Das Apotheken-Logo ist auf einer Scheibe einer Apothekezu sehen.
Mit dem neuen Apotheken-Gesetz sollen Vor-Ort-Apotheken gegen die wachsende Internet-Konkurrenz geschützt werden. Bildrechte: dpa

Apotheken-Reform Kabinett stärkt Vor-Ort-Apotheken gegenüber Internet-Konkurrenz

Die Bundesregierung hat eine Apotheken-Reform auf den Weg gebracht. Mit dem Gesetzespaket will das Kabinett die Apotheken vor Ort gegenüber der Online-Konkurrenz stärken.

Das Apotheken-Logo ist auf einer Scheibe einer Apothekezu sehen.
Mit dem neuen Apotheken-Gesetz sollen Vor-Ort-Apotheken gegen die wachsende Internet-Konkurrenz geschützt werden. Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung will Apotheken vor Ort stärken und besser vor der Konkurrenz im Internet schützen. Dafür hat das Bundeskabinett am Mittwoch ein entsprechendes Gesetz und eine Verordnung auf den Weg gebracht.

Gleicher Preis für gesetzlich Versicherte

Die Neuregelungen sehen unter anderem vor, dass für gesetzlich Versicherte immer der gleiche Preis für verschreibungspflichtige Arzneimittel gelten soll - egal ob dieses von der Apotheke um die Ecke oder der Versandapotheke bezogen wird. So dürfen etwa Online-Apotheken aus dem Ausland bei verschreibungspflichtigen Medikamenten für gesetzlich Versicherte keine Rabatte mehr anbieten. Stattdessen müssen sie sich an feste Preise halten.

Mehr Geld für Nacht- und Notdienste

Für Nacht- und Notdienste sollen die Apotheken vor Ort künftig auch mehr Geld bekommen. Zudem sollen chronisch Kranke in Zukunft mit einem Rezept bis zu drei Mal ihr Arzneimittel in der Apotheke abholen können. Außerdem sehen die Neuregelungen vor, dass die Apotheken künftig auch Grippeschutzimpfungen anbieten dürfen. Das soll aber zuerst in regionalen Modellprojekten ausprobiert werden.

"Ein Stück Heimat"

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, spricht im Deutschen Bundestag, während der Debatte um das Pflegepersonalstärkungsgesetz.
Spahn: "Apotheke vor Ort ist ein Stück Heimat." Bildrechte: dpa

Durch die Maßnahmen sollen die Apotheken vor Ort gegenüber der Internet-Konkurrenz gestärkt werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begründete die Initiative am Mittwoch im Kabinett wie folgt: "Die Apotheke vor Ort ist für viele Menschen ein Stück Heimat – und eine wichtige Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten."

Bundesvereinigung begrüßt Reform

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begrüßte die Reform. Darin würden Vorschläge der Apothekerschaft aufgegriffen, die man schon vor vielen Jahren gemacht habe, die zu einer wesentlichen Verbesserung der Situation der Patientinnen und Patienten führen könnten, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt in einem Videostatement.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juli 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 16:22 Uhr

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11 Kommentare

19.07.2019 11:17 JanoschausLE 11

Wie hieß es immer? "die Reichsten in Deutschland sind Zahnärzte und Apotheker" (zumindest bei klein-und mittelstandsunternehmen). Überall, wo die Normalbürger etwas gut machen könnte, da wird gesagt, daß regelt der Markt. Wie Energie, sündhaft teuer, obwohl Daseinsvorsorge. Das, was man hier durch günstigere Tarife sparen könnte, da erhöhen die Lokalmathadoren einfach die durchleitungsentgslde. Hier hat die Lobby wieder gut gearbeitet, auf politische Entscheidungen. Klar, dass der apothekenverband das gut findet, müssen sich ja keinem Markt und Wettbewerb mehr stellen.

18.07.2019 12:13 aus Dresden 10

Stärkung des Mittelsstandes und der ortsnahen Versorgung: gute Sache!

