Ein Flüchtling kommt nach seiner Registrierung aus der Erstaufnahmestelle in Suhl
Ein Flüchtling kommt nach seiner Registrierung aus einer Erstaufnahmestelle. Viele Menschen können sich dabei nicht ausweisen. Bildrechte: dpa

BAMF 60 Prozent der Asylbewerber können sich nicht ausweisen

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tod eines Deutschen in Chemnitz laufen. Sie haben aber schon jetzt erhebliche asylrechtliche Probleme offengelegt: So gibt es Unklarheiten über die Identität der Tatverdächtigen. Einer konnte im Asylverfahren nur gefälschte Dokumente vorlegen, der andere hatte überhaupt keine Papiere. Ist das die Ausnahme oder eher die Regel?

von Matthias Reiche, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Ein Flüchtling kommt nach seiner Registrierung aus der Erstaufnahmestelle in Suhl
Ein Flüchtling kommt nach seiner Registrierung aus einer Erstaufnahmestelle. Viele Menschen können sich dabei nicht ausweisen. Bildrechte: dpa

Nach dem Fall des im Februar 2017 gefassten falschen Syrers Franco A. hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge technisch und personell aufgerüstet. Das zahlt sich aus. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden in Asylverfahren 1.071 gefälschte Identifikationsdokumente sichergestellt - ein deutlicher Anstieg. 

Eleonore Petermann, Sprecherin des Bundesinnenministeriums, erklärt dies mit einem neu eingeführten, dreistufigen Verfahren, bei dem die BAMF-Außenstellen in einer so genannten Vorprüfung der Dokumente eventuelle Verdachtsmomente feststellen.

Profis überprüfen ganz genau

Petermann sagt: "Sollte das der Fall sein, geben sie sie weiter an ein Prüfzentrum." Dort werde noch einmal festgestellt, ob die Manipulationsvorwürfe bestehen können. "Sollte festgestellt werden, dass diese Verdachtsmomente sich erhärten, dann wird das ganze weitergeschickt an die Urkundensachverständigen im BAMF und diese Sachverständigen überprüfen dann gerichtsfest und mit hoher Fachkompetenz die Echtheit der Dokumente."

Allerdings konnten auch die Experten allein in den ersten drei Monaten 2018 bei insgesamt 2.586, zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogenen Dokumenten, keine klare Bewertung über eventuelle Manipulationen abgeben. Deshalb kann man auch nicht verlässlich sagen, ob vor allem afghanische und syrische Papiere gefälscht werden - wonach es auf den ersten Blick aussieht.

Ausweis nur bei 40 Prozent der Flüchtlinge 

Deutlich problematischer ist ohnehin, dass die meisten Asylsuchenden völlig ohne Papiere kommen. Ende September 2016 hatte das BAMF mitgeteilt, dass nur zirka 40 Prozent der Flüchtlinge bei Asylantragstellung ein Identifikationsdokument vorlegen können.

Petermann erklärt, dass diese Situation fortbestehe. Statistische Zahlen gebe es nicht, nur Einzelschätzungen. Diese legten aber das Bild nahe, "dass nach wie vor nur zirka 40 Prozent der Asylsuchenden über Papiere verfügen. Das heißt aber nicht, dass man völlig ohne Information ist. Es gibt die Möglichkeit auf andere Wege an Informationen zu gelangen. Das Ganze stützt sich auf mehrere Quellen, die dann eine Gesamtbewertung zum Schluss ermöglichen." 

Handy auslesen

So kann man unter bestimmten Umständen bei Personen ohne Papiere das Handy auslesen lassen. Auch werden in den Verfahren Dialekterkennungsprogramme eingesetzt. Ohnehin macht es wenig Sinn, alle Flüchtlinge unter Pauschalverdacht zu stellen, doch muss davon ausgegangen werden, dass sich möglicherweise nicht wenige im Land aufhalten, die bei ihrer Ankunft falsche Angaben gemacht haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. September 2018 | 06:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 07:38 Uhr

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98 Kommentare

14.09.2018 18:06 Querdenker 98

Zitat: „60 Prozent der Asylbewerber können sich nicht ausweisen“

Die wissen doch bis heute in sehr vielen Fällen noch nicht, wer eigentlich in unser Land gekommen ist. Und die Spitze des Eisberges sieht man dann oft, wenn es zu Gewalttaten kommt oder wenn Sozialbetrug auffliegt.

