Journalist Billy Six
"Junge-Freiheit"-Journalist Six erhob in Berlin schwere Vorwürfe gegen das Auswärtige Amt. Bildrechte: imago images / Christian Thiel

Nach Entlassung aus Haft in Venezuela Journalist fühlt sich vom Auswärtigen Amt im Stich gelassen

Vier Monate verbrachte Journalist Billy Six in Venezuela in Haft. Nach seiner Rückkehr erhebt er nun Vorwürfe gegen das Auswärtige Amt: Der deutsche Botschafter habe sich nicht ausreichend für Six' Entlassung eingesetzt. Das Amt widerspricht entschieden.

Journalist Billy Six
"Junge-Freiheit"-Journalist Six erhob in Berlin schwere Vorwürfe gegen das Auswärtige Amt. Bildrechte: imago images / Christian Thiel

Der deutsche Journalist Billy Six erhebt nach seiner Rückkehr aus venezolanischer Haft Vorwürfe gegen das Auswärtige Amt. Bei einer Pressekonferenz in Berlin sagte Six am Dienstag, die deutsche Botschaft in Venezuela habe sich auf eine reine konsularische Betreuung beschränkt und weder bei den dortigen Behörden gegen seine Inhaftierung offiziell protestiert, noch ihn unter diplomatischen Schutz gestellt.

In anderen Fällen, zum Beispiel bei "Welt"-Journalist Deniz Yücel, sei dies hingegen sofort geschehen.

Anzeige gegen Auswärtiges Amt

Der Vater des Journalisten, Edward Six, kündigte an, gegen das Auswärtige Amt zu klagen. Die Bundesregierung sei hauptverantwortlich dafür, dass sein Sohn 119 Tage in Haft sitzen musste. In der gleichen Zeit hätten sich andere Staaten bei der Regierung in Caracas für die Freilassung ihrer Landsleute eingesetzt und diese so schnell befreien können.

Six: Lawrow in Freilassung involviert

Sergej Lawrow
Sergej Lawrow. Bildrechte: dpa

Ausschlaggebend für die Entlassung seines Sohnes sei die Intervention des russischen Außenministers Sergej Lawrow gewesen, behauptete Six.

Lawrow hatte letzten Donnerstag seinen venezolanischen Amtskollegen Jorge Arreaza in Wien getroffen und nach eigener Aussage auch den Fall Six angesprochen. Zwei Tage später wurde der Journalist freigelassen. Der Kontakt zu Lawrow soll über einen AfD-Bundestagsabgeordneten zustande gekommen sein.

Spionage-Vorwürfe in Caracas

Der 32-jährige Six ist freier Mitarbeiter bei den rechten Publikationen "Junge Freiheit" und "Deutschland-Magazin". Im Juni 2017 war er mit einem Touristenvisum nach Venezuela eingereist und hatte dort auf eigene Faust gearbeitet und Reportagen an die "Junge Freiheit" geliefert. Mitte November 2018 wurde er dann in Caracas verhaftet, weil er bei einer Rede des linksnationalistischen Staatschefs Nicolás Maduro eine Sicherheitsbegrenzung überschritten haben soll. Vorgeworfen wurden Six Spionage, Rebellion, das Verletzen von Sicherheitszonen und Vaterlandsverrat. Damit drohten ihm bis zu 28 Jahre Haft.

Auswärtiges Amt widerspricht Six

Das Auswärtige Amt erklärte am Dienstag, die deutsche Botschaft in Caracas habe Six bis zuletzt intensiv betreut und ihm durchgehend zur Seite gestanden. Der deutsche Botschafter habe wiederholt hochrangige Gespräche im venezolanischen Außenministerium zu dem Fall geführt. Auch in Berlin habe es Gespräche mit dem Botschafter Venezuelas dazu gegeben. Zudem habe die Bundesregierung nachdrücklich die Überprüfung der Tatvorwürfe durch ein ziviles Gericht eingefordert. All diese Bemühungen hätten den konsularischen Zugang sowie die Beauftragung eines Rechtsanwalts ermöglicht.

Nach der Freilassung habe sich die Botschaft erfolgreich für eine zügige Ausreise von Six eingesetzt und ihn bis zu seinem Abflug aus Venezuela mit viel Einsatz betreut.

Lob für "Reporter ohne Grenzen"

Der Chefredakteur der "Jungen Freiheit", Dieter Stein, kritisierte bei der Pressekonferenz, das Medienecho zu dem Fall sei lange Zeit "sehr verhalten" gewesen. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" habe sich hingegen vorbildlich für Six' Freilassung eingesetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. März 2019 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 19:42 Uhr

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30 Kommentare

21.03.2019 10:02 Bernd L. 30

Der Fall zeigt, dass man das Außenministerium kompetent besetzen muss.

20.03.2019 23:34 Johny 29

Die Freilassung des deutschen Journalisten Billy Six geht wesentlich auf das Engagement der AfD zurück, erklärten seine Eltern, wie die Epoch Times berichtete. Ohne das Engagement des AfD-Obmanns im Auswärtigen Ausschuss, Petr Bystron und dessen Frau, die den russischen Außenminister Lawrow kontaktierten, säße Billy Six noch in Einzelhaft. Der Dank für Billys Freilassung gebühre auch dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, der am vergangenen Donnerstag während eines schon länger geplanten Treffens mit der österreichischen Regierung in Wien auch seinen venezolanischen Amtskollegen Jorge Arreaza empfing. Die Regierung von Venezuela kam dem Wunsch der Russen nach sofortiger Freilassung ohne weiteres nach.

