Merkels Nachfolge offen wie nie CDU, SPD und Grüne: Nirgends ein Kanzlerkandidat

Anderthalb Jahre vor der Kanzlerwahl ist bei keiner Partei klar, wer für das Amt aufgestellt wird. Mögliche Kandidatinnen und Kandidaten gibt es aber genug. Von Söder über Scholz zu Baerbock und Habeck – was sagen sie selbst zur K-Frage?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt neben Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister, zur Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Erneut für das Kanzleramt kandidieren will Angela Merkel nicht, das bekräftigt sie immer wieder. Die Frage ist also, wer übernimmt. Vizekanzler Olaf Scholz möchte sich noch nicht äußern. Bildrechte: dpa

Norbert Röttgen, Armin Laschet, Friedrich Merz, Markus Söder, Robert Habeck, Annalena Baerbock, Olaf Scholz, Rolf Mützenich, Manuela Schwesig, Franziska Giffey … Namen möglicher Kandidatinnen und Kandidaten gibt es genug. Nur festlegen will sich noch keine Partei.

Auch wenn die Debatte gerade neu aufgeflammt ist: Für seine CDU sei die K-Frage im Moment sowas von überhaupt kein Thema, findet Generalsekretär Paul Ziemiak: "Das halte ich für eine Diskussion, die jetzt überhaupt nicht zielführend ist."

Das "Söder-Fieber"

Armin Laschet und Markus Söder
Konkurrenten um die K-Kandidatur: Armin Laschet und Markus Söder (r.). Bildrechte: imago images/Future Image

Corona und die Krisenfolgen seien wichtiger. Stimmt, nur dazu möchte man ja vielleicht gern auch was hören vom künftigen Kanzler oder der Kanzlerin. Ohne Corona hätte die CDU immerhin schon einen neuen Vorsitzenden und die K-Frage wäre vielleicht schon beantwortet.

Wobei hier ja die CSU mitredet, sagt Parteichef Markus Söder fast schon Mantra artig:"Beim Parteivorsitz entscheidet die CDU natürlich, beim Kanzlerkandidat geht das nur gemeinsam." Vielleicht möchte Markus Söder doch selbst ran. Sagt er aber nicht. Dabei ist er so beliebt wie noch nie. Sein Corona-Krisenmanagement kommt so gut an, dass sogar schon von "Söder-Fieber" die Rede ist. Ist das ernst oder geht das vorbei?

Natürlich geht das wieder vorbei!

Markus Söder "Maischberger die Woche" (20.5.2020)

Das sagt der CSU-Vorsitzende selbst. Schade eigentlich, weil damit ist die K-Frage in der Union wieder offen. Obwohl sich sogar CDU-Mann Friedrich Merz Söder als Kandidaten vorstellen kann: "Denkbar, klar."

Friedrich Merz (CDU)
Hat Friedrich Merz noch Chancen? Bildrechte: dpa

Unklarheit bei der SPD

Olaf Scholz spricht und macht eine weitausholende Geste
Erst Finanzminister, dann eventuell Kanzler? Olaf Scholz würde es sich wohl zutrauen. Bildrechte: dpa

Was in der SPD denkbar ist, ist dagegen ziemlich unklar. Wer soll es machen nach Steinmeier, Steinbrück, Schulz? "Schneider," scherzt der parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider. Immerhin, er stünde in der langen Reihe derer mit S.

So wie derjenige übrigens, dem es viele am ehesten zutrauen, "Topfschlagen spielen wir nicht," wiegelt der gemeinte Finanzminister Olaf Scholz aber ab. Die Vorsitzenden werden einen Kandidaten vorschlagen, bescheidet er, sagt dann aber immerhin so viel: "Ein Geheimnis will ich verraten, wir machen das vor der CDU/ CSU."

Also weiter rätseln und warten. Die Vorsitzenden suchen dem Vernehmen nach übrigens jemanden links von Olaf Scholz.

Auch die Grünen legen sich nicht fest

Nicht lang suchen müssten die Grünen. Die beiden Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck werden gehandelt. Festlegen will sich Annalena Baerbock aber nicht.

Ist noch zu früh, sagt sie, offenbar auch aus taktischen Gründen: "Schon anderthalb Jahre im Voraus zu sagen, wir wissen schon was nächstes Jahr im September für diese Gesellschaft wichtig ist, das halte ich für absolut anmaßend."

Zu Beginn des Bundesparteitags der Grünen sitzen Annalena Baerbock (r) und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, auf der Bühne.
Zwei K-Kandidaten? Annalena Baerbock und Robert Habeck. Bildrechte: dpa

Noch mal zurück zur Union: Bei der würde vermutlich eine ziemlich locker noch mal das Rennen machen – aber die will nicht mehr, echt nicht…

Nein, wirklich nicht.

Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2020 | 05:00 Uhr

51 Kommentare

wo geht es hin vor 4 Wochen

Angesichts der debatte bei der CDU um Quoten wäre ich ja für eine parteiübergreifende Lösung: das Trio Infernale AKK, Esken und Baerbock hätte einen gewissen Charme. Zumindest müsste man sich keine Gedanken um Kompetenz und Sachverstand mehr machen - das ist ja wohl jetzt schon hinreichend geklärt.

Gerd Mueller vor 4 Wochen

wir hoffen unsere beste Kanzlerin seit 30 Jahren sagt 2021:

Taralala ich machs noch mal

vom vorhandenen bekanntem Personal kämen nur Robert Habeck und Marcus Söder in Betracht - so weitsichtig abgewogen und diplomatisch klug wie Frau Merkel ist niemand in Sicht.

Wessi vor 4 Wochen

@ Elbflorenz ...ich muß traurig lachen...wie die Afd sich fühlt ist mindestens in Sachen Zentrum gelogen.Das Zentrum war die Partei der Katholiken.Die Katholiken, sogar derzeit, waren+sind Feinde des Natinonalismus.Siehe auch heute Haltung der Katholiken zur AfD, s. Galen.Stresemann war jemand den man heute als "Brüsselknecht" ihrerseits diffamieren würde.Die "Organisation Consul" war Bestandteil derjenigen die man am 20.Juli 1945 aktiv bekämpfte.Also die Vorgänger von Höcke, Kalbitz+Curio.Die AfD ist nicht konservativ im heutigen Sinne, denn Konservativismus fusst auf der BRD,die ihrerseits auf dem 20.07.44 fusst und sich weiterentwickelte durch '68 und die Beseitigung der Bräunlinge die sich heute anmaßen aus den Löchern zu kriechen+zu behaupten, sie wären konservativ. Die AfD ist revisionistisch, gefährlich+die Mehrheit will sie nicht.Ob sie nun einen Kanzlerkandidaten aufstellte oder nur den Rechtsstaat bekämpfte.Sie scheinen sich eine 2.Welle zu wünschen?Entlarvt.Gegen das Volk!