siehe „ndr Elf Identitäten: Haftstrafe für Asylbewerber“

Selbst politische Flüchtlinge, für die eigentlich das Asylrecht in erster Linie da sein sollte, verlassen ggf. Deutschland aus Angst davor, wer hier so herum läuft.

siehe „fokus Terrorismus Jesidin beklagt mangelnde Zusammenarbeit mit Ermittlern“

Hinzu kommen die vielen in Deutschland untergetauchten Menschen.

siehe „welt Ohne Behördenkontakt: In Deutschland werden Hunderttausende Untergetauchte vermutet“

Zitat: „Fachleute schätzen, dass die Zahl der hierzulande untergetauchten Ausländer ohne Behördenkontakt in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Es könnten bis zu 520.000 Menschen sein – darunter viele abgelehnte Asylbewerber.“

14.09.2018 16:25 ein schon länger in Deutschland lebender 97

@Eulenspiegel 84

da kann ich ihnen nur beipflichten, wer aus der Hölle kommt darf nicht in die Hölle zurückgeschickt werden,
-und wird es auch nicht!

wer aber nicht aus der Hölle kommt und nur das Sozialsystem in Deutschland schick findet, hat hier keinen Anspruch und muss zurückgeschickt werden.

Da sind wir uns ja mal einig. Danke

14.09.2018 15:52 Fragender Rentner 96

Wie kann das fuktionieren, erst können sie sich nicht ausweisen und nun aber klagen können?

Wie paßt das zusammen, wenn man keine Papiere hat?

14.09.2018 15:01 ein schon länger in Deutschland lebender 95

eigentlich müssten alle, ausnahmslos alle die ohne Ausweis einreisen und nicht lückenlos ihre Identität nachweisen können eingesperrt werden, bis ihre Identität geklärt ist.

da sollte sich jeder mal die Frage stellen warum dieser Personenkreis nicht möchte das seine Identität geklärt wird.

14.09.2018 13:31 Wie bestellt -so geliefert 94

ja genau Eulenspiegel@84 mehr habe ich von ihnen auch nicht erwartet. Mit Betrügern auf eine Stufe stellen, sehr Aufschlussreich!

14.09.2018 13:22 Eulenspiegel 93

Hallo winfried 86
Er war bemüht einen knallharten Kommentar zu schreiben den alle umhaut. Nur ihm fehlten die Argumente darum wurde es nur ein komischer Witz.
Ich denke dazu:
Die BRD ist seit vielen Jahrzehnten ein freiheitlich, demokratischer und weltoffener Staat und das wird unser Deutschland auch bleiben. Und ich finde es gut so das in meiner Nachbarschaft nicht nur Deutsche leben. Und ich habe Freunde und Bekannte aus der ganzen Welt und einen Einblick in ihrer Kultur. Weiter denke ich das hier niemand festgehalten wird und niemand wurde in diese BRD gezwungen.

14.09.2018 11:54 Montana 92

13.09.201800:06 winfried an Jochen (73) :
>>Was haben wir nur verbrochen, das wir solche Volksvertreter haben ?<<
Die Volksvertreter wurden von "uns" gewählt.
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Es gibt immer noch solche Leute die die Altparteien wählen. Und was kommt am Ende dabei raus ? Nichts. Aber auch Garnichts.

14.09.2018 10:50 Hant... 91

@80...Vollkommen richtig. Der Inhalt sollte unserer Führung bereits aus der Vergangenheit bekannt sein.

14.09.2018 10:20 Ekkehard Kohfeld 90

@ Kulenspiegel 84 Also wäre ich jemand den es gelungen ist der Hölle zu entkommen und dabei sein Leben riskiert hat dann hätte ich wahrscheinlich auch keine Papiere bei mir.##Das glaube ich ihnen unbesehen,wer Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis hat sogar vergisst was er Stunden vorher geschrieben hat,vergisst auch seine Papiere.

14.09.2018 10:18 HERBERT WALLASCH, Pirna 89

Wem soll diese Einsichten noch überraschen, nur weil es von Oben nun angesprochen wird, getrieben von Wahlen, ist es auch für den Normalbürger offen aussprechbar, ohne sofort in die rechte Ecke getstellt zu werden. Andere , die dies schon vor Jahren ansprachen werden immer noch stigmatisiert!