Das Formular der Einkommensteuererklärung und zwei 50-Euro-Scheine liegen auf einem Tisch
Der Bundesrechnungshof erwartet bei einer höheren Prüfquote Mehreinnahmen von 135.000 Euro pro Fall. Bildrechte: colourbox

Fiskus Weniger Steuerprüfungen bei Reichen

Reiche müssen sich immer seltener Sorgen über mögliche Steuerprüfungen machen: Die Wahrscheinlichkeit einer Steuerprüfung bei einem jährlichen Einkommen von mehr als einer halben Million Euro ist in den vergangenen neun Jahren um fast 30 Prozent gesunken.

Das Formular der Einkommensteuererklärung und zwei 50-Euro-Scheine liegen auf einem Tisch
Der Bundesrechnungshof erwartet bei einer höheren Prüfquote Mehreinnahmen von 135.000 Euro pro Fall. Bildrechte: colourbox

Reiche mit jährlichen Einkünften von mehr als einer halben Million Euro pro Jahr werden von den deutschen Finanzbehörden immer seltener durchleuchtet. Wie aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, ist die Zahl der Betriebsprüfungen bei Einkommen über 500.000 Euro zwischen 2009 und 2018 um fast 30 Prozent gefallen - von 1.630 Fällen jährlich auf 1.150. Das berichtet die Zeitung "Tagesspiegel".

Linke fordert mehr Kontrollen und mehr Personal

Linken-Fraktionsvize Fabio De Masi kritisierte die Entwicklung. Er sagte dem "Tagesspiegel", "wir brauchen nicht nur scharfe Gesetze, sondern auch scharfe Kontrollen". Im Sinne der Steuergerechtigkeit dürfe nicht mehr länger hingenommen werden, "dass bei den kleinen Leuten jeder Euro umgedreht wird - die großen Finanzhaie aber davonkommen."

De Masi verlangte zudem mehr Personal für die Finanzbehörden. Denn mit der gesunkenen Zahl der Betriebsprüfungen entgingen vor allem jene Menschen einer genaueren Prüfung, deren Steuererklärungen aufgrund des hohen Einkommens und Vermögens besonders komplex sei - und für die sich Steuertricks besonders lohnten.

Bundesrechnungshof mahnt seit 2006

Das Problem hat der Bundesrechnungshof laut "Tagesspiegel" schon 2006 in seinem Jahresbericht aufgegriffen. Die Behörde mahnte, dass die niedrige Prüfungsquote zu Steuerausfällen führe. Sie erwartete durchschnittliche Mehreinnahmen in Höhe von 135.000 Euro pro Fall.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 11:14 Uhr

11 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Lieber frank d,
die Überschrift ist korrekt. Sie besagt zudem nicht, dass bei anderen Betrieben und Verdienstgruppen keine Prüfungen statt finden. Der MDR ist nicht Steuerbefreit. Auch MDR Mitarbeiter bezahlen Steuern und Rundfunkbeitrag.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr MDR.de-Team

frank d vor 1 Wochen

Liebe MdRler: Sagen sie mal, die Überschrift ist zum einen falsch, denn Steuerprüfungen finden nicht nur bei Reichen statt! aber zum anderen schämen sie sich nicht für diese Hetze? Wissen sie in ihrem Steuerbefreitem MDR Glashaus eigentlich wie viele Regeln und Aufzeichnungspflichten Unternehmer in diesem Lande haben? Wehe da wird etwas nicht 100% richtig dokumentiert.

Allerdings auf der seite der tollen der NGOs all der studierenden Vereinigungen und so weiter und so fort, da gelten gar keine Regeln. Ich bin dafür, dass jetzt eine gründliche Prüfung all der Aktivitäten der Tollsten und Moralisch so erhabenen durchgeführt wird. Nicht das all ihre Worte von einer unglaublich hohen Fehlerquote konterkariert werden, oder das es persönliche Vorteilsnahme gibt. Auch schön wäre mal die Caritas und Diakonie zu prüfen deren Bilanzen doch durch diese extrem teure Mufl Betreuung aufgeblasen wurden. Schon speziell wenn deren Häuptlinge spenden damit mehr Nachschub kommt. Sapere Aude

Kritiker vor 1 Wochen

+...De Masi verlangte zudem mehr Personal für die Finanzbehörden. ...+
FORDEN kann man viel, nur umsetzen, das möchte mal von den Linken und hier speziell von Hr. de Masi erklärt werden! Als Linken-Fraktionsvize Fabio De Masi sollte man nicht nur kritisieren sondern mal Taten folgen lassen!