Zwei Seenotretter in einem Schlauchboot schauen zum Rettungsschiff 'Alan Kurdi' hinüber.
Tagelang hatte das Rettungsschiff "Alan Kurdi" Anfang Juli nach einem sicheren Hafen für 65 Migranten gesucht. Bildrechte: Pavel D. Vitko/Sea Eye/dpa

Seenot-Gipfel auf Malta Bisher kaum Bootsflüchtlinge in Deutschland angekommen

Nach ständigen Diskussionen über die Aufnahme von aus Seenot geretteter Flüchtlinge hat der Bundesinnenminister vor einigen Tagen eine Sonderaufnahmeregelung vorgeschlagen - und für viel Diskussion gesorgt. Am Montag nun berät er darüber mit Amtskollegen unter anderem aus Frankreich und Malta. Aber wie viele Betroffene sind denn bis jetzt tatsächlich überhaupt nach Deutschland gekommen?

Zwei Seenotretter in einem Schlauchboot schauen zum Rettungsschiff 'Alan Kurdi' hinüber.
Tagelang hatte das Rettungsschiff "Alan Kurdi" Anfang Juli nach einem sicheren Hafen für 65 Migranten gesucht. Bildrechte: Pavel D. Vitko/Sea Eye/dpa

Seit einer Woche sorgt eine Ankündigung von Bundesinnenminister Horst Seehofer für Diskussionen um die Aufnahme von Geflüchteten. Der CSU-Politiker hatte erklärt, er könne sich vorstellen, jeden vierten der Bootsflüchtlinge nach einer Seenotrettung auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute in Deutschland aufzunehmen.

An diesem Montag nun trifft Seehofer die Innenminister von Malta, Italien und Frankreich auf Malta, um über eine solche Übergangslösung zu beraten. An dem Treffen will unter anderem EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos teilnehmen. Aber wie viele der aus Seenot geretteten Menschen sind denn bis jetzt tatsächlich überhaupt nach Deutschland gekommen?

Differenz zwischen Zusagen und tatsächlicher Aufnahme

"Deutschland hat sich seit Juni 2018 zur Übernahme der Zuständigkeit für bis zu 565 aus Seenot gerettete Personen bereit erklärt", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums MDR AKTUELL. 314 der Geretteten können den Angaben zufolge erst nach Deutschland, wenn sie die nötigen medizinischen Tests und Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen haben. Bei 27 weiteren Betroffenen ist offenbar unklar, wo sie sich aufhalten. Tatsächlich hat die Bundesrepublik demnach seit Sommer vergangenen Jahres 225 aus Seenot gerettete Flüchtlinge aufgenommen.

Heruntergebrochen auf eine Stadt wie zum Beispiel Leipzig, bedeutet das konkret: fünf zusätzliche Flüchtlinge. Insgesamt kamen in dem Zeitraum auf mindestens 18 Schiffen 2.199 aus Seenot gerettete Flüchtlinge in Europa an.

Tagelange Verhandlungen, bevor Seenotretter Häfen anlaufen können

"Seit etwa einem Jahr, seit Juni 2018, hat sich schrittweise eine Verfahrensweise zur Verteilung von aus Seenot geretteten Flüchtlingen, die über die zentrale Mittelmeer-Route kommen, etabliert. Hier wurde unter Vermittlung der Kommission oft tagelang telefoniert, bevor Schiffe mit Geretteten einen Hafen in Italien oder Malta anlaufen und die Migranten auf europäische Mitgliedstaaten verteilt werden konnten", sagte ein Sprecher des Innenministeriums MDR AKTUELL.

Bundesinnenminister Seehofer will nun mit der von ihm vorgeschlagenen Quotenregelung einen humanitären befristeten Notfall-Verteilmechanismus für die zentrale Mittelmeerroute etablieren, der schnellere Lösungen erlaubt. Neben Frankreich, Italien und Malta sollen sich möglichst viele weitere Mitgliedstaaten daran beteiligen. Dem Ministerium zufolge sollen Änderungen möglich sein, wenn die Zahl der Geretteten erheblich steigt. So sollen Anreize für Schlepper, sogenannte Pull-Effekte, vermieden werden.

Italien und Malta verweigern Rettungsschiffen immer wieder die Einfahrt in ihre Häfen. Zusagen kommen meist erst nach langen und mühsamen Gesprächen, weshalb Gerettete in der Vergangenheit wiederholt wochenlang an Bord ausharren mussten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 05:00 Uhr

30 Kommentare

coco vor 3 Wochen

wenn man die neuesten Nachrichten hört wirds Einem übel.Seehofer,dieser Drehhofer wendet sich im Wind. Da sind gerade mal vier Staaten,die Bootsflüchtlinge aufnehmen wollen,da kann Deutschland wieder nicht genug bekommen.Da sollen Alle Bootsflüchtlinge,ungeprüft nach Europa verteilt werden.Da wird die Invasion erst richtig los gehen.Die Schlepper reiben sich die Hände,das wird ein Mio.Geschäft. Denken diese Politiker überhaupt nicht an die Folgen,das Sozialsystem wird gesprengt,die innere Sicherheit geht gen Null. Ich hoffe die Menschen hier gehen zu tausenden auf die Straße. 1989 wurde auch am Volk vorbei regiert,das schlimmste die Regierenden machten immer weiter,genau wie jetzt,immer laut nach Merkels Devise "weiter so". Nein,Zustände wie in diesen Fluchtländern werden auch bald hier herrschen,aber die Politik schaut weg,im Gegenteil.Es wird bewusst den Interessen der eigenen Bevölkerung geschadet. Das hat schon alles nichts mehr mit Asylrecht zu tun. Leute werdet endlich munter!

Klarheit vor 3 Wochen

Ja , ich denke der "gute Horst" , der eigentlich absolut nix auf die Reihe bekommt hat die Asylindustrie als neuen Wachstumsmarkt für sein Bayern erkannt und möchte damit eventuell Ersatzarbeitsplätze für die wegbrechende Autoindustrie aufbauen .... ein ganz schlauer , der Horst.......... er kann die "Migranten" die übers Wasser kommen ja auch gleich in Seenähe (Starnberger See, Ammersee...) in Bayern unterbringen , uns aber in Sachsen mit diesen Gestalten verschonen !!

ElBuffo vor 3 Wochen

Genau. Immer schön das Pferd von hinten aufzäumen und erstmal neue Anreize schaffen ins Boot zu steigen. Und gleiczeitig noch einen Arbeitskreis für Überlegungen zur Clankriminalität gründen. Die merken gar nicht, dass es genau damit anfängt, Schleppern das geschäft möglichst einfach zu machen. Das so leicht verdiente Geld kann dann prima in Deutschland investiert werden.