Eine Kita in Schleswig-Holstein
Eine Kita in Schleswig-Holstein: Gemessen am Haushaltseinkommen müssen Familien für die Kinderbetreuung hier am tiefsten in die Tasche greifen. Bildrechte: dpa

Studie zur Kinderbetreuung Kita-Kosten sind ungleich und ungerecht

Die Bertelsmann-Stiftung kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Eltern je nach Wohnort und Einkommen bei Kita-Gebühren ungleich - und ungerecht - verteilt zur Kasse gebeten werden. Außerdem müsse erst die Qualität der Betreuung verbessert werden, bevor man flächendeckende Beitragsfreiheit in Angriff nimmt.

Eine Kita in Schleswig-Holstein
Eine Kita in Schleswig-Holstein: Gemessen am Haushaltseinkommen müssen Familien für die Kinderbetreuung hier am tiefsten in die Tasche greifen. Bildrechte: dpa

Eltern werden bei der Betreuung ihrer Kinder in Kitas regional stark unterschiedlich belastet. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung über Kosten und Qualität von Kindertagesbetreuung in Deutschland. Demnach bezahlen Eltern in Schleswig-Holstein mit durchschnittlich 8,9 Prozent ihres Einkommens proportional am meisten für die Kinderbetreuung. Am wenigsten werden Eltern in Berlin belastet - mit 2,0 Prozent des Haushaltseinkommens. Die drei mitteldeutschen Länder liegen mit 5,1 Prozent (Sachsen), 5,8 Prozent (Sachsen-Anhalt) und 6,1 Prozent (Thüringen) im unteren Mittelfeld.

Mitteldeutsche Länder im Mittelfeld

Eine Kindergartengruppe beim Essen
Wie viele Kinder sitzen um den Tisch? Für die Bertelsmann-Stiftung ist der Betreuungsschlüssel wesentliches Kriterium für die Betreuungsqualität. Bildrechte: dpa

Berücksichtigt werden müssen allerdings auch die Zusatzkosten für Verpflegung, Hygieneartikel und Ausflüge, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am teuersten sind. Zudem sind die Betreuungsschlüssel in den ostdeutschen Ländern traditionell wesentlich höher als in Westdeutschland. Der Betreuungsschlüssel ist für die Bertelsmann-Stiftung das wesentliche Kriterium für die Qualität der Kinderbetreuung. Nach dieser Lesart erhielten auch Familien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine deutlich geringere Betreuungsqualität als Familien vor allem in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Zum Vergleich: In Sachsen betreut ein Kindergarten-Erzieher im Schnitt mindestens 13 Kinder, in Baden-Württemberg sind es sieben.

Neben der regionalen Ungleichheit der Betreuungskosten bemängelt die Bertelsmann-Stiftung in der Studie vor allem die stärkere Belastung für ärmere Haushalte. Laut der Studie müssen Haushalte unter der Armutsgrenze einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Betreuung ausgeben wie wohlhabendere Familien - und das, obwohl die Gebühren für die Kinderbetreuung in den meisten Kommunen bereits gestaffelt sind.

Soziale Ungleichheit

Eltern oberhalb der Armutsgrenze bezahlen demnach durchschnittlich 178 Euro für die Betreuung ihrer Kinder, was 5,1 Prozent ihres Haushaltseinkommens entspricht. Bei Eltern unterhalb der Armutsgrenze sind es 118 Euro - umgerechnet 9,8 Prozent des Einkommens. Angesichts dieser Zahlen fordert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung: "Wir brauchen eine Befreiung einkommensschwacher Familien von Kita-Kosten." Die Kosten für eine solche Maßnahme schätzt die Bertelsmann-Stiftung auf 730 Millionen Euro.

Angesichts dieses Ergebnisses hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey das Ziel der Beitragsfreiheit für die Kinderbetreuung bekräftigt. "Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen", sagte Giffey in einer ersten Reaktion auf die Bertelsmann-Studie. In dieser Wahlperiode fließen Giffey zufolge 3,5 Milliarden Euro in die Kindertagesbetreuung.

Zusagen des Bundes sind Tropfen auf heißen Stein

Dieser Betrag reicht laut Bertelsmann-Stiftung allerdings nicht aus, um sowohl die Qualität der Kinderbetreuung substantiell zu verbessern als auch Beitragsfreiheit zu erreichen. Den Bedarf für beide Ziele beziffert die Stiftung auf knapp 46 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren.

Jörg Dräger, Bertelsmann-Stiftung
Jörg Dräger, Vorstand Bertelsmann-Stiftung. Bildrechte: dpa

Stiftungs-Vorstand Dräger warnt davor, die Beitragsfreiheit für alle Eltern zu überstürzen. Diese würde die Qualität in den Kitas gefährden. "Bundesweit fehlen Erzieherinnen und Erzieher, und die Betreuungsschlüssel stimmen in vielen Kitas nicht. Jetzt alle Eltern zu entlasten, würde den politischen Handlungsspielraum für den Qualitätsausbau unnötig verengen." Erst solle daher die Qualität der Kinderbetreuung verbessert und das Ziel der Beitragsfreiheit angegangen werden.

