Spielzeug liegt in einem Sandkasten in einer Kindertagesstätte.
Kitas sehen sich oft hilflos, wenn es um das Thema Armut geht. Bildrechte: dpa

Studie Kita-Leiter: Immer mehr Kinder aus armen Familien

Offiziellen Statistiken zufolge stagniert die Zahl der Armen in Deutschland. In den Kitas im Land herrscht ein anderes Gefühl vor: Viele Mitarbeiter haben den Eindruck, dass der Anteil armer Kinder in ihrer Kita steigt. Das ergab eine Studie des Kitaleitungskongresses. Von der Politik fühlen sich viele Erzieher alleingelassen.

Spielzeug liegt in einem Sandkasten in einer Kindertagesstätte.
Kitas sehen sich oft hilflos, wenn es um das Thema Armut geht. Bildrechte: dpa

Laut offiziellen Statistiken stagniert die Zahl der Armen in Deutschland, etwa jedes fünfte bis sechste Kind ist demnach offiziell von Armut betroffen. In deutschen Kitas haben die Mitarbeiter allerdings einen anderen Eindruck. Das zeigt eine Studie des Deutschen Kitaleitungskongresses, die am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Anteil von Kindern aus armen Familien steigt

An der repräsentativen Studie nahmen bundesweit 2.390 Kitaleiterinnen und -leiter teil. Mehr als die Hälfte von ihnen (53,4 Prozent) gab an, dass in ihrer Kita der Anteil von Kindern aus armen Familien steige. Knapp die Hälfte (49,8 Prozent) meinte, dass sich der Kontakt zu den betroffenen Familien schwierig gestalte. Die Macher der Studie weisen hierbei darauf hin, dass Menschen mit Migrationshintergrund statistisch gesehen generell häufiger von Armut betroffen sind und hier "Verständigungsprobleme bzw. kulturelle Hindernisse die Erziehungspartnerschaft erschweren".

Nur die Hälfte macht spezielle Angebote an arme Kinder

Drei Kinder halten Münzen in den Händen.
Mehr als die Hälfte der befragten Kitaleiterinnen- und Leiter hat das Gefühl, dass in ihrer Kita der Anteil von Kindern aus armen Familien steigt. Bildrechte: dpa

Allerdings kümmern sich der Befragung zufolge auch nur knapp die Hälfte der Kitas mit speziellen Angeboten intensiv um von Armut betroffene Kinder. Gleichzeitig gaben rund 28 Prozent der befragten Kitaleiterinner und -leiter an, sie fühlten sich über Hilfsangebote für arme Familien schlecht informiert. Die Studienmacher ruft daher Fachkräfte, Lokalpolitik und Träger auf, Armut stärker zum Thema zu machen. Das gelte insbesondere an Standorten mit hoher Armutsquote, aber auch dort, wo Armut nicht auf den ersten Blick sichtbar sei.

Mangelnde Unterstützung aus der Politik

Die Kitaleiterinnen und -leiter selbst fühlen sich offenbar vor allem von der Politik im Stich gelassen - nicht nur beim Thema Kinderarmut. Gerade einmal zwei Prozent der Studienteilnehmer gaben an, sich von der Politik im Kita-Alltag spürbar unterstützt zu fühlen, vier Prozent fühlten sich von der Politik in ihrer Arbeit angemessen wertgeschätzt. 64 Prozent spüren keine Unterstützung. Damit wird die Unterstützung durch die Politik noch etwas schlechter eingeschätzt als in der DKLK-Studie aus dem letzten Jahr. Eine bessere Bewertung erhielten die Träger der Kitas. Von diesen fühlten sich rund 78 Prozent der Befragten unterstützt.

Akademiker besser bewertet - aber selten

Ein weiteres Themenfeld der Studie war die Zufriedenheit mit der Qualifikation von Berufsanfängern. Dabei zeigte sich, dass akademisch ausgebildete Kinderpädagogen bei den Kitaleiterinnen und -leitern hoch im Kurs stehen: Sie wurden in der Befragung auf sämtlichen Gebieten besser bewertet als Berufsanfänger mit einer staatlich anerkannten Erzieher-Ausbildung. Mehr als 60 Prozent der Kitachefinnen und -chefs gaben an, mit dem Qualifikationsniveau von sogenannten Kindheitspädagoginnen und -pädagogen äußerst zufrieden zu sein, bei den Erzieherinnen und Erziehern waren es nur 28 Prozent.

