Ein Kruzifix im Gegenlicht eines Kirchenfensters
Rund 3.700 sexuelle Vergehen stehen in den Personalakten der katholischen Kirche in Deutschland. Bildrechte: IMAGO

Katholische Kirche Karriere trotz Missbrauchsvorwürfen

Die Deutsche Bischofskonferenz hat ihre alten Personalakten durchforsten lassen. Forscher zählten dabei Tausende sexuelle Vergehen und stellten fest, dass manche Karriere trotz Missbrauchsvorwürfen unbeschadet blieb.

Ein Kruzifix im Gegenlicht eines Kirchenfensters
Rund 3.700 sexuelle Vergehen stehen in den Personalakten der katholischen Kirche in Deutschland. Bildrechte: IMAGO

In der katholischen Kirche haben Geistliche trotz Missbrauchsvorwürfen Karriere machen können. Das berichtet die "Zeit" und beruft sich auf eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz. Demnach hatte von 1.670 Beschuldigten etwa jeder Zehnte ein höheres Kirchenamt inne.

Belegen können die Forscher dem Bericht zufolge, dass mutmaßliche Täter aus der unteren Kirchenhierarchie später in höhere Posten aufstiegen. 110 Beschuldigte seien erst nach der mutmaßlichen Tat in ein höheres Kirchenamt gekommen. 36 Beschuldigte bekleideten ein solches Amt vor und nach der mutmaßlichen Tat.

Viele Verfahren eingestellt

Die Studie belegt zudem, dass Strafverfahren gegen mutmaßliche Täter aus der katholischen Kirche besonders häufig eingestellt wurden. Bei Kirchenvertretern seien es 67 Prozent der Verfahren gewesen, bei vergleichbaren Fällen in Schulen und Sportvereinen aber nur 20,5 Prozent. Als Hauptgrund wird Verjährung genannt.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte eine umfangreiche wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, um den 2010 öffentlich gewordenen Missbrauchsskandal aufzuarbeiten. Dabei wurden interne Akten über Priester seit dem Kriegsende bis 2014 ausgewertet. Die Studie soll am 25. September offiziell vorgestellt werden.

Viele Opfer waren Jungen

Teile der Studie waren bereits von "Spiegel" und "Zeit" publik gemacht worden. Demnach sind sexuelle Vergehen an insgesamt 3.677 zumeist männlichen Minderjährigen durch Kleriker belegt. Die Taten sollen 1.670 Geistliche begangen haben. Demnach waren 4,4 Prozent aller Kleriker der deutschen Bistümer mutmaßlich Missbrauchstäter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. September 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2018, 10:04 Uhr

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7 Kommentare

16.09.2018 17:27 Fragender Rentner 7

Wieso haben die in den letzten Jahrhunderten geschlafen? :-(

Geht schließlich nicht erst seit Gestern oder nur in einem Land !!!

16.09.2018 14:55 H.E. 6

Die Bischöfe fordern Konsequenzen, hoffentlich wird dies dann auch durchgeführt.
Vor einiger Zeit hat ein Pfarrer gegen seine Diözese Rottenburg-Stuttgart geklagt, weil seine Altersbezüge von unserem Bischof ziemlich beschnitten wurden, weil es inzwischen bekannt wurde, daß er auch Kinder mißbraucht hatte.
Zum Glück bekam die Diözese vor Gericht recht und nicht der Pfarrer.

15.09.2018 21:43 der_Silvio 5

Absolut widerwärtig!
Ich hoffe Kirche und Justiz reagieren richtig und die Strafverfolgung wird ohne Ansehen der Person aufgenommen!

15.09.2018 20:58 Schrumpel 4

Ich lese hier von 3700 Missbrauchsfällen. In Worten Dreitausendsiebenhundert. Ich frage nun ernsthaft, wieviele Vereine, Parteien und Organisationen verboten und oder beobachtet wurden, wo wesentlich weniger Straftaten begangen wurden. Wo fragen hier unsere „Qualitätsjournalisten“ mal nach ? Wo sind hier Kleber, Maischberger und Co. ? Bei der Anzahl an Straftaten frage ich mich, ob die katholische Kirche nicht auch verboten werden sollte? @ MDR , ist dieser Beitrag gegen die Richtlinien, und wenn ja, warum ? Viele Grüße

15.09.2018 14:53 Morchelchen 3

Das eigentliche Problem dabei ist nicht "die Kirche". Sondern es sind, wie eigentlich immer bei schlimmen Vorfällen, Menschen ohne Verantwortungsbewusstsein oder Moral. Jeder Pädophile, der sich bewusst dafür entscheidet, seine Berufswahl so zu treffen, dass er seine Neigung ausleben kann, schadet nicht nur dauerhaft seinen Opfern, sondern immer dem Ansehen seines Arbeitgebers. Ob das, wie in dem Fall, die Kirche ist, oder ein Sportverein, eine Bildungseinrichtung oder ein Heim - darauf fällt auch ein dunkler Schatten. Doch wird es nie anders werden, wenn der Hang zum Wegsehen, und eine Justiz, die viel zu lasche Strafen verhängt für Menschen mit solcher Neigung, allgegenwärtig sind. Leider wird man häufig zensiert, wenn man nicht einfach in pauschale Kritik verfällt, sondern sich wünscht, es würde zukünftig bei Anwärtern auf eine Ausbildung, die Umgang mit Kindern und Jugendlichen fokussiert, halt besser hingeschaut und nachgefragt, wie und warum gerade die Ausbildung gewählt wird.

15.09.2018 12:45 Wo geht es hin? 2

Warum wird hier eigentlich kein medialer Shitstorm, Brandreden im BT oder Demos/Konzerte "wiesindmehr gegen Missbrauch" entfacht? Alles nicht so schlimm? Na denn...

15.09.2018 11:12 H.E. 1

Ich als praktizierende Katholikin finde es ungeheuerlich, daß sogar bei Mißbrauchsfällen und diese der Amtskirche bekannt wurden diese Kleriker innerhalb der Kirche weiter Karriere machen konnten.
Sagen kann die Kirche was die Moral und sonstige andere soziale Dinge anbetrifft, was sie wollen. Ich habe 2 Ohren, zum einen gehts rein und zum anderen raus.
Ich mache nur noch dies und spende auch nur noch dann, was ICH und wenn ICH es für richtig halte und nicht wenn die Amtskirche dies für richtig hält.