20.03.2019 20:41 aus Dresden 28

Der Fall Billy Six ist ein Armutszeugnis für die CDU/CSU/SPD-Regierung, ihren Außenminister Maas (SPD) und für die regierungsnahen Medien.

20.03.2019 19:30 PeterPlys 27

@26 Werner
Davon abgesehen, dass ich Protest gegen Erdogan natürlich für legitim halte, war Yigit nicht als Journalist anwesend sondern als protestierender Demonstrant auf einer Pressekonferenz. Dafür nutzte er seine Akkreditierung. Er wurde auch nicht verhaftet, sondern musste die Pressekonferenz verlassen. Sicherlich zu kritisieren, aber kein Vergleich mit den Vorgängen in der Türkei und Venezuela.
In der "Rangliste der Pressefreiheit" (Reporter ohne Grenzen) befindet sich Deutschland auf Platz 15, die USA auf 45, Venezuela 143, Russland 148, die Türkei auf 157 ...

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20.03.2019 17:34 Werner 26

@PeterPlys 25: "...Eine Festnahme von Journalisten wirft immer ein schlechtes Licht auf die FÜHRUNG und den ZUSTAND der Demokratie dieser Staaten, egal ob Türkei, Venezuela, Kuba, Nordkorea oder auch Russland..." Volle Zustimmung, aber was vergessen: N-TV 28.09.18 "..Zwischenfall beim Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Berlin: Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ein Fotograf von Sicherheitsbeamten abgeführt worden... Bei dem Mann handelt es sich um den türkischen Journalisten und Erdogan-Kritiker Ertugrul Yigit... Regierungssprecher Steffen Seibert VERTEIDIGTE das Vorgehen... gegen den Fotografen." Der Journalisten Verband DJV hätte fast, wie bei allen (ausgewählten) Vorfällen gegen die Pressefreiheit, einen "Riesen-Hermann" aufgeführt, ganz bestimmt, ist aber ausnahmsweise ohne Hypes auf Tieftauchstation gegangen: "Man beisst nicht die Hand, die einen füttert."

20.03.2019 15:18 PeterPlys 25

@REXt Dass sie sich an Recht und Gesetz des Landes halten sollte nicht nur für Journalisten gelten. Bei der Bewertung des "Falles Six" halte ich mich lieber zurück, im Gegensatz zu vielen, die hier unter MDR-Beiträgen die Verhaftung in der Türkei verteidigten.
Eine Festnahme von Journalisten wirft immer ein schlechtes Licht auf die Führung und den Zustand der Demokratie dieser Staaten, egal ob Türkei, Venezuela, Kuba, Nordkorea oder auch Russland.
Und natürlich sind Yücel und Six bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig zu betrachten.
Eine Bewertung der Hilfe durch Deutschland kann ich mir nicht erlauben, aber Yücel hat über ein Jahr unschuldig im Gefängnis gesessen...

20.03.2019 12:40 Mentor an Wolle1 #21 24

Das wird ja immer besser. Bei Ihnen ist also das selbständige Recherchieren eines freien Journalisten bereits eine Gesetzesübertretung. Bitte informieren Sie sich über die Darstellung der NGO "Reporter ohne Grenzen", bevor Sie sich hier weiter um Kopf und Kragen reden. Ihre Bemerkung "das sagt schon alles" ist ja wohl nicht zu fassen. ES IST DER JOB einer Journalisten, zu recherchieren - auch selbständig. Journalist sein, heißt eben NICHT nur, linientreu DPA-Meldungen abzuschreiben. Daß Sie mit dem selbständigen Recherchieren ein Problem haben, zeigt, wie Sie zur Pressefreiheit stehen.

20.03.2019 12:24 Dieter 23

Wolle 1:
Es lässt tief blicken, wie sie die Doppelstandards Yüczel- Six und das eklatante Versagen des Auswärtigen Amts unter den Tisch fallen lassen und sagen, Six sei selber schuld. Fremdschämen!

20.03.2019 11:07 Werner 22

Eines von vielen, und einem besonders krassen Beispielen, wie sich die freien Medien auf "Empfehlungen" der Politik, durch Doppelstandards, bzw. unterschiedliche Massstäbe, immer unglaubwürdiger machen - lassen. Deniz Yükcel und einige Andere=Super-Hysterie-Hype / für Billy Six, da machen wir mal Nix. Das liegt offensichtlich nicht nur am falschen Namen mit dem "ix", sondern er recherchiert und schreibt ja auch noch für "die Falschen". Ich bin nur immer wieder nicht mehr verwundert, wer und wieviele aktuell bei "den Falschen" schreiben, die vor noch nicht langer Zeit standhaft auf der Seite "der Guten und Richtigen" standen.

20.03.2019 10:41 Wolle1 21

@20 Rext richtig, gilt meiner Meinung nach fuer alle.
@19Mentor , dann sollten Sie mal oefters lesen. Spass beiseite, Pressefreiheit und Gesetzesuebertretungen sind zwei verschiedene Schuhe. Schon mal dran gedacht. Und wenn in dem Artikel steht, er hat auf eigene Faust recherchiert, dann sagt das schon alles