Stimmzettel Bundestagswahl mit Schriftzug Zweitstimme und angekreuztem Feld
Wo soll man nur sein Kreuz machen? Für viele stellt sich diese Frage im September zum ersten Mal. Bildrechte: IMAGO

Bundestagswahl Der Kampf um Erstwähler

Fast fünf Prozent der Wahlberechtigten dürfen im September zum ersten Mal wählen. Anders als bei vielen älteren Wählern sind Jungwähler in der Regel nicht auf eine Partei festgelegt. Ein großes Potenzial und eine ideale Zielgruppe also für Wahlkämpfer. Doch wie kommen die Parteien an die jungen Menschen ran?

von Gabriele Intemann, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Stimmzettel Bundestagswahl mit Schriftzug Zweitstimme und angekreuztem Feld
Wo soll man nur sein Kreuz machen? Für viele stellt sich diese Frage im September zum ersten Mal. Bildrechte: IMAGO

"Werde Shitstorm-Trooper! Wir, der Bundesverband der Jungen Liberalen, suchen für unsere Bundestagswahl-Kampagne Shitstorm-Trooper in unserem Social Media Warroom in Berlin."

Mit diesem Text suchen die Jungen Liberalen im Internet Wahlkampfhelfer für die Bundestagswahl. Die Stormtrooper aus der Starwars-Serie sind dabei mehr ein Marketing-Gag, gibt der Leiter der Kampagne, Florian Ott, freimütig zu.

Da stecken weniger Konzept und tiefgründige Überlegungen dahinter, als einfach das Verständnis dafür, dass es ein ziemlich gut funktionierender Begriff ist bei jungen Leuten.

Florian Ott, Leiter der Kampagne

FDP bei Jüngeren wieder beliebter

Ott glaubt, der Begriff bringe auf den Punkt, was im "Social-Media Warroom" passieren soll. Online und Soziale Medien spielen die zentrale Rolle im Wahlkampf der Jungen Liberalen. Auch wegen des Erfolgs bei den letzten Landtagswahlen, erklärt Ott. In Schleswig-Holstein habe keine andere Partei so viel hinzugewonnen wie die FDP bei den 18- bis 24-Jährigen.

Doch auch bei den Jungen Liberalen findet Wahlkampf nicht nur im digital statt. Sie wollen weiterhein auch 'Offline-Wahlkampf' machen, so Ott. Allerdings weniger an Haustüren und auf Marktplätzen. "Wir wollen da sein, wo unsere Zielgruppe ist. Schließlich ist die weniger mittwochs um neun Uhr auf dem Wochenmarkt oder samstags um zehn in der Fußgängerzone, sondern vielleicht viel eher am Wochenende im Freibad, abends beim Grillen im Park oder vor dem Kino."

Junge Impulse für Parteien

Auch die SPD setzt bei den jungen Wählern auf ihre Jugendorganisation, sagt Generalsekretärin Katharina Barley. "Unsere Jusos machen eine ganz eigene, unabhängige Kampagne." Vor allem aber sorgten die Jusos auch dafür, dass jugendliche Inhalte ins Programm kommen. Eine Wunschliste gab die Juso-Vorsitzende Johanna Ueckermann dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf der Jungendkonferenz im März mit auf den Weg.

Wir wollen, dass endlich mehr investiert wird, insbesondere natürlich in Schulen, in Bildung, auch in die Berufschulen, dass mehr getan wird für die Digitalisierung und für unsere Infrastruktur.

Johanna Ueckermann, Juso-Vorsitzende

Erst die Botschaft, dann das Mittel

Fast alle Juso-Themen schafften es in den Entwurf des SPD-Wahlprogramms. Auch in den anderen Parteien liefern die Jugendorganisationen Impulse bei den Themen. Ein wichtiger Input auch für die Bundestagswahl. Denn jede Wählergruppe habe ihre eigenen Motive, sagt der Wahlkampfleiter der CDU, Stefan Hennewig.

Die CDU müsse mit ihrer Programmatik das passende Angebot haben. "Wenn das nicht da ist, nützt auch die beste Kampagne nichts." Erst käme die Botschaft, dann das Mittel, mit dem sie transportiert werde. "Das kann Facebook sein, aber auch noch jüngere Kanäle wie Snapchat oder Instagram."

Bei den Jungen Liberalen werden dafür bald die Shitstorm-Trooper zuständig sein - im "Social Media Warroom".

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 01.06.2017 | 11:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2017, 13:23 Uhr

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12 Kommentare

02.06.2017 07:51 REXt 12

Man muß nur den Menschen genug Honig ums Maul schmieren, dann glauben die alles was zu hören u. Lesen ist! Aber bekanntlich stürzen solche "Kartenhäuser" früher o. später ein, je später, um so fürchterlicher. Aber bekanntlich haben viele (Ost) deutsche 40 Jahre an den Sozialismus geklaubt o. glauben noch daran, dann gab es diesen befreiungsknall mit all seinen Folgen. Laßt euch von den Etablierten vor der Wahl einlullen, nach der Wahl ist alles vergessen bei denen, um so schlimmer wird das erwachen werden!

