Bildkombo - Volker Kauder und Ralph Brinkhaus
Volker Kauder ist seit 2005 Unionsfraktionschef, erstmals stellt sich ihm mit Ralph Brinkhaus ein weiterer Kandidat entgegen. Bildrechte: dpa

Unionsfraktion wählt Vorsitzenden Brinkhaus fordert Merkel-Vertrauten Kauder heraus

Seit Angela Merkel ins Bundeskanzleramt einzog, ist Volker Kauder ihr Fraktionschef im Bundestag. Am Dienstag will sich der Merkel-Vertraute im Amt bestätigen lassen. Doch erstmals hat er mit Ralph Brinkhaus einen Gegenkandidaten. Dem Außenseiter werden keine großen Chancen eingeräumt. Aber die Wahl gilt als Stimmungstest über Merkels Rückhalt in der Unionsfraktion.

Bildkombo - Volker Kauder und Ralph Brinkhaus
Volker Kauder ist seit 2005 Unionsfraktionschef, erstmals stellt sich ihm mit Ralph Brinkhaus ein weiterer Kandidat entgegen. Bildrechte: dpa

In der Unionsfraktion steht am Dienstag die Wahl des Vorsitzenden an. Erstmals seit 2005 hat Amtsinhaber Volker Kauder einen Gegenkandidaten: den 50 Jahre alten Steuerberater Ralph Brinkhaus.

Dieser begründet seine Kampfkandidatur mit dem Wunsch nach einer aktiveren Rolle der CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten gegenüber der Regierung. In seinem Wahlkreis habe er Unzufriedenheit unter den Anhängern ausgemacht, sagt der Westfale.

In einer Rede vor der Fraktion forderte er, die Union müsse raus aus der Defensive. Partei, Regierung und Fraktion müssten sich mehr als bisher die Bälle zuwerfen. Zudem müsse die Fraktion Themen früher setzen als bisher.

Ausgewiesener Finanzexperte

Brinkhaus gilt als ausgewiesener Finanzexperte. In der CDU kümmerte er sich im Bundesfachausschuss Wirtschaft ab 2010 um den Bereich Finanzmarktregulierung. Seit 2016 ist er einer von zwölf Stellvertretern des Fraktionsvorsitzenden Kauder – mit dem Schwerpunkt Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik.

Seit 1998 in der Union und erst seit 2009 im Bundestag ist Brinkhaus bislang nicht als Netzwerker aufgefallen. Seine Kandidatur hatte er weder mit dem Wirtschaftsflügel der Union noch mit seinem Landesverband abgesprochen. Auch aus der CDU-Spitze gibt es für ihn keine Unterstützung.

Kaum Chancen, aber Stimmungstest für Merkel

Volker Kauder
Volker Kauder ist seit dem 21. November 2005 Vorsitzender der Unionsfraktion - so lange wie Merkel bereits Kanzlerin ist. Bildrechte: dpa

Gegen Volker Kauder werden Herausforderer Brinkhaus nur geringe Chancen eingeräumt. Von erfahrenen Abgeordneten heißt es, er könne womöglich mit 30 Prozent der Stimmen rechnen.

Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel hat Kauder bereits ihre Unterstützung zugesichert. Dem schlossen sich CSU-Chef Horst Seehofer und der CSU-Landesgruppenvorsitzende Alexander Dobrindt an.

Im SWR trat Brinkhaus dem Eindruck entgegen, Stimmen für ihn könnten als Zeichen gegen die Kanzlerin gewertet werden. Eine Beschädigung der Kanzlerin wolle niemand, "und schon gar nicht ich".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 25. September 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 05:00 Uhr

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14 Kommentare

26.09.2018 16:01 Fragender Rentner 14

Er war doch der Stellvertreter von Hr. Kauder und schwimmen die da nicht auf der gleichen Welenllänge?

Meine ja, also wird es wohl nur eine Änderung der Köpfe geben.

26.09.2018 15:52 Fragender Rentner 13

Wer glaubt das sich da etwas ändern wir?

Leute schaut wir arbeiten doch für euch und seht es tut sich schon etwas im Personal. :-)

26.09.2018 14:35 Frederic 12

Das nicht mehr der Merkel folgen -- Gute Frage -
Nur die, welche der Merkel, deren Worten - Tun - folgen, sind Stupiede und taub.
Dass etliche der BRD - Deutschland gibt es nicht mehr,
Selbstdarsteller - angebliche Politiker, der Merkel und deren Unsinn folgen, hat den Grund - von Fressnapf nicht weggestossen zu werden. Der BRD Bundestag - Mitglieder ist fast 3x so groß wie derin den USA - alle sitzen so am Futtertrog - das ist Geldverschendung und eine Schande für die BRD --

26.09.2018 12:59 Werner 11

Bin mir ziemlich sicher, dass man keinen "langen Arm" mehr benötigt, um bestimmte politische Dinge durchzusetzen - weil man es so perfekt "organisiert" hat, dass man die einfach am Kaffetisch besprechen kann - so von (ehemaligem) "Sprecher" zu "Sprecher". "Abtauchen" ist nachvollziehbar - zum Selbstschutz - wie immer und überall das bisher so gewesen ist.

26.09.2018 01:08 Klaus 10

@ { 25.09.2018 20:39 Nelly }
Unfähig insofern, dass man einfache Probleme sehr umständlich und mit viel Porzellanzerstörung angeht. Aber ansonsten bin ich mit dieser "Truppe" recht zufrieden. Noch zufriedener wäre ich, wenn der Poltergeist aus Bayern endlich seinen Ruhestand antreten würde.
Aber jetzt haben wir einen neuen Mann in der Fraktionsspitze und diese Erneuerung ist auf jeden Fall zu begrüßen. Alles auf einen Schlag auswechseln, das würde ich nicht so gut finden. Auch die Erneuerung sollte Schritt für Schritt gehen. Mal sehen wie es in der CSU weitergeht, da hat ja einer schon lange das Rentenalter erreicht.

25.09.2018 20:39 Nelly 9

@ 7: Dürfte ,nein muss, in einer funktionierenden Demokratie logisch die Mißtrauensfrage nach sich ziehen. Hörte ich eben in einem Kommentar beim ZDF. Mal sehen was geschieht. Wir stellen die Weichen auf Zukunft und machen den Weg für Menschen mit wirklichen Visionen frei, oder wir wurschteln mit dieser unfähigen Truppe weiter.

25.09.2018 19:48 nasowasaberauch 8

Das ist eine Niederlage für das System Merkel und zumindest ein Anfang für die Erneuerung dieser eingerosteten CDU. Hoffentlich kommt nun Bewegung in politische Entscheidungen für die Schaffung von Gesetzen zur Erleichterung von Abschiebungen, es ist höchste Zeit.

25.09.2018 18:28 Frank 7

Mittlerweile ist das Ergebnis bekannt. Frau Merkel dürfte es nicht gefallen, denn es riecht nach Götterdämmerung. Die Unzufriedenheit in der Fraktion ist wohl größer als von ihr vermutet.

25.09.2018 16:57 Mensch 6

"Stimmungstest" nicht bestanden! Haha!

25.09.2018 15:13 Olivier 5

Meine Meinung dazu ist,
parteiinternes Geplänkel, soll dem Wähler Ernsthaftigkeit oder gar Erneuerungswillen vorgespielt werden?
Ist das einem Artikel wert?
Da gibt es Wichtigeres!