Blick auf eine Überwachungskamera und auf ein Schild, das auf ein Erkennungsbereich zur Gesichtserkennung hinweist
Schilder weisen am Bahnhof Südkreuz in Berlin auf den Test hin. Bildrechte: dpa

Bahnhof Berlin Südkreuz De Maizière verlängert Pilotprojekt zur Gesichtserkennung

Im Berliner Fern- und S-Bahnhof Südkreuz startete am 1. August ein Pilotprojekt zur Überwachung mittels Kameras: Sechs Monate lang sollte getestet werden, ob Kameras und eine spezielle Software zuverlässig die Gesichter einzelner Personen erkennen können. Schon vor dem Ablauf verlängerte Bundesinnenminister Thomas de Maizière nun die Testphase um ein halbes Jahr. Zudem soll das Projekt praxisnaher werden.

Blick auf eine Überwachungskamera und auf ein Schild, das auf ein Erkennungsbereich zur Gesichtserkennung hinweist
Schilder weisen am Bahnhof Südkreuz in Berlin auf den Test hin. Bildrechte: dpa

Das umstrittene Pilotprojekt zur automatischen Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin Südkreuz wird verlängert. Das kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei einem Besuch vor Ort an.

Der CDU-Politiker sagte, die Erkennungsquote habe bei 70 Prozent und mehr gelegen. Das sei sehr gut und deutlich besser als bei einem ähnlichen Versuch vor etwa zehn Jahren. Für den Test hat die Bundespolizei bislang Fahndungsfotos mit sehr guter Qualität als Vorlage für ihr Computerprogramm verwendet. In der zweiten Testphase sollen Bilder mit schlechterer Qualität genutzt werden. De Maizière sagte zur Begründung, Fahndungsfotos mit schlechterer Qualität gehörten zum Polizei-Alltag.

Freiwillige lassen sich filmen

Der Test der automatischen Gesichtserkennung hatte im August begonnen und sollte im Januar enden. Jetzt wird er für weitere sechs Monate fortgeführt. In drei Bereichen des Umsteigebahnhofs Südkreuz filmen mehrere Kameras Gesichter. An dem Projekt beteiligen sich 300 Personen freiwillig, die den Bahnhof Südkreuz häufig frequentieren.

Sie haben ihren Namen und zwei Fotos ihres Gesichts speichern lassen. Die Testpersonen tragen einen kleinen Transponder, durch den die Computer registrieren, wenn eine Testperson auftaucht. Die Kameras filmen sie dann beim Betreten des Bahnhofs, beim Verlassen und an einer Rolltreppe.

Fahndung nach Terroristen verbessern

Die Bundespolizei will mit der automatischen Gesichtserkennung herausfinden, ob die Fahndung nach Terroristen, Gefährdern und Straftätern verbessert werden kann.

Der Testlauf soll zeigen, ob die Kameras und die spezielle Software brauchbare Ergebnisse liefern und die Gesichter zuverlässig erkennen – auch dann, wenn die Gesichter etwa durch Schals oder Sonnenbrillen teilweise bedeckt sind. Bei Erfolg will die Bundespolizei die Technik zur Erkennung von Gefährdern und im Kampf gegen Kriminalität einsetzen.

Kritik an dem Vorhaben

Viele Datenschützer halten den Einsatz der Gesichtserkennungs-Technik für rechtswidrig. Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff erklärte, der Testlauf sei zwar akzeptabel, sie habe aber grundsätzliche Bedenken gegen die Technologie. Sollten derartige Systeme in Echtbetrieb gehen, wäre das ein erheblicher Grundrechtseingriff.

Die Datenschützer der Länder betonten ebenfalls, die Freiheit, sich anonym in der Öffentlichkeit zu bewegen, könne zerstört werden. Die Technik sei rechtswidrig. Weitere Datenschützer wendeten ein, es könne schon bei einer geringen Fehlerquote zu falschen Polizeieinsätzen kommen. Außerdem zweifeln sie, ob die Technologie auch bei bedeckten Gesichtern funktioniert.

