Interview zum Kohleausstieg Wirtschaftsforscher Holtemöller: "Die Politik macht den Menschen zu viele Hoffnungen"

Anfang 2019 hat die sogenannte Kohle-Kommission Vorschläge vorgelegt, wie Deutschland bis 2038 aus der Kohle aussteigen kann. Wir haben den Wirtschaftsforscher Oliver Holtemöller zum bisherigen Umgang damit befragt.

Was lief, wenn Sie auf das Jahr 2019 zurückblicken, aus Ihrer Sicht beim Thema Kohleausstieg/Strukturwandel bisher gut?

Holtemöller:Es ist gut, dass der Prozess hin zu weniger klimaschädlichen Emissionen konkreter wird und dass versucht wird, dabei alle Bevölkerungsgruppen einzubinden.

Was lief bislang nicht so gut oder sogar schlecht?

Die Politik macht den Menschen zu viele Hoffnungen, dass die negativen Folgen des Kohleausstiegs für die betroffenen Regionen von der Politik kompensiert werden können. Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Ferner ist die Vorgehensweise zu kleinteilig. Ein einheitlicher CO2-Preis wäre wünschenswert.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Umgang der Politik mit den Empfehlungen der sogenannten Kohle-Kommission?

Vor dem Hintergrund der notwendigen gesellschaftlichen Akzeptanz scheint die Vorgehensweise im Großen und Ganzen angemessen.

Wie lautet Ihre Empfehlung für 2020, wen sehen Sie in der Pflicht?

Die Initiative sollte vor allem von den Regionen selbst ausgehen. Strukturwandel von oben funktioniert nicht.

Wie muss es in den nächsten Jahrzehnten weitergehen?

Die Anstrengungen, bis zum Jahr 2050 weitgehend Klimaneutralität zu erreichen, sollten intensiviert werden. Das kann allerdings nur in internationaler Kooperation gelingen. Mehr Ressourcen sollten in die internationale Zusammenarbeit fließen und weniger in nationale Alleingänge.

Das Interview führte Michael Naumann, MDR-Wirtschaftsredaktion

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2019, 05:00 Uhr