Logos von CDU und SPD auf Bänder.
Die GroKo steht, die Ministerposten sind vergeben. Doch welche Qualifikation muss ein Minister mitbringen? Bildrechte: IMAGO

Bundesregierung Neuer Job Bundesminister - Das sind die Voraussetzungen

Nach dem Votum der SPD-Mitglieder war klar, dass eine Große Koalition das Land regieren wird. Nun haben die Koalitionspartner auch erklärt, welcher Politiker welches Ministerium leiten wird. Es gibt dabei einiges zu bachten. Steffen Sowa fragt, nach welchen Kriterien werden Minister ausgewählt? Müssen die Politiker, ähnlich wie in der freien Wirtschaft, eine Qualifikation nachweisen?

von Cecilia Reible, Hauptstadtkorrespondentin für MDR AKTUELL

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Die GroKo steht, die Ministerposten sind vergeben. Doch welche Qualifikation muss ein Minister mitbringen? Bildrechte: IMAGO

Ganz egal, welche Parteien die Bundesregierung bilden – die Auswahl der Minister und Ministerinnen ist für die Parteichefs alles andere als einfach. So muss die Mischung stimmen: Mann/Frau, Jung/Alt, Nord/Süd/West/Ost müssen angemessen im Kabinett vertreten sein.

Everhard Holtmann, Politologe
Politikwissenschaftler Everhard Holtmann. Bildrechte: dpa

Dieser Proporz hat durchaus seine Berechtigung, meint der Politikwissenschaftler Everhard Holtmann von der Universität Halle-Wittenberg. "Man kann nicht auf der einen Seite fordern, dass Politik sich gefälligst zu verjüngen habe", sagt er, "dass man die Unterrepräsentation von Frauen in politischen Führungsämtern korrigiert und auf der anderen Seite sagen, über Proporz reden wir nicht."

Klöckner erfüllt gleich zwei Kriterien

Julia Klöckner, die künftige Landwirtschaftsministerin, erfüllt gleich zwei Proporzkriterien: Sie ist weiblich und noch relativ jung. Erfahrungen als Ministerin hat sie zwar noch nicht, aber das sieht sie gelassen. Klöckner sagt: "Politik ist auch ein Handwerk. Ich selbst war ja Staatssekretärin im Bundesagrarministerium, 2009 – 2011, und war zuvor auch Mitglied im Agrarausschuss, also neun Jahre lang. So ein bisschen hat man schon was mitbekommen."

Ministerium gut organisieren

Eine von Klöckners Amtsvorgängerinnen im Agrarressort ist Renate Künast – Juristin, keine Bäuerin. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete meint, ein Minister sollte sich für sein Ressort interessieren, sein Haus gut organisieren und vor allem strategisch denken können. Künast weiter: "Der Landwirtschaftsminister muss nicht selber die Milch aus der Kuh kriegen, sondern muss die Situation der Milchbauern verstehen und verstehen, wie die Struktur ist."

Das sieht auch Wolfgang Merkel so. Er ist Politologe an der Berliner Humboldt-Universität und sagt:

Ein Minister muss in der Lage sein, größere Organisationen, in dem Fall Verwaltungen, zu führen. Er sollte eine Persönlichkeit haben, die seinen Mitarbeitern suggeriert: Da ist jemand, der kann das.

Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler

Nicht nur Fachwissen wichtig

Von der immer wieder geäußerten Idee, bei der Ministerauswahl statt aufs Parteibuch stärker auf das Fachwissen zu gucken, hält Merkel nicht viel und begründet: "Interessenkonflikte stehen hier nur so vor der Tür, das sollte eher vermieden als betrieben werden."

Regionalproporz

Besonders wichtig bei der Auswahl von Bundesministern ist auch der Regionalproporz. Dabei kommt es darauf an, wie mächtig die jeweiligen Landesverbände der Parteien sind, die die Regierung bilden. Im bevölkerungsreichen NRW haben CDU und SPD besonders viele Mitglieder. Deshalb ist eine große Koalition ohne mindestens zwei Minister aus Nordrhein-Westfalen kaum denkbar.

Ostdeutschland

Gegenbeispiel Ostdeutschland: Hier leben weniger Menschen, die Landesverbände der Parteien sind klein und haben weniger Einfluss. Einzige Ostdeutsche im neuen Kabinett – außer der Kanzlerin – wird die SPD-Politikerin Franziska Giffey sein.

Durchsetzungskraft und strategisches Denken

Sie sei jedoch keinesfalls ein Alibi-Ossi, meint der Hallenser Politologe Holtmann und sagt: "Frau Giffey hat sich in diesem bekanntermaßen schwierigen Umfeld der Hauptstadt Berlin mit ihren eigenen Strukturproblemen ja doch als eine kompetente, tatkräftige Frau in diesem Job als Bezirksbürgermeisterin erwiesen."