Das Bundesinnenministerium verwies im Vorfeld des Tests auf ein Datenschutzkonzept. Dieses sehe umfassende Hinweise auf den Testlauf, leichte Ausweichmöglichkeiten für Bahnreisende und umfassende Löschpflichten vor.

Welche Überwachungsmaßnahmen gibt es bisher?

Es gibt bereits mehrere Überwachungsmaßnahmen im Bereich der Deutschen Bahn – vor allem, weil die Technik auch immer billiger und besser wird. Bundesweit kommen bereits rund 6.000 Kameras in 900 Bahnhöfen zum Einsatz. Damit werden schon jetzt mehr als 80 Prozent der Fahrgastströme überwacht – Tendenz steigend. Laut Innenministerium können in rund 50 Bahnhöfen die Bilder live beobachtet werden. Die Bundespolizei hat Zugriff auf die Livebilder und die aufgezeichneten Videodaten.

In Berlin hatte die S-Bahn den Ausbau der Videoüberwachung für viele Millionen Euro angekündigt. Alle U-Bahnhöfe und U-Bahnen sowie die meisten Busse und Straßenbahnen werden bereits mit tausenden Kameras gefilmt. Ein Volksbegehren fordert zudem 2.500 Kameras auch auf den gefährlichsten Plätzen und Straßen der Hauptstadt. Generell rechnen die Anbieter solcher Technik für die kommenden Jahre mit kräftigen Wachstumsraten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Dezember 2017 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 13:53 Uhr

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8 Kommentare

16.12.2017 12:54 Räudiger Hund 8

#2. (Axel), nein, nein, nicht "jeder, wirklich jeder kann überwacht und verfolgt werden". Da gibt es eine gewisse Klientel, die darf hochoffiziell und politisch gewollt ihr Gesicht komplett verbergen. Soll ich deutlicher werden?

16.12.2017 06:47 Spottdrossel 7

Es gibt einen sf- Roman mit Titel 1984. Ist nun von der Realität überholt.

15.12.2017 23:24 John Silver 6

Statt die eigenen Bürger immer stärker wegen einsickender krimineller Einzeltäter, Banden und Clans und der damit verbundenen Erosion der Sicherheitslage zu beschnüffeln/ auszuspionieren bzw. seine Freiheiten immer mehr zu beschneiden: Wie wäre es die Grenzen wirksam zu sichern? - Portierdienst langt dazu nicht!

15.12.2017 19:47 Jo Beeck 5

Laut IM war eine 70%ige Erfolgsqoute mit Ideal-Fotovorlagen -bei nur 1% Irrtümern- gegeben!Jetzt will man (angeblich) nach-checken -wie hoch der Erfolg bei schlechteren Fotos sein wird!
Halte dies für eine maue Kaschierungsmasche um das "wahre " Scharfmachen über Algorythmen-Varianzen zu verschleiern!

15.12.2017 19:02 anon 4

der Bahnhof hat ja jetzt auch einen neuen Namen, Berlin-Stasikreuz!

15.12.2017 18:14 ralf meier 3

Janes Nr 1: Sie meinen: 'Das gemeine Schlafschaf wird es toll finden...'

unterschätzen Sie nicht das gemeine 'Schlafschaf'. Es findet Gesichtserkennung nicht nur toll. Es unterstützt sie bereits ehrenamtlich durch den Kauf von Handys mit Gesichtserkennung.
Wir sollten den Tatsachen Rechnung tragen und die Datenschutzbeauftragten abschaffen.

15.12.2017 14:49 Axel 2

Ich finde das Pilotprojekt zur Gesichtserkennung richtig toll. Selbst die Staatssicherheit der DDR war dagegen eine infantile Kindergartentruppe. Aber jetzt ist es möglich jeden ... aber auch wirklich jeden zu überwachen und zu verfolgen. Super!

15.12.2017 14:23 Janes 1

Das gemeine Schlafschaf wird es toll finden...