Großbaustelle
Der Wohnungsbau in Deutschland hinkt hinter dem Bedarf zurück. Bildrechte: imago images / Sven Simon

IW-Studie Wohnungsbau am Bedarf vorbei

Hohe Mieten in Ballungsräumen sorgen für soziale Spannungen. Die GroKo hat sich für ihre Amtszeit den Bau von 1,5 Millionen neuen Wohnungen zum Ziel gesetzt. Doch sie liegt weit hinter dem Plan zurück. Eine Studie ergab zudem, dass vielerorts am tatsächlichen Bedarf vorbei gebaut wird. Dafür gibt es auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen viele Beispiele.

Großbaustelle
Der Wohnungsbau in Deutschland hinkt hinter dem Bedarf zurück. Bildrechte: imago images / Sven Simon

In Deutschland werden insgesamt  zu wenig neue Wohnungen gebaut und diese dann oft auch noch am Bedarf vorbei. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) zufolge wurden 2018 in Deutschland 287. 000 Wohnungen fertiggestellt. Der Bedarf für 2019 und 2020 liege aber bei mehr als 340.000 neuen Wohnungen.

Defizit in Leipzig am größten

In den Ballungsräumen wird demnach zu wenig gebaut. So wurde der Bedarf an Neubauwohnungen in Leipzig gerade mal zu 45 Prozent gedeckt. Ähnlich ist die Lage in Köln. In Stuttgart lag die Quote bei 56 Prozent, in Dresden bei 62 Prozent. Auch München (67) und Berlin (73) haben Defizite.

Als entscheidend sehen die Autoren die Bereitstellung von Bauland, um Investoren anzulocken. Bund und Länder sollten finanziell klammen Städten bei der Erschließung des Umlands helfen, etwa durch Förderung des Nahverkehrs.

In der IW-Studie wurde die Zahl der in den vergangenen drei Jahren fertig gestellten Wohnungen dem voraussichtlichen Bedarf gegenübergestellt.

Überangebot in vielen ländlichen Regionen

Andererseits kommt die Studie zu dem Schluss, dass auf dem Lande mancherorts zu viel neu gebaut wird. Als Beispiele werden Regionen in Sachsen-Anhalt, Sachsen sowie im Saarland und in Randgebieten Bayerns genannt.

Durch Neubaugebiete vor den Toren kleiner Städte verlieren demnach Zentren an Bedeutung und das Leerstand-Problem verschärfe sich. Die Autoren empfehlen kleineren Städten fernab der Metropolen ein besseres Flächenmanagement, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden. Sie raten zum "Umbau vor Neubau".

Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind.

Studienautor Ralph Henger

Missverhältnis auch in Mitteldeutschland

In Sachsen hat Leipzig den größten Bedarf beim Wohnungsbau. Laut der IW-Studie wurden in der Stadt seit 2016 nicht einmal halb so viele Wohnungen neu gebaut, wie eigentlich benötigt. Andernorts seien dagegen zu viele Wohnungen gebaut worden, etwa in Nordsachsen.

In vielen Regionen Sachsen-Anhalts werden der Studie zufolge in den Jahren 2016 bis 2018 zu viele neue Wohnungen gebaut. Demnach gibt es in acht Landkreisen und kreisfreien Städten Überangebote, darunter das Jerichower Land und die Landkreise Stendal und Harz.

In Thüringen sind den IW-Daten zufolge in Erfurt, Weimar, Gera und Eisenach erheblich weniger Wohnungen entstanden als benötigt. Das gelte auch für die Landkreise Gotha und Saale-Holzland. Überraschend erscheint angesichts hoher Mietpreise ein Überangebot in Jena. Über dem ermittelten Bedarf liegt das Wohnungsangebot auch in Suhl, im Kyffhäuser- und Unstrut-Hainich-Kreis, im Wartburgkreis sowie im Kreis Sonneberg.

Entspannung in Sicht

Dies Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bleibt der Studie zufolge vorerst groß. Perspektivisch könnte sich das Problem Wohnungsknappheit allerdings etwas entschärfen: Nach Schätzung der Studienautoren sinkt der Wohnungsbedarf bis 2025 auf rund 260.000 und bis 2030 auf unter 250.000 pro Jahr. Hauptgrund sei die erwartete  sinkende Zuwanderung.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 10:32 Uhr

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19 Kommentare

24.07.2019 20:36 SN 19

An die Redaktion:
Wie passt der Artikel zu diesem hier
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/stadtflucht-in-mitteldeutschland-100.html
??

