Sachsen Impfteams unter Druck, nur die Richtigen zu impfen

"Veruntreuung von Impfstoff" – so lautet der Vorwurf gegen Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Seitdem sich die sogenannten Impfskandale häufen, wird besonders kritisch darauf geschaut, wer sich piksen lässt. Diejenigen, die die Verteilung der Impfdosen verantworten, stehen unter Beobachtung und wollen nun erst recht alles richtig machen. Aber gelingt das immer?

Drei Ampullen mit Impfstoff, davor eine Spritze
Wurden in Leipzig Biontech-Impfdosen weggeschmissen? Bildrechte: imago images/Laci Perenyi

Seit Januar engagiert sie sich als Freiwillige in einem der vier mobilen Impfteams in Leipzig, möchte aber anonym bleiben. Die Helferin erzählt: "Wir dürfen nicht mehr auftauen als wir brauchen und wenn was übrig ist, abends, geht es zurück ins Impfzentrum und wird dann am nächsten Tag weiter verimpft."

Bei ihrem letzten Einsatz seien drei Fläschchen mit dem Biontech-Serum, also 18 Impfdosen, übrig geblieben und ans DRK-Impfzentrum in Leipzig zurückgebracht worden. Beim Checken der Temperatur sei eine kurzzeitige Überschreitung festgestellt worden – der Impfstoff hätte nach Auffassung der Helferin zu dem Zeitpunkt also innerhalb weniger Stunden verimpft werden müssen: "Und die sagten, ja, sie würden es auch gerne machen, aber es gab so viele negative Presseberichte, dass nicht-Prio-1-Menschen geimpft worden sind, dass sie es dann lieber wegschmeißen, als dass sie weiterhin Ärger damit haben."

DRK Sachsen spricht von Missverständnis

Fragt man beim Deutschen Roten Kreuz in Sachsen nach, sagt Sprecher Kai Kranich: Dabei könne es sich nur um ein kommunikatives Missverständnis handeln: "In dem konkreten Fall hat unser Temperaturmesssystem angezeigt, dass der Impfstoff im Laufe des Tages länger als eine Stunde außerhalb des Normbereiches war." Das sei schwarz auf weiß im Temperaturprotokoll nachvollziehbar. Das Entsorgen sei also richtig gewesen; auch schnelles Impfen wäre mit diesen Fläschchen nicht mehr gegangen.

Zugleich versichert Kranich: "Wir mussten bisher keine Impfdose wegschmeißen, weil wir keinen Arm gefunden hätten." Was aber vorkommt: Impfstoff lande mitunter im Müll, weil im Umgang oder bei der Lagerung Fehler passierten. Bei der sächsischen Impfkampagne seien bisher zirka 0,5 Prozent der Impfdosen weggeschmissen worden.

Hohe Belastung für Mitarbeitende in Impfzentren

Doch die Debatten um das Vordrängeln beim Impfen würden sich auch beim DRK auswirken, erklärt Kranich. "Die Mitarbeitenden in den Impfzentren, da ist das schon eine sehr große Belastung für die, die sozusagen jeden Abend darum kämpfen müssen, dass jetzt keine Impfdose weggeworfen wird, aber auch keine Impfdose im gleichen Moment den sogenannten falschen Arm findet."

Wenn es gar nicht anders ginge – und so steht es inzwischen auch in der Corona-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums – dürften die Leiterinnen und Leiter der Impfzentren entscheiden, dass einzelne Dosen auch außerhalb der Priorisierungsgruppe 1 vergeben werden – aber nur, wenn das Serum sonst wirklich im Müll landen würde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2021 | 06:12 Uhr

60 Kommentare

goffman vor 7 Tagen

Es wurden weit über 400 Millionen Impfdosen für Deutschland bestellt - bei verschiedenen Herstellern um das Risiko zu streuen und zu einem guten Preis.

Am 16.12.2020 hat die größte Oppositionspartei im Bundestag, die AFD, in der 201. Sitzung die Regierung nicht dafür kritisiert, dass sie zu wenig oder zu spät Impfstoff bestellt hätte, sondern, ich zitiere: "Impfstoff, der gentechnisch manipuliert ist. Er schützt bekanntlich nicht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2".

Hätte die Regierung sich damals an der stärksten Oppositionspartei orientiert, dann wären wir mit dem Impfen noch lange nicht so weit. Dass sie gegen den Widerstand der AFD trotzdem weit mehr Impfstoff geordert hat, als wir benötigen, würde ich nicht als Versagen bezeichnen.

Wessi vor 7 Tagen

@ Tacitus ...bleiben Sie beim Thema:"wer ist lt. Impfverordnung unrechtmäßig geimpft worden".Daß wir zu wenig Impfstoffe haben liegt auch an den "Virenschleudern" und deren politischen Unterstützern.

Wessi vor 7 Tagen

@ GEWY ... zu meinem post: die BMopo liegt genau richtig."....262.371 Menschen geimpft"...sie führt aber nicht aus, wieviele von denen 2 x Mal.Nämlich 104.000. (Quelle ZDF).Bleiben 157.000.