Eltern würden für bessere Qualität mehr zahlen

Nach einem weiteren Ergebnis der von Bertelsmann durchgeführten Studie wird dieser Ansatz auch von den Eltern gestützt. Eine Mehrheit der Eltern wäre demnach bereit für eine bessere Qualität sogar noch höhere Kosten in Kauf zu nehmen. 59 Prozent der Eltern oberhalb, aber auch 53 Prozent der Eltern unterhalb der Armutsrisikogrenze würden für mehr Personal und bessere Ausstattung höhere Beiträge akzeptieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 28. Mai 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2018, 16:27 Uhr

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19 Kommentare

15.08.2018 11:17 Ichich 19

Welche Agenda hat die Bertelsmann Stiftung ? Ziel ist es, bis zum letzten Atemzug zu verhindern, daß Kita kostenfrei werden. Die "Belastung" durch ein Kind soll also bei Gutverdienern möglichst hoch sei. Mehr "Qualität" ... bedeutet in der Interpretation der Stiftung nichts anderes als mehr Stellen zu schaffen und höhere Gehälter zu ermöglichen. Pech: Daß diese irgendeine Auswirkung auf die "Qualität" hätten, kann nicht nachgewiesen werden. Kleiner Tipp: Laut "Qualität" liegen die Kita von B-W an der Spitze, die von M-V am Ende. De facto liegen die Schulergebnisse von M-V mittlerweile vor denen von B-W. Finde Fehler !

15.08.2018 09:57 Lischen Müller 18

Kindereinrichtungen sind wichtig.
Die Qualität ist wichtig.
Die Kosten sollten das Einkommen der Eltern berücksichtigen.
In den Regierungen sitzen doch (davon gehe ich aus) gebildete Leute.
Die sollten doch eine Lösung (Quantität und Qualität unter einen Hut zubekommen) hinbekommen.

13.08.2018 18:08 Siegfred 17

@ 1 6 ja das stimmt zu DDR- Zeiten haben wir immer gesagt " so wie die Sachsen heute arbeiten werden die Berliner morgen leben,"
Berlin ist total verschuldet aber stets Partys feiern , keinen einzigen cent mehr dorthin.

29.05.2018 21:07 H.E. 16

Und in Berlin und in Rheinland-Pfalz müssen die Eltern schon längere Zeit keine Kindergartengebühren bezahlen auf Kosten anderer Bundesländer. Das geht auch nicht. Diese beiden Bundesländer halten immer nur die Hand auf, was in keinster Weise einzusehen ist. Berlin und Rheinland-Pfalz sind permanente Nettoempfänger.

29.05.2018 13:50 peter 15

Ja, dies alles im reichen Deutschland! Eine Schande für das Land.
Kinder sind nur eine Randgruppe, für die man nichts machen kann und will.
Einfach nur ein Jammer!!!

29.05.2018 00:47 Hans 14

Lieber Axel, der Wehretat wird ausser Frage stehen. Die Militärtechnik bewegt sich angeblich nicht mehr. Da müssen viele Milliarden investiert werden??? Das "demografische Problem" wurde verdrängt. Nun kam 2015/16 die Lösung des Problemes?

28.05.2018 22:53 part 13

Als ich einst in den Kindergarten ging, mussten wohl nur pro Woche so an die 3,50 MDN an Essengeld gezahlt werden. Niemand wurde kollektiviert zum Toiltettengang gezwungen und das Essen schmeckte manchemal nicht, weil der Einheitsbrei vom Caterer noch nicht erfunden war, es gab eine Köchin. Kindliche Vorschulerziehung sollte jedoch oberste Aufgabe des Staates sein statt Gelder für noch mehr Waffen und Auslandseinsätze der BW. Deshalb meine Forderung: Kita für alle und kostenfrei, eine Investition die sich auszahlen wird.

28.05.2018 20:51 Marcus Krüger 12

Das Problem mit den Kitas ist doch das manche Bundesländer schlicht und einfach vor Gier den Hals nicht voll genug bekommen. Die Bundes-Grünen schreien doch als erstes auf wenn die Bundesregierung den Satz weiter anheben wollen, und Kita Beiträge teurer werden sollen. Aber in SH haben die Jahrelang mitregiert und da haben die das mit abgesegnet. Typische Grünen Politik. Wie sagt man: Wasser predigen, Wein saufen.

28.05.2018 20:34 Axel an Hans (10) 11

"Warum ist die Kinderbetreuung nicht ohne wenn und aber kostenlos?"

(Zitat von heute) Franziska Giffey: "Eine ihrer ersten Ankündigungen war deshalb: Kitas sollten besser werden. 3,5 Milliarden Euro will sie investieren. Laut Bertelsmann-Stiftung müssten aber über 15 Milliarden ausgegeben werden, wenn man die Qualität anheben und gleichzeitig die Kitagebühren abschaffen wollte."

GLAUBEN Sie ehrlich, diese Groko würde auf die MILLIARDENSCHWERE Erhöhung des Wehretats zugunsten "kostenloser" Kinderbetreuung verzichten?

28.05.2018 18:26 Hans 10

Diese Diskussionen sind ermüdend. Warum ist die Kinderbetreuung nicht ohne wenn und aber kostenlos? Das würde vielen AfD -Wählern die Argumente nehmen. Was hier wenig verdienende Eltern leisten ist grandios, das können sich die Politikerinnen und Politiker "dort drinnen" gar nicht vorstellen.

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