MfG

[Hallo, SN! Die Texte greifen unterschiedliche Aspekte der Studie auf. Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

24.07.2019 20:36 Fragender Rentner 18

@Peter zu 14
Du schreibst: Allerdings spielt hier ein besonderer Aspekt eine Rolle, die niedrigen Bauzinsen.

Da kann man doch auch bei niedrigen Zinsen in der Stadt bauen, wenn man Bauland bekommt und einen guten Lohn hat.

Warum soll man da auf Land ziehen und in der Stadz arbeiten?

Wenn es gut geht, dann auch noch jeden Tag mit dem SUV zur Arbeit in die Stadt fahren und Feinstaub und CO2 rausblasen !!!

Oder wie sie beim BR in quer auch schon festellten, das mittlerweile soviele ins Umland gezogen sind, dass dort die Preise fürs Bauland fast wie in der Großstadt sind !!!

24.07.2019 20:27 Fragender Rentner 17

Schließlich sind die Wohnungsunternehmen nicht schuld daran, wenn die möglichen Mieter kein oder ausreiched Geld für die Miete haben.

23.07.2019 16:38 Fragender Rentner 16

Na wenn die Küchen schon 50m² oder größer sind, da muß doch die Wohnung auch größer werden. :-)

23.07.2019 16:24 jochen 15

Es wurde in unserem Land noch nie soviel gebaut.
Frage - Weshalb eigentlich ? Wahrscheinlich frei nach dem Motto -für die Gäste nur das Beste-.

23.07.2019 12:33 Peter 14

@11 Frank: Das mit dem Bauen auf dem Land ist wohl richtig. Allerdings spielt hier ein besonderer Aspekt eine Rolle, die niedrigen Bauzinsen.
Wenn in ein paar Jahren das Zinsniveau wieder ansteigt, ist es mit dem Häuslebau auch auf dem Land vorbei.
Hatten wir alles schon mal. Was folgte, war die große Zeit der Schnäppchenjäger in den Amtsgerichten.

23.07.2019 01:43 part 13

Teure Eigentumswohnungen in den Städten nutzen niemanden, preiswerte Sozialwohnungen fehlen dagegen an jeder Ecke. Das Leben auf dem Land ist verbunden mit hohen Mobilitätskosten, einer marktradikal zerstörten Infrastruktur oder Infrastruktur die schlicht und einfach noch nicht Einzug gehalten hat in anderen Ländern aber zum Standart gehört. Gegen Leerstandsprobleme sollten politische Lösungen gefunden werden, wie Grundsteuerbefreiungen oder Abschreibungen um Eigentümer zu entlasten. Sieht man sich die Neubauten in den Städten an wird auffällig das es höchtens nur noch 4- stöckige Häuser gibt, wo Bauland knapp und teuer ist darf es ruhig auch ein Wohntower sein.

22.07.2019 21:37 Auf der Sonnenseite des Lebens 12

eigentlich brauchen wir nur höher bauen, da passen dann mehr Menschen auf den qm Grundstücksfläche.

Wo ist das Problem?

22.07.2019 21:36 Frank 11

@Perter: Gern beantworte ich Ihre Fage. Weil die jungen Leute das Geld noch nicht haben, auf dem Land zu bauen. Deswegen nehmen sie sich eine kleine Wophnung in der Stadt, abrbeiten und sparen und kommen dann zurück. 90% meiner neuen Nachbarn kommen übrigens (wie ich) aus der Stadt! Arbeiten dort und bauen preiswerte auf dem lebenswerten, ruhigem Land. Manche wohnen schon viele Jahre hier und sagen: in der Stadt wurde schon 3x bei uns eingebrochen. Hier noch nicht.

22.07.2019 21:27 Thüringer 10

Man hat ja nicht mit soviel Asylanten gerechnet. Jetzt haben wir den Salat. Aber das macht nichts, es kommen noch mehr. Da muss man eben die Arme hochkrempeln und was tun. Wie war das nochmal, es sollen Städte geben, da gibt es keine Wohnungsnot. Den Rest kann man sich sparen.