Figuren einer Familie mit Kindern
"Residenzmodell" versus "Wechselmodell" - Juristen sehen Bedarf an Reformen und zeitgemäßeren Regelungen für den Umgang getrennter Eltern mit ihren Kindern. Bildrechte: dpa

Konferenz in Leipzig Juristen beraten über Sorge- und Unterhaltsrecht

Reformen im Sorge-, Umgangs- und Unterhaltsrecht sind eines der großen Themen des Juristentags, der am Mittwoch in Leipzig begonnen hat. Bis Freitag beraten 2.400 Fachleute über zeitgemäße Regelungen etwa für den Umgang getrennter Eltern mit ihren Kindern. Es gibt aber auch viele weitere Themen, und nicht selten sind die Ergebnisse handlungsleitend für die Politik.

Figuren einer Familie mit Kindern
"Residenzmodell" versus "Wechselmodell" - Juristen sehen Bedarf an Reformen und zeitgemäßeren Regelungen für den Umgang getrennter Eltern mit ihren Kindern. Bildrechte: dpa

In Leipzig hat am Mittwoch der 72. Deutsche Juristentag begonnen. Bis Freitag beraten rund 2.400 Fachleute von Hochschulen, Justizbehörden, Ministerien und Anwälte. Ihre Empfehlungen gelten als bedeutsam für die Entwicklung des Rechts und die Gesetzgebung in Deutschland.

Hauptthema Familienrecht

Großes Thema dieses Jahr sind Unterhaltsrecht, Umgangs- und Sorgerecht. Juristen sehen Bedarf an Reformen, da bei getrennten Eltern heute nicht mehr ausgemacht ist, dass ein Kind bei der Mutter lebt und ein Vater nur Unterhalt zahlt. Das "Residenzmodell" überwiegt noch. Laut Befragung teilen sich inzwischen aber 22 Prozent dieser Eltern die Betreuung hälftig. Da das geltende Recht aber vom "Residenzmodell" ausgeht, gibt es Probleme.

Neue Fragen etwa sind: Wie berechnet man Unterhalt beim "Wechselmodell"? Wie starr dürfen Formeln und zeitliche Festlegungen zum Umgang mit Kindern sein? Gehört geteilte Betreuung zum Umgangsrecht oder in das Sorgerecht? Und wie stark muss auch der Wille von älteren Kindern berücksichtigt werden?

Die Antworten auf solche Fragen dürften auch im Bundesjustizministerium beachtet werden. Dort prüft seit dem Frühjahr 2018 eine Arbeitsgruppe, welchen Reformbedarf es im Familienrecht gibt. Ergebnisse sollen 2019 vorliegen.

Warnende Grußworte

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) beklagte in ihrem Grußwort sich häufende Angriffe gegen den Rechtsstaat. Dieser sei durch eine Verschiebung des Diskurses zunehmend unter Druck, indem rechtsstaatliche Prinzipien immer wieder infrage gestellt würden. Dahinter stehe ein bewusstes Handeln, nicht mehr nur von politischen Außenseitern.

Nach den Worten von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) müsse der Gesetzgeber schneller arbeiten, um Vertrauen in den Rechtsstaat zu festigen. Er müsse für Transparenz, klare Regeln und effiziente Verfahren sorgen. Der Staat dürfe sich nicht durch überkomplexe Verfahren und Regelungen der Handlungsfähigkeit berauben. Als Beispiele nannte Kretschmer unter anderem Kriminalität im Internet und lange Planverfahren bei Infrastrukturprojekten.

Die Fachtagung findet bereits seit mehr als 150 Jahren statt. Inzwischen wird sie alle zwei Jahre veranstaltet - auch mit politischer Prominenz. Ein besonderer Gast in diesem Jahr in Leipzig ist Königin Silvia von Schweden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 26. September 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

27.09.2018 13:14 MuellerF 4

@2: Kinderehen dürfen in Deutschland nicht geschlossen werden. Das Problem sind im Ausland geschlossene Kinderehen-diese mussten lange Zeit von D. anerkannt werden, seit Juli 2017 werden sie jedoch NICHT mehr anerkannt. Es gibt jedoch, wie bei vielen Gesetzesänderungen, Übergangsfristen für "Altfälle". Informieren Sie sich doch bitte gelegentlich außerhalb Ihrer Filterblase!

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26.09.2018 21:27 REXt 3

Die Grußworte von Barley sind wieder köstlich, keine Probleme, ja, außer das Lieblingsthema, wie im Parteilehrjahr!

26.09.2018 20:22 Lisa 2

"Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) beklagte in ihrem Grußwort ... , indem rechtsstaatliche Prinzipien immer wieder infrage gestellt würden."

da gehöre ich dazu und das stelle ich Tag ein Tag aus infrage solange Kinderehen in Deutschland geduldet werden.

Oder sind diese jetzt legal?

26.09.2018 20:15 Lisa 1

"denn zwischen heutzutage getrennten Eltern ist nicht mehr ausgemacht, dass das Kind bei der Mutter bleibt und der Vater den Unterhalt zahlt. "

ich komme mir vor wie bei einer Zeitreise in die 50ger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Na klar, Mutter Vater Kind,

es gibt schon lange Zeit in Deutschland vielfältigere Partnerschaften und hier wird über ein längst vergangenes Auslaufmodell gestritten.