Demonstranten halten ein Transparent mit dem Aufdruck "Kitaplätze schaffen Erzieherinnen unterstützen jetzt !" während Eltern und Erzieher für mehr Plätze in den Kitas und eine bessere Bezahlung der Erzieher in Berlin demonstrieren
In Berlin gingen am Sonnabend Tausende Eltern auf die Straße. Bildrechte: dpa

Berlin Tausende Demonstranten fordern mehr Kita-Plätze

In Berlin haben Tausende Eltern für eine bessere Kita-Betreuung demonstriert. Bundesweit fehlen derzeit Tausende Erzieher in den Betreuungseinrichtungen. Der Chef des Städtetages fordert in diesem Zusammenhang eine generelle kostenlose Ausbildung in diesem Beruf.

Demonstranten halten ein Transparent mit dem Aufdruck "Kitaplätze schaffen Erzieherinnen unterstützen jetzt !" während Eltern und Erzieher für mehr Plätze in den Kitas und eine bessere Bezahlung der Erzieher in Berlin demonstrieren
In Berlin gingen am Sonnabend Tausende Eltern auf die Straße. Bildrechte: dpa

In Berlin haben am Sonnabend Tausende Eltern und Kinder für mehr Kita-Plätze und eine bessere Qualität der Betreuung demonstriert. Der Protestzug zog vom Bahnhof Friedrichstraße in Richtung Brandenburger Tor. Die Demo wurde vom Elternbündnis "Kitakrise" organisiert. Laut Veranstalter beteiligten sich rund 3.000 Menschen, erwartet worden waren rund 1.800 Demonstranten.

Eine Sprecherin des Bündnisses sagte, nicht nur in Berlin sei die Lage angespannt, sondern auch in Großstädten wie Leipzig und Köln. Die Initiative fordert unter anderem eine zentrale Datenbank für freie Kita-Plätze. Über eine Webseite sollten sich Eltern dann bewerben können.

Kita-Lage in Leipzig

In Leipzig gibt es laut Stadtverwaltung rund 260 Kindertagesstätten. Nach Schätzung der Leipziger Kita-Initiative fehlen in der Stadt zwischen 2.000 bis 3.000 Betreuungsplätze. Die Stadt wirbt auf ihrer Website damit, dass sie seit über zehn Jahren die Betreuungskapazitäten kontinuierlich ausbaue. Im vorigen Jahr entstanden nach Stadtangaben sechs neue Kindertagesstätten.

Kita-Situation in Berlin

Erzieherin spielt mit Kindern
Bundesweit fehlen Tausende Erzieherinnen und Erzieher. Bildrechte: colourbox

In Berlin ist die Lage ähnlich: Obwohl sich die Zahl der Kita-Plätze auch in Berlin in den vergangenen Jahren auf 170.000 erhöht hat, fehlen unterm Strich momentan etwa 2.500 Plätze mit der Folge, dass etliche Eltern keine wohnortnahe Betreuung für ihren Nachwuchs bekommen.

Gleichzeitig wächst die Stadt jährlich um rund 40.000 Einwohner, darunter viele Familien mit Kindern. Zudem erlebte Berlin 2016 und 2017 mit je 41.000 Geburten einen Baby-Boom. In den kommenden drei Jahren soll die Anzahl der Plätze nach Senatsangaben auf 193.000 steigen. Um das jedoch zu realisieren, werden zusätzlich 5.500 Erzieher gebraucht.

Städtetag: Ausbildung muss attraktiver sein

Doch an Erziehern mangelt es nicht nur in Berlin, sondern deutschlandweit in den Betreuungseinrichtungen. Angesichts fehlender Fachkräfte fordert der Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Allein bei der Kinderbetreuung fehlten mehrere Tausend Erzieherinnen und Erzieher, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das wäre zu ändern, wenn die Länder die Ausbildung an den Fachschulen attraktiver machten und mehr Ausbildungsplätze anbieten würden.

Dass angehende Erzieherinnen und Erzieher für ihre Ausbildung bezahlen müssen, ist ein Anachronismus, der abgeschafft gehört.

Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy "Neue Osnabrücker Zeitung"

Die Erzieherausbildung ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt, da Bildung Ländersache ist. Die staatlichen Erzieherschulen erheben in der Regel kein Schulgeld, es können aber Materialkosten in individueller Höhe anfallen. Private und freie Schulträger können hingegen ein Schulgeld erheben, das unterschiedlich hoch ausfallen kann. In einigen Bundesländern wird in der Erzieherinnenausbildung auch eine Ausbildungsvergütung gezahlt.

"Gute-Kita-Gesetz" für 2019 geplant

Familienministerin Franziska Giffey legte Anfang Mai ein neues Kinderbetreuungsgesetz zur Abstimmung in den Ressorts vor, das im nächsten Jahr in Kraft treten soll. Das sieht in erster Linie vor, die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern, zum Beispiel zum Betreuungsschlüssel oder zur Fachkräfteausstattung, zu vereinheitlichen. Es gehört laut Ministerin auch dazu, dass Auszubildende kein Schulgeld mehr zahlen und besser vergütet werden. Vorgesehen sei auch, durch neue Qualifizierungen und höhere Löhne mehr Erzieher anzuwerben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Mai 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2018, 18:48 Uhr

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21 Kommentare

27.05.2018 15:12 Kritischer Bürger 21

@Feister 20: Egal wer hier als Unwichtiger in Frage kommt, es ist auch zu erwähnen: Wie viele Schulen, Kitas usw. wurden gerade im Osten D von 1989-2017 geschlossen. Vllt. sollte der "Osten zum Vorraum für den Westen werden" mit all den da im Osten geltenden Bedingungen. Vllt. würde sich da dann dieses Problem mehr KITAs fast von allein lösen, wenn Asylsuchende und deren Nachwuchs in den inzwischen geschlossenen KITAs unterkommen könnten. Nur wer aus der Politik will sich diese Mehrkosten "aufdrücken lassen"? Etwas zu schließen ist billiger, als es wieder nutzbar zu machen mit verschiedenen Wegbegleiter und deren Bezahlung?

