Blick durch vergittertes Fenster des Jugendgefängnisses Arnstadt auf Innenhof mit Sportplatz, Tischtennisplatten und Bodenschach vor zwei Gebaudeflügeln aus Backstein
Blick durch vergittertes Fenster des Jugendgefängnisses Arnstadt auf den Innenhof. Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Haft-Experte berichtet Täglich viele Fehlalarme in Gefängnissen

Der Wind als Fluchthelfer: Das ist zurzeit ein großes Thema in Thüringen. Am vergangenen Freitag waren drei Häftlinge in Arnstadt aus der Jugendvollzugsanstalt geflohen. Inzwischen hat Justizminister Lauinger eingeräumt, dass der wachhabende Beamte einen Alarm-Ton unterdrückt hatte. Der Grund dafür war möglicherweise, dass es – ausgelöst durch stürmisches Wetter – vorher viele Fehlalarme gegeben hatte. War das ein Einzelfall oder kommen windige Fehlalarme öfter vor?

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Blick durch vergittertes Fenster des Jugendgefängnisses Arnstadt auf Innenhof mit Sportplatz, Tischtennisplatten und Bodenschach vor zwei Gebaudeflügeln aus Backstein
Blick durch vergittertes Fenster des Jugendgefängnisses Arnstadt auf den Innenhof. Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Fehlalarme gehören zum Alltag in Gefängnissen, sagt René Müller, der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass gerade in großen Anstalten 200 Fehlalarme am Tag keine Seltenheit seien.

Zur Sicherheitstechnik in Gefängnissen gehören unter anderem Kameras, die auf jede Lichtveränderung reagieren und dann die entsprechende Stelle ins Visier nehmen. Da kann der Wind eine Rolle spielen. Die Zäune sind empfindlich. Laut Müller würden neuere Anlagen auf Erschütterungen reagieren. Auch heftiger Wind löse zahlreiche Fehlalarme aus.

Vögel und Katzen lösen Alarmanlagen aus

Da könnte man natürlich sagen: Das ist der Fluch der neuen Technik. Aber früher war auch nicht alles besser. "Früher wurde das häufig mit Lichtschranken detektiert", erzählt Müller. "Wenn Vögel dort durchgeflogen sind oder kleinere Tiere, Katzen, Kaninchen oder Ratten, die haben das dann ausgelöst."

Früher gab es also auch öfters Fehlalarme. Nur eines geht grundsätzlich nicht: Der Alarm darf nicht abgeschaltet werden. Das sei nicht erlaubt, erklärt Müller. Es müssten schon lebensbedrohliche Zustände herrschen, zum Beispiel durch die Gefahr von Stromschlägen, weil die E-Technik nicht mehr funktioniere. Aber ansonsten schalte man solche Alarme nicht aus, führt der Gefängnis-Experte aus.

Gefängnisbedienstete müssen wachsam bleiben

Das heißt: Seine Kollegen müssen auch nach dem zehnten Fehlalarm noch bis zu 20 Monitore aufmerksam überwachen. "Beim elften Mal kann es vielleicht nicht der Wind gewesen sein. Beim elften Mal war es vielleicht ein versuchter Ausbruch, und dann muss der Kollege dort genau so konzentriert sein und handeln. Fällt schwer – aber das ist unsere Aufgabe in diesem Bereich."

Alarmtechnik dient dem Schutz der Justizvollzugsbeamte

Und das gilt besonders, weil es bei der Überwachung nicht nur um Ausbrüche geht. René Müller zeigt sich besorgt: "Viel wichtiger finde ich bei der ganzen Diskussion Alarmtechnik, inwieweit wir es schaffen, mit dieser alten Technik, die wir noch haben, auch unsere Kollegen zu schützen."

Das heißt: Wenn ein Justizvollzugsbeamter angegriffen wird, muss der Alarm erst Recht zuverlässig funktionieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Januar 2018 | 06:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2018, 13:25 Uhr

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6 Kommentare

07.08.2018 15:20 Fragender Rentner 6

Teilzitat von Oben: ... ausgelöst durch stürmisches Wetter ....

Nur gut, dass wir dem Wetter eine Schuld zusprechen können. :-)

11.01.2018 20:03 Schkandalös! 5

@MDR:
Ich halte den Begriff "Wärter" für geschmacklos und unzutreffend. Ein Gefängnis ist schließlich kein Zoo. Und selbst dort heißen die Leute inzwischen "Pfleger".

11.01.2018 17:30 Pfingstrose 4

Man sollte von Gefängnisleitungsseite öfters die Anlagen überprüfen lassen, ehe ein ganzer Gefängnistrack die Freiheit sucht. Auch sollte öfters das Personal ausgetauscht werden um solche Vorkommnisse zu vermeiden.

11.01.2018 15:29 Fragender Rentner 3

Liegt das an der "guten Technik" oder sind andere dafür verantwortlich, bewußt oder unbewußt?

Wenn es bewußt ist, dann wollen wohl welche die Beamten auf trapp halten? :-)

11.01.2018 14:54 vigilando ascendimus 2

Wir haben verstanden: Das ist wie bei den Brandmeldeanlagen die in Thüringen überall für teures Geld verbaut werden müssen.

Aber solche Fehalarme sollten Lauinger und die ganze R2G-Regierung in Thüringen nicht vom Rücktritt abhalten. ;-)

11.01.2018 13:40 jochen 1

Aha - Wieder ein so genannter Experte, der sich zu Wort meldet.
Soll er die Verfehlungen jetzt herunterrechnen ?