Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag
Björn Höcke ist eine zentrale Figur des völkischen "Flügel" - dem Bündnis der Rechtsaußen innerhalb der AfD. Bildrechte: dpa

Wirbel um ZDF-Interview Höcke droht Journalisten mit "massiven Konsequenzen"

Der Abbruch eines ZDF-Interviews mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke zieht Kreise. Nach Drohungen Höckes gegen Journalisten veröffentlichte der Sender das Gespräch. Der Journalistenverband verteidigte das Vorgehen des ZDF.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag
Björn Höcke ist eine zentrale Figur des völkischen "Flügel" - dem Bündnis der Rechtsaußen innerhalb der AfD. Bildrechte: dpa

Das ZDF hat dokumentiert, unter welchen Umständen der AfD-Politiker Björn Höcke ein Interview mit dem Sender abgebrochen hat. Das Interview über die Sprache und Wortwahl des thüringischen AfD-Landesvorsitzenden hatte der ZDF-Journalist David Gebhard am vergangenen Mittwoch für die "Berlin direkt"-Sendung geführt. Der Sender veröffentlichte im Internet die 17 Minuten lange Aufzeichnung sowie eine Mitschrift.

Höcke "stark emotionalisiert"

Höcke war in dem Interview mehrfach mit eigenen Aussagen und Parallelen zur NS-Terminologie konfrontiert worden. Er erwiderte: "Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was eine NS-Diktion, was NS-Sprache ist." Seine Kritiker seien "Stellenmarkierer", sie wollten "kontaminieren, was angeblich nicht mehr sagbar ist".

Im Verlauf meldete sich aus dem Hintergrund AfD-Medienberater*) Günther Lachmann und verlangte, die Aufzeichnung neu zu starten. Der Interviewer habe Höcke mit nicht abgesprochenen Fragen konfrontiert, "die ihn stark emotionalisiert haben". Das sei unfair und sollte so nicht im Fernsehen gezeigt werden.

"Das hat massive Konsequenzen"

Als das ZDF-Team das Ansinnen ablehnt, kommt es zu einer minutenlangen verbalen Auseinandersetzung, an deren Ende Höcke das Interview abbricht und droht: "Passen Sie auf, dann haben wir ein manifestes Problem. (...) Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat." Als Gebhard fragt, ob das eine Drohung sei, erwidert Höcke, das sei "nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin". Dann ergänzt er:

Wir wissen nicht was kommt. ( ... ) Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein.

AfD-Politiker Björn Höcke beim Abbruch seines Interviews im ZDF

ZDF-Chefredakteuer: "vorbildliches interview"

ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärte, Höcke sei nicht vorgeführt worden. Es sei ein "vorbildliches Interview" gewesen. Das ZDF habe den Auftrag, sich auch mit der AfD auseinanderzusetzen. Wenn die Partei rote Linien überschreite, müsse man darüber berichten. Zu Höckes Aussage über mögliche Konsequenzen reagierte Frey gelassen. Es stelle sich die Frage, ob die AfD hinter Höcke stehe.

Journalisten-Verband verteidigt ZDF

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, erklärte, Höcke habe "ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im Allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im Besonderen aufgeschlagen". Es sei völlig richtig gewesen, dass sich Gebhard nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinn weichzuspülen.

Herr Höcke hat die Schwelle von der Demokratie zu faschistischen Fantasien überschritten.

DJV-Chef Frank Überall

Weitere Reaktionen:

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch twitterte, es sei Aufgabe von Journalisten, Politikern auch unbequeme Fragen zu stellen.

SPD-Politiker Karl Lauterbach:

Der Thüringer Grünen-Fraktionschef Dirk Adams:

Volker Wissing, FDP-Chef Rheinland-Pfalz:

*) In einer früheren Version hatten wir von "AfD-Sprecher" Günther Lachmann gesprochen. Richtig ist vielmehr, dass Herr Lachmann bei der Fraktion der Thüringer AfD als Kommunikations- und Medienberater tätig ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 09:50 Uhr

439 Kommentare

ralf meier vor 4 Wochen

Sie fragen: '. Was bitte sollen massive Konsequenzen in der vertraulichen Zusammenarbeit zwischen Politiker und Journalist sein? '.

Also es ging Herrn Höcke zunächst einmal nicht um eine von vielen Bürgern beklagte 'Kumpanei' zwischen '(etablierten) Politiker/innen und den (System)-Medien'. Worum es Herrn Höcke geht
können Sie ab Minute 12 im Interview von Herrn Höcke erfahren.
Hier nur ein Zitat: 'Sie sind doch als öffentlich rechtlicher Sender stark in der Kritik . Sie spüren doch, wie grad in diesem Land was erodiert..'
Ich empfehle auch ihnen, sich dieses bemerkenswerte Interview anzuschauen.


Simone vor 4 Wochen

Man muss sich nicht künstlich dumm stellen was die Interpretation solcher Worte angeht. Die Worte sind auch durchaus austauschbar, doch der Sinn bleibt.

Letztendlich geht es darum seine Anhängerschaft weiter zu fanatisieren und auf einen Tag der Abrechnung einzustimmen.

Höcke hätte da auch sagen können, dass nach der Machtergreifung mit den Volksschädlingen gründlich aufgeräumt wird und nach der Endlösung dieser Frage niemand mehr lachen wird. .... Da Höcke nicht ganz so dumm ist kleidet er solche Aussagen in etwas weniger harsch und zur Not doppeldeutige Formulierungen.

Simone vor 4 Wochen

Lieber Ekkehard,

hier schäumt doch niemand der die Art und Weise kritisiert, wie Höcke dieses Interview beendet hat und anschließend dem Journalisten gedroht hat. Im Gegenteil es werden kluge Argumente vorgebracht, warum so etwas in einer Demokratie unangebracht ist. Solch ein Thema produziert selbstverständlich eine Vielzahl an Meinungen von denen viele durchaus in einem legitimen Spektrum liegen. Also worüber regen sie sich auf.

Wenn sie so tun, als verwende Höcke nicht bewusst Begriffe die in der NS-Zeit mit sehr eindeutigen negativen Konnotationen versehen wurden, dann sind sie naiv oder schlicht ignorant. Warum Höcke diese Begriffe verwendet, dass wäre eine weitere ausufernde Diskussion wert.

PS: Über was redet man bei Höcke? Nicht über Sachthemen zu denen er sich bewusst kaum äußert, sondern über seinen NAZI-Slang. Auch so kann man vermeiden, dass die AfD Farbe bekennen muss für was sie eigentlich realpolitisch steht.