27.05.2018 10:45 Feister 20

In den letzten drei Jahren mussten 180000 Kita Plätze für Flüchtlinge bereitgestellt werden. Na merkt ihr was....ihr seit unwichtig für diesen Staat

27.05.2018 10:44 wer hat uns verraten, ... 19

@Peter 15

und das nutzen sie für eine Verallgemeinerung?

wie gesagt, keine Argumente.

27.05.2018 10:13 Michael Möller 18

ich würde mal die Frage stellen, warum fehlen die Kita-Plätze und warum werden die Erzieher so schlecht bezahlt. da würde ich sagen das liegt daran das unsere Politiker und hohe Beamten die mit Steuergeldern umgehen müssen, damit nicht klar kommen und dabei Steuergelder veruntreuen bzw. verschleudern, siehe die Großprojekte die dann mal das 5-10 fache kosten als nach Planung vorgesehen. so sieht es doch aus siehe Flughafen Berlin für 2,5 geplant und kostet uns Steuerzahlern wenn er mal fertigt wird 10 Milliarden oder Stuttgart 21 für 6 Milliarden geplant wird über 10 Milliarden kosten und da könnte man noch mehr aufzählen . das dann kein Geld da ist um die Erzieher richtig zu bezahlen oder Kitas die benötigt werden nicht gebaut werden, weil kein Geld vorhanden . sind die Wähler doch zu teil selber schuld solange Sie immer wieder die selben Politiker wählen die das zu verantworten haben , brauchen sie sich nicht aufregen würde ich sagen aber da sehe nur ich so also persönlich Meinung

27.05.2018 01:40 NRW-Wessi 17

Das angebliche Kita-Problem ist doch hausgemacht. Mein Vater arbeitete und meine Mutter kümmerte sich um mich. "Große Sprünge" waren für meine Eltern nicht drin. Man hatte aber alles und fuhr mit dem VW-Käfer eine Woche zur Nordsee in den Camping-Urlaub. Ich erinnere mich an eine glückliche Kindheit.
Heute zählen oft nur Abzahlungen fürs Haus, mehrere Urlaube, mehrere Autos, Smart-TV, neueste Smartphones und Playstations, mit denen man heutzutage Kinder ruhig stellt.
Die Prioritäten haben sich in Richtung Konsum verlagert und zu Ungunsten der Kinder, was systembedingt so gewollt ist. Darum müssen Mütter oft arbeiten und überlassen ihre Kinder fremden Menschen.
Für mich ist das ganze System total krank!

27.05.2018 00:18 Udo Degen 16

Die Stadtverwaltung Leipzig hat die
letzten Jahre geschlafen, sonst würden nicht die Plätze fehlen und viele Familien klagen weil sie einen Rechtsanspruch auf den Platz havrn.Diese Zahlen geben jene von der Stadt nicht raus. Die Lage ist nicht nur angespannt, was für ein Wort, die Lage ist ein Armutszeugniss dieser kindefeindlichen Politik, klar und deutlich ausgedrückt. Sonst wären ja Plätze ausreichend zur Verfügung wenn die deutsche Politk im voraus denken würden. In anderen Ländern wie Dänemark, Norwegen und Schweden geht es doch auch.

26.05.2018 22:02 Peter 15

@13: Nichts konstruktives?
Nur ein Beispiel (Westfälische Nachrichten): "Der Bau neuer Kindergärten soll also ein Angriff auf die Grundlage unserer Verfassung sein. So sieht es zumindest AfD-Ratsherr Richard Mol in seiner wirren Vorstellung am Mittwoch in der Ratssitzung. Nur weil die Stadt dringend benötigte Kindergartenplätze bauen will, gefährdet sie in den Augen der münsterischen Alternative für Deutschland die Wahlfreiheit von Eltern, die ihr Kind lieber zu Hause betreuen wollen und auch die Arbeit von Tagesmüttern. Verstehen muss man diesen Zusammenhang nicht."
Noch Fragen?

26.05.2018 21:50 Arbeitende Rentnerin 14

Peter, was soll denn dieser Blödsinn wieder, Frauen an den Herd, sollte das nicht jede Familie selbst entscheiden können, wir haben fast alle gearbeitet, heutzutage sollte man die Wahl haben außerhalb von Voreingenommenheit und Parteipolitik, ich wünsche es den jungen Frauen, diese Wahlfreiheit sollte der Staat garantieren, wurde zumindest vollmundig verkündet

26.05.2018 21:44 wer hat uns verraten, ... 13

@Peter 12

von ihnen kommt auch nichts konstruktives mehr.

naja, wenn man keine Argumente hat, aber im Gespräch bleiben will, ....

26.05.2018 20:14 Peter 12

@10 REXt: Argumentieren Sie nicht ein wenig scheinheilig.
Als Mitglied der alternativen Gemeinde müssten Sie doch eigentlich froh sein. Ist es nicht Ziel der AfD, möglichst vielen Mütter "heim" am Herd zu halten, statt die Kinder von der Kita betreuen zu lassen.
"Oder irre ich mich da?"