein alleinstehender ein junger Mann mit Kind 7J. bei Ihr eingezogen, der bekommt ebenfalls Harzt4 und Wohngeld noch für seine Wohnung. Sie sagt, man muss den Behörden ja nicht alles melden. Die Kinder sind bis nachmittags in der Schule und beide Alleinstehende machen es sich ohne Arbeit gemütlich.

03.08.2018 10:20 Fragender Rentner 5

Es gibt schon wirklich viele Arme unter ihnen.

Wenn man aber so einige Sendungen im Fernsehen anschaut da lassen es einige wirklich darauf ankommen, dass sie Unterstützt werden von Vater Staat.

03.08.2018 10:06 Hartzer Roller 4

Aaaaaaaaaaaja, der "Job" ist also das beste. Na gut, rechnen wir mal. Kita all inklusive 250 Euro, Miete, Strom, Nebenkosten, GEZ, voller Eintrittspreis überall, Fahrtkosten und und und und und -> bei sagen wir mal 1500€ netto. Ich weiß, verdient kaum eine Frau hier, aber nur mal angenommen. Da hartz ich lieber!!!!!!!!!!!!!

03.08.2018 07:57 Carolus Nappus 3

Die flächendeckende Kinderbetreuung ist in der Tat der beste Ansatzpunkt. Natürlich auch zu Zeiten, wo normale Menschen arbeiten gehen. Maßstab sollten also nicht die Bürozeiten in den Ämtern sein. Dann noch kostenlose Verpflegung (für alle) und man könnte sich viel Aufwand auf beiden Seiten sparen.

03.08.2018 07:25 kleinerfrontkaempfer 2

Glaube nur der Statistik die du selbst gefälscht hast => Winston Churchill.

03.08.2018 05:44 Amt zur Überwachung humanitärer Hilfe 1

warum werden immer nur blonde Mütter und blonde Mädchen gezeigt?

was ist mit alleinerziehenden Männern?

Was ist mit alleinerziehenden den Männern oder Frauen mit Migrationshintergrund?

Was ist mit blonden (deutschen!?) Frauen die ein Kind mit afrikanischen Wurzeln zeigt?

Auch diese haben Rechte!