Kinderjacken hängen in einer Kita am Haken.
Obwohl Kitaleiterinnen- und leiter mit studierten Kindheitspädagoginnen- und Pädagogen äußerst zufrieden sind, fehlt es an Bewerbern. Bildrechte: dpa

Allerdings beschäftigt ein Großteil der Kitas noch keine Kindheitspädagoginnen und -pädagogen, vor allem, weil die Bewerber fehlen. Mehr als 35 Prozent der Studienteilnehmer gaben aber auch an, den Akademikern keine adäquaten Stellen anbieten zu können. Die Studienmacher begründen das vor allem damit, dass die Hochschulabsolventen den Personalverantwortlichen als überqualifiziert für eine Erzieherstelle erscheinen. Gleichzeitig hätten die Akademiker höhere Ansprüche an Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten, die oft nicht erfüllt werden könnten. Hier sei die Politik gefragt.

Erzieherausbildung in Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders schlecht?

Auffällig ist laut Studie, dass die Zufriedenheit mit der Qualifikation von Erziehern je nach Bundesland sehr unterschiedlich ausfällt. Demnach zeigten sich in Thüringen und Sachsen-Anhalt nur rund 61 Prozent der Kitaleiterinnen und -leiter insgesamt zufrieden mit den Berufsanfängern, in Mecklenburg-Vorpommern 56 Prozent. Weitaus besser bewertete man das Qualifikationsniveau in Bayern (rund 85 Prozent) und Hessen (rund 82 Prozent).

Für die Studie beantworteten 2.390 Kitaleiterinnen und -leiter aus ganz Deutschland zwischen dem 15.11.2017 und 7.12.2017 13 Fragen online. Durchgeführt wurde die Befragung vom Informationsdienstleister Wolters Kluwer, wissenschaftlicher Begleiter war Prof. Dr. Ralf Haderlein von der Hochschule Koblenz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Februar 2018 | 23:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 11:36 Uhr

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41 Kommentare

08.03.2018 16:46 Fragender Rentner 41

Bei t-online steht auch ein Artikel zu der schulischen Ausbilung und was so auf die Schüler drauf zukommt.

Und was erwartet und befürchtet wird von ihnen.

08.03.2018 06:50 M. Jacob 40

Im neuen Koalitionsvertrag steht an keiner Stelle auch nur ein einziges Wort, wie die Situation unserer Mitmenschen in ALG 2 und Grundsicherung verbessert werden soll. Das Hauptproblem der derzeitigen Regelungen ist die Definition Nachrangigkeit. Daher kommt eine Erhöhung z.B. des Kindergeldes oder eine Rentenerhöhung dei "Bedürftigen" niemals an, da die Erhöhungen verrechnet werden. Das nennt sich übrigens bei den Wohlhabenden "Soziale Gerechtigkeit" und führt zur allgemeinen Verwunderung, wenn die Wahlergebnisse nicht mehr stimmen.

07.03.2018 20:13 Kritischer Bürger 39

@pkeszler 37: +...Hier muss der Staat mit entsprechenden Mitteln besser eingreifen....+ Welchen MITTELN? MEHR GELD, mehr politische Vorschule, mehr Gesetze, vllt gar das Ersetzen der Erziehung? Wie soll das MEHR aussehen? Der Staat sollte den Bürgern das zugestehen, was nicht nur den minimalsten Bedarf abdeckt in dem Kinder der Armut ausgesetzt sind! Alles Andere ergibt sich dann daraus.

07.03.2018 19:56 ein schon länger in Deutschland lebender 38

@Peter 34

"Ich erinnere an Punkte wie Mindestlohn, abschlagsfreie Rente mit 63, ..."

jetzt kommen sie nicht wieder mit diesen Lügen, da rollen sich ja bei mir die Fußnägel hoch!

Übrigens, als selbständiger geht es ihnen nicht schlecht den ganzen Tag hier im www.mdr.de Beiträge zu schreiben ;-)

07.03.2018 19:17 pkeszler 37

@Kritischer Bürger: "wenn Elternhaus und Erziehung dort zu wünschen übrig lässt. Z.Tl. aus persönlichen oder finanziellen Gründen=also steigender Armut."
Die Armut in den Familien hat sehr unterschiedliche Ursachen. Aber diese ist hier nicht das Thema. Sie wirkt sich aber immer auf die Kinder dieser Familien aus und wie wir hier sehen, auch deutlich auf deren Betreuung durch die Kitas. Hier muss der Staat mit entsprechenden Mitteln besser eingreifen.

