Drei jugendliche Mädchen mit Smartphons sitzen zusammen auf dem Boden.
Das BKA registriert seit einigen Monaten immer häufiger Fälle, in denen in Klassenchats strafbare Inhalte verbreitet werden. Bildrechte: imago/Westend61

Nach Cybermobbing und Kinderpornografie Messenger-Dienste sollen Jugendschutz bekommen

Kinder und Jugendliche sollen besser vor Cyber-Mobbing und strafbaren Inhalten in Internet und Chats geschützt werden. Bis Jahresende will die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen.

Drei jugendliche Mädchen mit Smartphons sitzen zusammen auf dem Boden.
Das BKA registriert seit einigen Monaten immer häufiger Fälle, in denen in Klassenchats strafbare Inhalte verbreitet werden. Bildrechte: imago/Westend61

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will bis Jahresende ein Gesetz zum Jugendmedienschutz auf den Weg bringen. Das sagte die SPD-Politikerin in der Zeitung "Welt am Sonntag". Damit sollen Jugendliche vor Cybermobbing und Gewaltinhalten geschützt werden.

Besserer Schutz und mehr Online-Kompetenz

Hasskommentare, Cybermobbing, Texte mit sexuellen Inhalten und Kinderpornographie in Klassenchats seien ein Albtraum für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer, sagte Giffey der Zeitung. Familien und Schulen dürften damit nicht alleingelassen werden. Messengerdienste seien durch den Jugendmedienschutz bisher schwer zu fassen. Giffey will, dass künftig alle wesentlich von Kindern und Jugendlichen genutzten interaktiven Internetdienste ihre Angebote so gestalten, dass Kinder besser geschützt sind. Dies soll etwa durch sichere Voreinstellungen sowie funktionierende Melde- und Beschwerdesysteme möglich werden. Nötig sei auch eine höhere Online-Kompetenz von Familien und Schulen.

Der Umgang mit Medien muss gelernt werden

Für Letzteres sprach sich auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in der Zeitung aus. Der Umgang mit digitalen Medien müsse an der Schule gelehrt werden. Von den Grünen kam darüber hinaus der Vorschlag eine "Bundeszentrale für digitale und Medienbildung" zu schaffen. Diese könne sich um die Unterstützung medienpädagogischer Projekte kümmern, bestehende Ideen und Erfahrungen vernetzen und die begleitende Forschung koordinieren, sagte die medien- und bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Margit Stumpp, der "Welt am Sonntag". Die AfD sieht laut dem Blatt keinen Handlungsbedarf.

Kinder teilen Gewaltvideos

Das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet hatte zuletzt im September in seinem Lagebericht einen wirksamen Schutz auf Smartphones gefordert. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz, hatte die Verantwortung dafür bei den Anbietern gesehen, die "existierende Techniken endlich gewinnbringend auch für den Jugendmedienschutz einzusetzen." Es brauche altersdifferenzierte Systeme, die leicht verfügbar und unkompliziert nutzbar seien.

Ende Oktober waren 21 Verdächtige zwischen 14 und 26 Jahren in das Visier einer Polizeirazzia geraten. Sie standen unter Verdacht, Videodateien die teils schwere sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen, weitergeleitet zu haben. Dabei hat es laut Bundeskriminalamt keine pädophilen Motive gegeben, allerdings auch kein Unrechtsbewusstsein. Viele Jugendliche würden das Weiterleiten solcher Inhalte als Bagatelldelikt sehen, erklärte das BKA.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 09:58 Uhr