Tatkraft, Durchsetzungsstärke und strategisches Denken – diese Fähigkeiten sind es, die ein Minister in erster Linie braucht. Beweisen muss er oder sie sich dann sowieso in der Praxis.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2018 | 07:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2018, 07:25 Uhr

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12 Kommentare

13.03.2018 14:13 Helmut 12

Minister kann jeder werden auch der gute Mediator der wunderbare Kommentare die man versteht zu 100 % schreibt, wer schlägt den für den Bundestag vor von uns .................... er ist ein ausgezeichneter Braunbär.

13.03.2018 13:57 Max Mustermann 11

Schade, das der Einzug
in ein Bundesministerium
offensichtlich nicht nur
dienstlicher sondern auch
privater Natur sein kann.

12.03.2018 14:52 nasowasaberauch 10

Minister kann jeder der/die:
-rhetorisch begabt ist
-Führungsstark und von sich überzeugt ist
-das richtige Parteibuch hat
-gut vernetzt ist

Karl Josef Fischer ist dafür ein gutes Beispiel.
Fachliche Kompetenz wäre für mich die wesentlichste Voraussetzng, aber ist laut Merkel zur Vorbeugung von "Interessenkonflikten", man kann auch Lobbyarbeit dazu sagen, nicht so wichtig. Ein Armutszeugnis für die moralische Integrität unserer Minister.

12.03.2018 13:15 dmehl 9

Fr. Giffey ist meiner Meinung nach nicht die geeignete Person für Ihre Position und steht keinesfalls für die östlichen Bundesländer:
wo in Städten und Regionen in den östlichen Bundesländern gibt es den Zustände wie in Berlin-Neukölln ?
Rechnet man etwa seitens der Bundesregierung damit, das es zumindest in größeren Städten in den östlichen Bundesländern in den nächsten 4 Jahren Zustände wie in Berlin-Neukölln geben könnte ?
Wieviel Prozent der Bevölkerung der östlichen Bundesländer möchte in Verhältnissen wie in Berlin-Neukölln leben ?
Gefragt wären in der neuen Bundesregierung Politiker, die verhindern, das Zustände wie in Berlin-Neukölln erst entstehen oder zumindest diese beseitigen, nicht aber Politiker, die sich mit solchen Zuständen zu engagieren versuchen.

12.03.2018 10:31 REXt 8

Wo zum Bsp. hat sich Fr. Giffey im Berliner Problembezirk durchgesetzt? Die Ar. Clan s agieren froh u. munter weiter, wie z. Bsp. in MV, wo eine Polizist mit Polizeischutz leben muß, da er ein Clanmitgl. nach Einbruch u. Angriff auf seine Person, erschossen hat, Polizisten im Polizeipräsidium massiv von den Clanmitgl. aus Berlin bedroht wurden? Wo bleibt da die Durchsetzungskraft?

12.03.2018 09:15 Lyriklümmel bei YouTube 7

Ich vermute: Sehr wichtig im politischen Geschäft ist auch Inkompetenzkompensationskompetenz.

12.03.2018 08:51 Bernd L. 6

Die wichtigste Voraussetzung für eine Ministeramt fehlt : Fachkompetenz. Das ist bei den meisten leider Fehlanzeige- Frau Klöckner hat Politik und Theologe studiert (Landwirtschaft?), Frau vd Leyen ist Medinzinerin (Militärwissenschaft, Armeedienst?), Frau Karlicek ist Holtelfachfrau, hat Fernstudium (Bildungsministerin?)- Liste kann man fortsetzen.

12.03.2018 08:13 Wachtmeister Dimpfelmoser 5

Das sind die Voraussetzungen: Beziehungen und das Hineinpassen in die uns aufoktroyierten und völlig irrelevanten Kastensysteme unserer Zeit. Ich spare es mir, sie aufzuzählen.

12.03.2018 08:12 pkeszler 4

Was muss ein Bundesverkehrsminister wissen?
Schon die beiden Vorgänger kamen aus der CSU und beide haben als Verkehrsminister nichts auf die Beine gestellt, weil sie von ihrem Job keine Ahnung hatten. Ich befürchte, dass es uns mit dem 3. wieder so ergehen wird. Dabei ist jetzt gerade das Problem für die Dieselfahrer ganz besonders wichtig.

12.03.2018 08:05 colditzer 3

"Dieser Proporz hat durchaus seine Berechtigung, meint der Politikwissenschaftler Everhard Holtmann von der Universität Halle-Wittenberg."
Politikwissenschaftler werden der Allgemeinheit als überkluge Menschen dargestellt.
Glaubt man den Medien nicht, diesen Alleswissern soll man glauben, unbedingt.
Und wenn man sich im Artikel noch durchringt zu schreiben..."Tatkraft, Durchsetzungsstärke und strategisches Denken – diese Fähigkeiten sind es, die ein Minister in erster Linie braucht. "
Dann weiß man, fachliche Kenntnisse sind nicht notwendig.
Hoffentlich erwischt der Artikelschreiber bei der nächsten Operation keinen Bäcker.