02.06.2017 06:37 Wo geht es hin? 11

Liebe "Erstwähler"! Um euch wird "gekämpft"? Aber keine Angst, spätestens im September nach der Wahl nicht mehr und dann habt ihr wieder 4 Jahre Ruhe...

01.06.2017 21:47 Sabrina 10

@ 01.06.2017 09:49 emil 1
ist mir auch so gegangen.
Ich habe auch geglaubt und diese Leute haben jedesmal dem Volk den Tritt gegeben.
Die Wahlergebnisse muss man anzweifeln.

01.06.2017 21:27 Zabel 9

ich bin Erstwählerin, eine Frau, aber nicht naiv und realitätsfern wie andere gerade junge Frauen!

01.06.2017 20:31 Fragender Rentner 8

Zitat von Oben: Bundestagswahl
Der Kampf um Erstwähler

Was werdet ihr denen auf Handy zaubern?

Versprechungen?

01.06.2017 18:01 I. Maier 7

@ 5 karsuppke: In der Alterspyramide für Deuschland ist eindeutig zu sehen, dass das Wählerpotential der 45-60-Jährigen am größten ist. Die 15-19-Jährigen fallen wenig auf. Nun frage ich mich, ob Sie wirklich mit (ich zitiere Sie) "... durch eine Alternative stoppen ..." die AfD meinen? In Ihren Ausführungen fallen die jungen Leute ja auf solche "Konsensparteien" (Ich muss wieder anmerken, was ist eine Konsenspartei?) herein und scheinbar nicht auf die AfD. Nein, die älteren Leute fallen auch nicht auf die AfD herein! Sehen Sie sich doch ernsthaft die letzten Wahlergebnisse und die Umfragen zur AfD an. Gerade so wurde die 5%-Hürde überwunden und schon hat man Angst einige junge Wähler könnten zu Ihren sogenannten "Konsensparteien" abspringen und kämen für die AfD nicht infrage. Nein auch andere wollen die AfD nicht. Saarland 6% und NRW 7,4%! Da kommt es auf die wenigen Erstwähler nicht an. Die AfD würde in allen Altersgruppen zu wenige Menschen ansprechen. Warum wohl?

01.06.2017 17:42 Ulf 6

Wenn man sich mal die Parteien so ansieht, so haben sie doch ein recht hohes Durchschnittsalter ihrer Parteimitglieder. Wer nun meint, dass da die geballte Weisheit der Gesellschaft versammelt ist, der irrt. Ich bin der Ansicht, dass auch junge Leute vernünftige Ansichten haben können und auch mit 16 reif für das passive und aktive Wahlrecht sein können. Wenn nur ältere Leute die Politik bestimmen, werden die Themen Familie, Kinder und Jugendliche möglicherweise nachrangig behandelt. Die Gesellschaft muss gerade junge Menschen dafür gewinnen, dass sie sich politisch engagieren und für die Demokratie einsetzen. Und nebenbei bemerkt, viele ältere Leute fallen auch auf falsche Versprechungen herein. Bei den sogenannten Kaffeefahrten sind es doch die älteren Leute, die reihenweise über den Tisch gezogen werden.

01.06.2017 16:21 karsuppke 5

Die jungen Leute kann man eben noch besser mit Propaganda manipulieren, da hofft man noch auf Ideale , sie wurden noch nicht in Jahrzehnten mit leeren Versprechungen hingehalten. Da fällt man schon mal auf die Konsensparteien herein.
In ein paar Jahren sind diese dann älter, so wie wir jetzt u. so geht alles immer weiter, sollten wir das alles nicht einmal unterbrechen u. durch eine Alternative stoppen.

01.06.2017 13:49 D.o.M. 4

Da man die Jugendlichen in er Institution Schule gut vorbereiten kann und dies auch tut, sind sie als Erstwähler hochwillkommen besonders bei allen linken Parteien

01.06.2017 12:54 Guter Schwabe 3

@1 emil: Ich gehe sogar noch weiter. Die Sozis und die Grünen wollen nicht umsonst das Wahlalter auf 16 Jahre und das Wahlrecht für Flüchtlinge mit Duldungsstatus, einführen. Genau diese Zielgruppen sind heute durch unsere Medienlandschaft mit Falschmeldungen und Lügen zu beeinflussen. Die Älteren mit Lebenserfahrung wählen was sie für Richtig halten und denken das was ihre Zukunft besser sein könnte.