"Superspreader" von Desinformation Kennedy-Neffe: Vom angesehenen Umweltanwalt zum Verschwörungstheoretiker

Mit Robert F. Kennedy hatte die "Querdenken"-Demo in Berlin zuletzt auch international prominenten Besuch. Der Neffe des einstigen US-Präsidenten war lange erfolgreicher Umweltanwalt, bis er das Thema Impfen entdeckte.

Versammlung für die Freiheit - Berlin invites Europe am 29.08.2020 in Berlin Rede von Robert F. Kennedy Jr. bei der Demo Berlin invites Europe Versammlung für Friede & Freiheit.
"Ich bin ein Berliner" - die Rede des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy am 26. Juni 1963 ging um die Welt. 57 Jahre später schlägt sein Neffe hier ganz andere Töne an. Bildrechte: imago images/JeanMW

Es ist zwar ein Kennedy, aber nicht der ehemalige US-Präsident John, der Berlin als Frontstadt gegen den Totalitarismus ausruft. Sondern sein Neffe Robert – 57 Jahre später bei der jüngsten Corona-Demonstration. Was nicht nur in den USA für Kopfschütteln sorgte. Denn hier war Robert F. Kennedy Jr. als erfolgreicher Umweltanwalt, Gewässer- und Klimaschützer bekannt. Bis er Anfang der 2000er-Jahre plötzlich das Thema Impfen für sich entdeckte:

"Das ist alles das Gleiche: Große Unternehmen, die versuchen, Menschen zu vergiften. Impfen oder Umweltverschmutzen. Sie lügen, untergraben die Demokratie, kaufen die Kontrollbehörden und korrumpieren Politiker und Medien", sagt der mittlerweile 66-jährige im Interview mit dem ARD-Hörfunkstudio New York.

"Superspreader" von Desinformation

Mit dieser kruden Botschaft hat sich der Kennedy-Sprössling in den vergangenen Jahren wieder einen Namen gemacht. In einer Szene aus Impfgegnern, Mobilfunkkritikern und Corona-Leugnern. "Dank Social Media", sagt der Daten-Analyst Raymond Sarrato: "Er hat zwei Hauptseiten bei Facebook: Seine eigene Robert F. Kennedy Jr. und dann die seiner Organisation 'Childrens Health Defense' mit zusammen 200.000 Followern. Auf Instragram sind es noch mal mehrere Hundertausend. Zusammen erreicht er mehr als eine halbe Million Leute. Und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass er von anderen wichtigen Influencern gereposted wird."

Einen "Superspreader" – einen "Superverbreiter" – von Desinformation nennt Sarrato ihn deshalb. Er hat für das unabhängige Journalismus-Portal Tortoisemedia Kennedys Posts analysiert.

Resistent gegen alle Belege

Auch für Joseph Uscinski von der University of Miami, der im Bereich Verschwörungstheorien forscht, ist Kennedy kein Unbekannter: "Egal mit welchen Belegen man ihn über die Sicherheit von Impfstoffen konfrontiert, für ihn sind sie immer gekauft. Er vertritt diese Anti-Impf-Haltung schon eine Weile. Und jetzt mit Corona hat er das noch ausgeweitet und unterstellt, dass es da eine Geheimoperation hinter der Suche nach einem Corona-Impfstoff gibt."

Ob Microsoft-Gründer Bill Gates, der US-Regierungsexperte für Infektionskrankheiten Anthony Fauci oder die Weltgesundheitsorganisation WHO – alle seien von Big-Pharma geschmiert und gesteuert. Aber auch Masken seien wirkungslos. Und die Quarantäne habe einen ganz anderen Zweck als die Verbreitung von Viren zu stoppen: "Sie haben beim Schutz der öffentlichen Gesundheit keinen guten Job gemacht. Aber sie haben einen guten Job gemacht, die Quarantäne zu nutzen, um überall 5G-Mobilfunk zu installieren. Das ist der Anfang einer digitalen Währung. Und das ist der Anfang der Sklaverei."

Auch das kam gut an bei der Corona-Demo in Berlin, zu der nach offiziellen Angaben und Schätzungen von Medien rund 40.000 Menschen gekommen waren. Für Kennedy auch das eine dreiste Lüge: "Das sah aus wie Woodstock hoch zehn. Das waren zwischen 1,5 und drei Millionen Leute. Die wahrscheinlich größte Demonstration in der deutschen Geschichte."

Verwandtschaft distanziert sich von Robert F. Kennedy Jr.

Zahlen, die nicht mal die Veranstalter verbreitet haben. Und zu den Szenen der rechten Demonstranten, die zeitweise die Reichstagstreppe besetzt hatten, greift Kennedy dann ganz tief in die deutsche Geschichtskiste: "Es ist klar, dass die Polizei mit den rechten Gruppen kooperiert und das Ganze für die Presse inszeniert hat. Sie verbreiten Lügen aus dem gleichen Grund wie Hitler: Sie inszenieren Provokationen, die uns in einem schlechten Licht stehen lassen, damit die Leute fernbleiben und uns nicht zuhören."

Sein Onkel John F. Kennedy würde sich wohl im Grabe umdrehen. Aber auch seine noch lebenden Verwandten distanzierten sich bereits im vergangenen Jahr von Robert. Schwester, Bruder und Nichte erklärten in einem offenen Brief, sie liebten ihn zwar. Aber: "Er ist Teil einer Desinformationskampagne, die herzzerreißende – und tödliche – Folgen hat".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. September 2020 | 06:00 Uhr