18.07.2019 10:46 Michael Staesche 9

Das ist das Problem mit Meldungen, man muß sie verstehen...
Das sog. "Apothekenstärkungsgesetz" stärkt keine Apotheke, es stellt nur klar, das in einer Wettbewerbssituation IMMER die gleichen Regeln für alle gelten. Entweder alle dürfen Rabatte geben, oder keiner. Wenn ich Patienten von der Rezeptzuzahlung entlasten möchte, könnte ich als Politik diese einfach abschaffen. Für alle. Egal wo. Wenn ich Rabatte erlaube, beende ich die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente (für Bücher kämpfen wir darum). Das geht zu lasten kleiner Geschäfte (wir alle genießen die großen Super- und Elektromärkte wegen ihrer Top-Bedienung...), und zu Lasten der Patienten, die dann nach der Apo suchen müssen, wo sie nichts oder wenig draufzahlen müssen. Oder sich ein Medikament nicht leisten können, und deshalb sterben. Brave new world...

18.07.2019 09:15 H.E. 8

@5 H.E.
Zur Beratung möchte ich noch folgendes sagen: Man kann bei dem DocMorris ständig mit einer kostenfreien Nummer anrufen und bekommt IMMER kompetente Auskunft von einem Arzt oder Apotheker und man wird nicht so abgefertigt wie häufig in Apotheken. Und bei anderen Versandhändlern wird es wahrscheinlich ähnlich laufen.

18.07.2019 08:34 Josef Müller 7

Wie steht´s denn mit einem persönlichen Beitrag zum Umweltschutz, klein aber nachhaltig? Versandhandel nur dann, wenn´s nicht vor Ort geht und zwar generell!

18.07.2019 07:49 ReneS 6

Und wieder ein Beispiel für echte Lobbyarbeit. Das scheint ja, genauso wie die Postenschieberei, immer noch gut zu funktionieren. Ich werde aber weiterhin meine Medikamente von der Onlineapotheke meines Vertrauens beziehen.

17.07.2019 22:35 H.E. 5

Es gibt viel zu viele Apotheken bei uns. Ich wohnte in einem Teilort in Karlsruhe, da gab es 6 Apotheken in der Hauptstraße von ca. 3/4 Kilometer Länge und drei waren keine 50 Meter voneinander entfernt. Aber in weiter weg liegenden Straßen gab es auch noch vereinzelt welche.
Wenn dort 6 Buchhandlungen, oder 6 Schuhgeschäfte etc. gewesen wären, hätte es geheißen, wie kann man nur.
Und nun will unser Bundesgesundheitsminister auf Druck der Apothekerlobby den Versandhandel von DocMorris etc, wo ich anstatt für meine 5 Medikamente nur 12,50 Euro zahlen muß anstatt 25 Euro dies verbieten. Da kann man nur hoffen, daß der Versandhandel klagt. Außerdem bekomme ich immer eine Verträglichkeitsliste mitgeliefert, während ich in einer Apotheke schon einmal ein falsches Medikament bekam, was ich zum Glück rechtzeitig merkte. Es hätte für meine Schilddrüse bzw. meine Gesundheit verheerende Folgen gehabt. Und die angebliche tolle Beratung kann man eh vergessen.

17.07.2019 22:28 Rheinhesse66 4

Arzneimittel sind keine Handelsware und der Apotheker ist ein Heilberufler. Der Auftrag der Apotheke ist die ordnungsgemässe Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Es dürfen keine Anreize zum Mehrgebrauch von Arzneimitteln geschaffen werden. Wir brauchen also sofort wieder ein Verbot der freien Preisbildung im nicht verschreibungspflichtigen Bereich. Rabatte, die alle Apotheken geben, gehen natürlich an die Krankenkassen. Sie gehören der Solidargemeinschaft und nicht den einzelnen Versicherten.

17.07.2019 22:12 MaP 3

Ich verstehe da wohl etwas nicht ganz: bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, muss man als gesetzlich Versicherter doch nur die Zuzahlung von 5€ bezahlen, egal ob im Internet oder vor Ort. Wichtig ist mir, dass freiverkäufliche Medikamente und solche, die die Kasse nicht bezahlt, in der Onlineapotheke günstiger sind und die kaufe ich dann dort auch (oder im Nachbarland). Egal ob Heimatapotheke oder nicht, mir gibt keiner was, wenn mein Geld nicht bis Monatsende reicht. Und was die Apotheken verlangen ist schon oft richtige Abzocke.

17.07.2019 20:35 Udo K 2

Und wieder zum Nachteil für gesetzlich Versicherte.
Oder werden sich die Vor-Ort Apotheken jetzt den niedrigeren Preisen der Online-Apotheken anschließen?