07.03.2018 18:22 Kritischer Bürger 36

Weiterhin zum Artikel: Wer soll sich in Zukunft mit Kindern so sehr beschäftigen, wenn Elternhaus und Erziehung dort zu wünschen übrig lässt. Z.Tl. aus persönlichen oder finanziellen Gründen=also steigender Armut. Weiterhin ist auch zu erwähnen wie im Artikel ersichtlich: In Zukunft wird ggf. Erzieher nur noch nach Studium eine Chance haben unter dem Zitat: +...Zufriedenheit mit der Qualifikation von Berufsanfängern....+ Nun dann möchten aber auch die Studienzugangsnormen geändert werden, denn wenn alle angehenden Studenten einen Notendurchschnitt von 1,5 bis 2,0 im höchsten Fall haben dürfen dann sehe ich persönlich es sehr sehr schwarz bei dem heutigen Lehrermangel und den Fachbereichen auf die laut Bildungsministerium wert gelegt werden soll. Was soll politische Bildung für die Erzieher in einer Kita bewirken? Vllt. so wie vor 1989? Das wäre nicht im Sinne der Notwendigkeit das Erzieher so gebildet sein müssen und kleinen Kindern nicht viel anderes zu bieten haben.

07.03.2018 17:58 pkeszler 35

Statt einer Kindergelderhöhung für alle Familien, die bekanntlich bei den Besserverdienenden wenig ins Gewicht fällt, sollte man den Kindereinrichtungen mehr Geld für kostenloses Essen oder den armen Familien ein kostenloses Jahr zur Verfügung stellen, damit das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es notwendig ist. Auch viele Eltern verwenden das Kindergeld nicht immer für die Kinder, sondern für den Konsum von verzichtbaren Produkten.

07.03.2018 17:40 Peter 34

@Bürger: Wenn Sie "arm" auf Hartz IV Empfänger reduzieren, haben Sie mit dem Kindergeld recht.
Aber, als "arm" gilt in Deutschland eine Familie mit 2 Kindern, die über ein verfügbares Nettoeinkommen von weniger als 2.000 € (60% des Medianeinkommens, dass momentan bei 3.392 € liegt) verfügt.
Und dieser Familie hilft die Erhöhung des Kindergeldes sehr wohl.
Schließlich: Warum zweifeln Sie an der Umsetzung des Koalitionsvertrages? Den von 2013 hat die GroKo doch auch umgesetzt. Ich erinnere an Punkte wie Mindestlohn, abschlagsfreie Rente mit 63, Mütterrente ...
Und zum Schluss: Die 12 Mrd. € errechnen sich aus den Mehreinnahmen des Bundes für die nächsten Jahre aufgrund der guten Wirtschaftslage, d.h. auch höherer Löhne und sinkender Arbeitslosigkeit. Steuererhöhungen schließt die GroKo aus, das ist bekannt.

07.03.2018 17:14 Fragender Rentner 33

Bei Mühlheim hatte ich mich verschrieben, es waren 90% und in der LVZ stand Heute etwas von Sachsen wo es jedes 3. Kind ist.

07.03.2018 16:32 Kritischer Bürger 32

@Peter 19: Wenn aus Nebentätigkeiten vom So nun an Sie meine Frage: Was haben HartzIV Bezieher von höherem Kindergeld? Meine Antwort: NICHTS!
@Peter 19: Um wieder auf diesen Artikel oben zu kommen wegen der Armut der Kinder aus HartzIV Familien. All diese ach so hoch gewürdigten Mehrleistungen im Koal.-Vertr. bezüglich Ihrer hier angegebenen Anführung (höheres Kindergeld; höherer Kinderzuschlag) nutzt den wirklich Armen, deren Kinder, die in Kitas gehen, absolut NICHTS! Anders bei Menschen die KEINE SOZIALLEISTUNG/HartzIV beziehen, doch können Bedürftige ohne HartzIV >Grundsicherung des Lebensbedarfes< leben? Haben Sie eine andere Meinung dazu? Wenn ja sollten Sie sich mal mit dem SGB mehr beschäftigen, auch wenn es Ihnen nicht schlecht geht! Das nun Kita-Gebühren gesenkt werden sollen, bis hin zu ggf. kostenlos, glauben Sie bitte nur allein! Diese kostenlose Kitas WIRD ES NICHT GEBEN! Diese 12 Mrd.€ sind sicher veranschlagt, doch werden an anderer Stelle von Bürgern wieder genommen.