ifo-Institut Nur wenige im Osten profitieren von Grundrente

Die Koalitionsspitzen atmeten sichtlich auf, als sie ihren Kompromiss zur Grundrente vorstellten. Von der Opposition kam dagegen heftige Kritik. Nun äußert sich auch das ifo-Institut - mit Zweifeln an der Wirksamkeit.

Seniorin zählt Kleingeld im Portemonnaie.
Nach Schätzung des Dresdner ifo-Instituts könnten nach den derzeitigen Grundrente-Plänen etwa 300.000 Menschen davon profitieren. Bildrechte: imago images/Joko

In Ostdeutschland werden nach Einschätzung des Dresdner Ifo-Instituts nur wenige Menschen von der geplanten Grundrente profitieren. Vize-Chef Joachim Ragnitz sagte MDR AKTUELL, gerade im Osten gebe es nur wenige Menschen, die die Voraussetzung von 35 Jahren erfüllten. Viele hätten eine von Arbeitslosigkeit unterbrochene Erwerbsbiographie. Die Zeiten der Arbeitslosigkeit zählten aber nicht.

Joachim Ragnitz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Altersarmut wird hier wahrscheinlich ziemlich hoch sein, weil viele Leute diese unterbrochenen Erwerbsbiografien gehabt haben und die kriegen von der Grundrente nichts.

Joachim Ragnitz Vize-Chef des ifo-Instituts

Ragnitz verwies zudem auf ungerechte Situationen, die mit den derzeitigen Plänen entstehen können. Wer etwa 35 Jahre lang in Teilzeit gearbeitet habe, erhalte die Grundrente - wer 30 Jahre lang in Vollzeit gearbeitet habe, jedoch nicht.

Genaue Zahlen gibt es bisher nicht. Ragnitz schätzt, dass in Mitteldeutschland etwa 300.000 Menschen Anspruch auf die künftige Grundrente haben könnten.

Noch muss der Kompromiss aber noch in ein konkretes Gesetz ausformuliert werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil kündigte bereits einen Spielraum bei der Grenze von 35 Beitragsjahren an. Am Montag hatten die Oppositionsparteien die Pläne der Großen Koalition heftig kritisiert. Auch der Wirtschaftsflügel der CDU und mehrere Parteilinken der SPD zeigten sich enttäuscht über den Kompromiss.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. November 2019 | 07:05 Uhr

65 Kommentare

Wessi vor 28 Wochen

Das ist falsch.Im Osten leben 16% des Volkes, aber 300.000 also 20% der von Experten geschätzten 1,5 Mill..Und es gibt wohl viele Menschen im Osten, die 35 Jahre voll haben.Warum machen Sie den Osten schlecht?

Wessi vor 28 Wochen

Danke für diese höchst inhaltlich fundierte Antwort,Sie zeichnet den Willen auf, daß man mit AfD-Menschen ernst nehmen muß, mit ihnen redet+sie nicht einfach ignoriert.Danke für einen konstruktiven Beitrag zur Bereicherung der Diskussion.Da muß ich schon sagen: user wie "wo geht es hin" mit dem ich vielfach völlig über quer bin, gibt immerhin etwas worüber ich gerne auch einmal nachdenke, denn Diskussion bedeutet Inhalt+nicht irgendetwas, pardon, schlagwortartig "Hingerotztes".

Noch mehr Bereicherung vor 28 Wochen

Wie immer, wer hat uns verraten, die Sozialdemokraten. Wer Vollzeit für wenig Kohle gearbeitet hat ist der Dumme, und das sind viele im Osten!
Deshalb sollen auch nur halbtagsbeschäftige mit mindestens 35 Jahren eine Grundrente bekommen, und das sind nicht viele.
Ergo, man hätte nur halb so viel arbeiten sollen und bekommt somit eine höhere Rente, als mit Vollzeit bei wenig Lohn.
Das soll gerecht sein?
Wer hat uns verraten die Sozialdemokraten, wie immer unter Federführung von Mama Merkel der CDU. Aber Milliarden für Fremde die nie und nie einzahlen werden.
Wann sind Wahlen?
Nicht vergessen, wo man sein Kreuz macht.